„Die Praxis von heute ist die Theorie der Großväter.“ Joseph A. Schumpeter

Forschungsschwerpunkte

Mit ihren Forschungsbeiträgen zu Unternehmertum und Mittelstand sind Prof. Dr. Thomas Behrends und Dr. Alexander Martin als feste Kompetenzmitglieder am Dr. Werner Jackstädt-Kompetenzzentrum beteiligt. Seit Sommer 2015 wird das Kompetenzteam zudem durch Dr. Tanja Reimer und Dr. Tim Müllenborn unterstützt. Das Kompetenzzentrum ist eine gemeinsame Einrichtung der wirtschaftswissenschaftlichen Bereiche der Europa-Universität und der Fachhochschule Flensburg. Es verfolgt die Zielsetzung, das Fachgebiet der Gründungs- und Mittelstandsforschung als einen profilbildenden Schwerpunkt innerhalb der Flensburger Wirtschaftswissenschaften zu verankern. Die Forschungsschwerpunkte der Kompetenzmitglieder von Seiten der Professur für Personal und Organisation umfassen Wachstum, Wandel und Organisationsentwicklung im Mittelstand, Innovationsmanagement sowie Corporate Governance.

Wachstum, Wandel und Organisationsentwicklung im Mittelstand

Ungeachtet ihrer jeweiligen theoretischen/ empirischen Fundierung und inhaltlichen Ausformung besteht eine wesentliche Gemeinsamkeit einschlägiger Phasen- bzw. Verlaufsmodelle wachstumsbedingter organisationaler Entwicklung in der Skizzierung eines sich sukzessive vollziehenden, fundamentalen Wandels der betrieblichen Funktionslogik. Im Hinblick auf die Analyse der sich in diesem Zusammenhang ergebenden Veränderungs- bzw. Anpassungserfordernisse der betrieblichen Handlungslogik bleiben die entsprechenden Ausführungen allerdings oftmals recht oberflächlich. Dies liegt zum einen daran, dass die verschiedenen Autoren ihre Überlegungen zumeist an Fragen der allgemeinen Unternehmensteuerung und/ oder der (externen) Marktbearbeitung orientieren, während organisationsinterne Aspekte demgegenüber in den Hintergrund treten. Zum anderen resultiert der umfassende Geltungsanspruch der meisten Wachstumsmodelle (der in aller Regel von der Neugründung bis hin zum ausgebauten Großunternehmen reicht) nahezu zwangsläufig in einer eher groben, zuweilen holzschnittartigen Beschreibung der einzelnen Entwicklungsstufen; die inhärente "soziale Dynamik" betrieblichen Wachstums, die schließlich auch in einen tiefgreifenden Wandel der betrieblichen Sozialordnung ihren Ausdruck findet, kann so jedoch nicht hinreichend differenziert abgebildet werden.

Im Mittelpunkt des vorliegenden Forschungsfeldes steht mit der betrieblichen Frühentwicklung vom Kleinunternehmen zum Mittelbetrieb ein erster wesentlicher Abschnitt (wachstumsbedingter) organisationaler Entwicklung. Ausgehend von einem soziologisch begründeten Verständnis betrieblicher Funktionsfähigkeit wird der Frage nachgegangen, inwieweit grundlegende Effekte eines fortschreitenden Größenwachstums sozialer Systeme - Differenzierung sowie Entkopplung von Sozial- und Systemintegration - in dieser Phase als Ursache, in Teilen aber auch als Auswirkung eines organisationskulturellen Wandels wachsender Unternehmen aufgefasst werden können.

Innovationsmanagement

Die Wettbewerbsintensität hat in den meisten Branchen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Die Treiber dieser Entwicklung sind etwa in einer zunehmenden Globalisierung, in einem wirtschaftlichen Erstarken bisher nur mäßig industrialisierter Länder, in einer rasanten technologischen Entwicklung oder in verkürzten Produktlebenszyklen zu sehen.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Wettbewerbsintensität ist die betriebliche Innovationsfähigkeit mittlerweile zur Existenzfrage geworden. Die Entwicklung am Markt erfolgreicher Produkte und Dienstleistungen verkörpert somit einen zentralen Faktor für wirtschaftlichen Erfolg. Das langfristige Überleben von Unternehmen hängt dabei maßgeblich von ihrer Fähigkeit ab, das Hervorbringen erfolgreicher Innovationen betrieblich zu institutionalisieren. Vor allem Kleinere und Mittlere Unternehmen (KMU) werden im Zuge dessen vor nicht unerhebliche Herausforderungen gestellt, da ihnen für das systematische Management von Innovationen oftmals die notwendigen Ressourcen und das notwendige Wissen fehlen.

An dieser Problematik setzt das Kompetenzfeld "Innovationsmanagement" des Dr. Werner Jackstädt-Zentrums an. In diesem Kompetenzfeld werden aus interdisziplinärer und ganzheitlicher Perspektive die zentralen Einflussfaktoren und Mechanismen für die erfolgreiche Gestaltung betrieblicher Innovations- und Veränderungsprozesse bei KMU erforscht. Im Vