Laufende Promotionen (Erstgutachten)

Gabriela Bitai: Reflexion von Studienanfängern – Eine rekonstruktive Studie zum Lerntagebuch im Orientierungspraktikum des Lehramtsstudiums

Immer wiederkehrendes Thema im Diskurs zur universitären Lehramtsausbildung ist die Debatte um Quantität und Qualität des Praxisbezugs. Es geht vor allem um die Frage der Entwicklung und Entfaltung professioneller Fähigkeiten. Dabei spielt die Gestaltung der Studieneingangsphase eine wichtige Rolle bezüglich des Erfolgs im Studium.

Dass Reflexion eine bedeutsame Kategorie für die Lehrer*innenbildung darstellt und es demnach hochschuldidaktisch geboten ist, Reflexionsgelegenheiten für Studierende bereitzustellen, ist die konkrete Ausgangslage für diese Untersuchung. Im Kontext der bildungspolitischen Reformdiskussion erscheint die Portfolioarbeit als Qualitätsmerkmal. Das Promotionsvorhaben widmet sich diesen schriftlichen Artefakten von Studierenden – hier in Form eines Lerntagbuchs. Die pädagogische Orientierung ist Gegenstand der rekonstruktiv angelegten Forschung. Anhand der Dokumentarischen Methode werden Lerntagebucheinträge von Praktikant*innen im ersten Schulpraktikum qualitativ ausgewertet.

Diese Arbeit nimmt eine schulpädagogisch wie professionstheoretisch interessante Fragestellung in den Blick, rückt ein fachlich zentrales Thema der Lehrer*innenbildung in das Zentrum der Forschung und kann einen Beitrag für die Diskussion um die Qualität der Lehramtsausbildung in der Frage der Relevanz schulpraktischer Anteile und Integration reflexiver Anstrengungen liefern.

Nina Blasse: Unterricht im Anspruch von Inklusion: Die heterogene Lehrgruppe im Fokus

Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen wurde in Deutschland 2009 ratifiziert und der §24 zur Inklusiven Bildung hinterlässt seit dem Spuren im deutschen Schulsystem. Die entstandenen Wandlungsprozesse zeigen sich nicht nur in einer vermeintlich gesteigerten Heterogenisierung der Lerngruppe und daran anknüpfende Unterrichtsentwicklungsprozesse. Auch die Anwesenheit von mehreren Erwachsenen im Unterricht mit Lehrpersonen für die allgemeinbildende Schule, Sonderpädagog*innen und Schulbegleitungen als Einzelfallhilfen fordern Unterricht in seiner traditionellen Denkweise heraus. Um neue Erkenntnisse und grundlagentheoretische Überlegungen zum Unterricht im Anspruch von Inklusion zu gewinnen, rekonstruiert Nina Blasse in ihrem Dissertationsprojekt in ethnographischen Unterrichtsprotokolle, wie die "heterogene Lehrgruppe" (Blasse 2015) in Praktiken und Handlungen Unterricht als Interaktions- und Kommunikationsgeschehen (Reh/Rabenstein/Idel 2011; Meseth/Proske/Radtke 2012) herstellt. Der praxistheoretische Ansatz (Schatzki 2002) des Forschungsprojektes wird dabei in der Forschungsstrategie der Grounded Theory (Glaser/Strauss 1998; Strübing 2008) umgesetzt.

Andrea Bossen: Das Portfolio im Kontext 'Neuer Lernkulturen'. Ein praxistheoretsich-ikonographisch-ikonologischer Zugang zur 'Neuen Leistungskultur' im Artefakt Portfolio

Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Thematisierung von Leistung beteiligter Akteur*innen bei der Portfolioarbeit. Dabei werden zunächst Portfolios als schulische Artefakte und Materialisierung von Praktiken in ihrer 'Stillgestelltheit' methodologisch eingebettet, um dann weiterführend einen Vorschlag zu erarbeiten, wie Bilder von Artefakten methodisch aus einer praxistheoretischen Perspektive analysiert werden können. Letztlich wird über die Interpretation ausgewählter Portfolios eine 'Neue Leistungskultur' herausgestellt, die mit der Etablierung einer 'Neuen Lernkultur'  offenbar Hand in Hand geht.

Marina Dangelat: Die Konstruktion von Bewältigungsstrategien vom Unterricht aus der Schüler(innen)perspektive

Der Fokus der Studie liegt auf der Rekonstruktion des impliziten Wissens von Schülerinnen und Schülern über die Strategien zur Bewältigung von mündlichen Leistungen in individualisierenden Unterrichtsformaten. Datengrundlage bilden Gruppendiskussionen mit Schülerinnen und Schülern an Gemeinschaftsschulen Schleswig-Holsteins.

Thomas Fischer: Die Fachkultur Lehramt?

Das Promotionsvorhaben beschäftigt sich auf Grundlage qualitativ-empirisch erhobener ExpertInneninterviews Studierender am Ende des Studiums mit der Sonderstellung des Lehramts innerhalb akademischer Disziplinen. Forschungsleitend ist die Frage, welche Orientierungsschemata bzw. Deutungsmuster sich im Hinblick auf die Bedeutung der unterschiedlichen Fachkulturen rekonstruieren lassen.

Svenja Johannsen: Arbeitstitel: Formen der Differenzierung im inklusiven Setting des Englischunterrichts in der Grundschule

Im Rahmen meines Dissertationsvorhabens befasse ich mich mit einer der zentralen Herausforderungen der aktuellen Bildungsforschung und Schul- und Unterrichtsentwicklung – der Inklusion. Dabei werden vor allem Differenz und Differenzierungsprozesse im inklusiven Unterricht in den Blick genommen und aus unterschiedlichen Perspektiven rekonstruiert. Dies erfolgt mit einem fachdidaktischen Fokus – im Zentrum steht der Englischunterricht der Grundschule. Mit Hilfe eines ethnographischen Zugangs wird anhand längsschnittlicher Beobachtungen der frühe Englischunterricht an verschiedenen Grundschulen rekonstruiert und ein Ausschnitt schulischer Alltagswelt unter dem heutigen Anspruch von Inklusion dargestellt.

Elke Knauß: Sinn und Schule. Ansprüche und Wirklichkeiten in der Untersuchung zeitdifferenter Bedeutungsstrukturen

Was und wie ist Sinn? Was und wie ist Schule? Entlang der Dimension "Zeit" sollen Logiken von Tatsache ("Was") und Methode ("Wie") in der Beziehung zum Erleben von "Sinn" und zum Erleben von "Schule" je für sich und im Zusammenhang untersucht werden.

Nora Weuster: Ordnungen des Pädagogischen in Angeboten zum sozialen Lernen

Soziales Lernen ist ein übergeordneter Anspruch an pädagogische Einrichtungen und gleichzeitig ein Gegenstand, an dem sich Transformationen und institutionelle Überschneidungen abzeichnen, was sich mit der These einer "Sozialpädagogisierung" von Schule bzw. "Verschulung" außerschulischer Erziehungs-, Lern- und Bildungsangebote beschreiben lässt.

In der ethnographischen Vergleichsstudie werden aus einer praxistheoretischen Perspektive pädagogische Ordnungen sowie die Prozesse, in denen diese hergestellt werden, in unterschiedlichen Lern-/Erziehungs-/Bildungsarrangements (Schule, Jugendhilfe, außerschulische Jugendbildungsarbeit), die soziales Lernen zum Ziel haben, rekonstruiert. Gleichzeitig soll die Arbeit einen Beitrag zur Schärfung des Konzeptes soziales Lernen leisten.

Laufende Habilitationen (Erstgutachten)

Dr. Martin Bittner: Bildung zwischen Schule und Familie

Ein wesentliches Ergebnis international vergleichender Studien zu Fragen von Bildungserfolg in der Schule ist, dass die Schule es nicht vermag Bildungschancen zu ermöglichen und damit soziale Ungleichheiten zu kompensieren oder auszugleichen. Dies ist insofern wesentlich erschüttern, da in Deutschland die notwendigen Voraussetzungen für eine gelingende Bildung geschaffen sind – demokratische Strukturen, ein gut finanziertes öffentliches Bildungssystem, um hier nur zwei Voraussetzungen zu nennen. Es stellt sich nun die Frage, welche hinreichenden Bedingungen für eine gelingende Bildung geschaffen sein müssen. Davon ausgehend, dass es sich hierbei um ein Wechselspiel zwischen familialen und institutionell-gesellschaftlichen Anforderungen handelt, werden im Projekt unterschiedliche Praktiken in Familien und Schulen ethnographisch ergründet. Ziel ist es, eine Theorie der Bildung zu formulieren, die die Praktiken der Familie für die Konstitution der Schule erfasst.

Dr. Steffen Kirchhoff: Vom Beruf zur Semiprofession – Akademisierungsprozesse zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Vor dem Hintergrund zunehmender Akademisierungsprozesse in der beruflichen Bildung werden in einer vergleichenden Untersuchung die Berufe der ErzieherInnen, der Pflege und der Polizei in ihrem akademischen Professionalisierungsprozess im Fokus der Innen- und Außenperspektive untersucht. Der programmatische Anspruch der Akademisierung soll im Verhältnis zur Berufsbildung aus einer bildungspolitischen, soziologischen und erziehungswissenschaftlichen Perspektive hinterfragt werden.

Abgeschlossene Promotionen

Maika Böhm (Zweitgutachten): Empirische Analysen zu Geschlechterdimensionen in den Sexual- und Beziehungserfahrungen junger Erwachsener. Beharrungsvermögen des Konventionellen oder Auflösung von Differenzen?!

Die publikationsbasierte Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Geschlecht ausgewählte Aspekte der Sexual- und Beziehungserfahrungen junger Erwachsener zu Beginn des 21. Jahrhunderts organisiert bzw. strukturiert. Dafür werden in einer theoretischen Einführung  vorab unterschiedliche Sichtweisen auf Geschlecht bzw. Geschlechterverhältnisse erläutert, die Verschränkung von Geschlecht, Sexualität und Begehren dargestellt und daraufhin ausgewählte empirische Ergebnisse einer qualitativen Interviewstudie zu den Sexual- und Beziehungserfahrungen junger Erwachsener vorgestellt. Die komplexe Thematik wird mit einer "Geschlechterbrille" analysiert und die Frage diskutiert, was die Forschungsergebnisse für die sozial- bzw. sexualpädagogische Praxis bedeuten.

Sabrina Berg (Zweitgutachten): Pädagogische Praxis und Reproduktion sozialer Ungleichheit - zur Berücksichtigung sozialer Herkunft in Lehr- Lernprozessen der ökonomischen Bildung

Gerahmt vom Diskurs der Reproduktion sozialer Ungleichheit über das Bildungssystem erfährt hier die Frage eine Antwort, inwiefern in auf die ökonomische Bildung zielenden Lehr-/Lernprozessen die soziale Herkunft der lernenden Subjekte im Urteil von Lehrer(inne)n Berücksichtigung findet. Hierzu wurde die Perspektive von Handelslehrer(inne)n in Form qualitativer Forschung empirisch erhoben und vor dem Hintergrund der Reproduktion sozialer Ungleichheiten durch die unterrichtliche Konstruktion lern- und bildungstheoretisch aufgearbeitet.

Judith Krämer (Zweitgutachten): Lernen über Geschlechterverhältnisse in Spannungsfeldern: feministisch, geschlechterkompetent, intersektional?

Die Dissertation von Judith Krämer widmet sich dem umfassenden Anspruch, Lernprozesse in der Biographie von erwachsenenbildungsorientierten Personen empirisch rekonstruierbar zu machen. Gegenstand der Untersuchung sind Lernprozesse zum Thema Geschlecht.

Weitere Promotionen (Betreuung Prof. Dr. Horst Biedermann)

Julia Wolke: Komplexität des Unterrichtens – Erfahrungen und deren Auswirkungen auf die motivationale Orientierung bei Lehramtsstudierenden im Praxissemester unter Berücksichtigung der Mentorenbetreuung

Studierende im Praktikum befinden sich in einem Spannungsfeld. Einerseits wollen sie in ersten Unterrichtsversuchen Handlungssicherheit erlangen. Andererseits könn(t)en sie hier berufscharakteristische Schwierigkeiten erleben, deren Bewältigung wichtig ist für die erfolgreiche Berufsausübung. Die Arbeit geht der Frage nach, ob Studierende im Praktikum die Komplexität pädagogischen Handelns erfahren, reflektieren und so verarbeiten können, dass sie in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden und weiterhin Freude am Unterrichten haben.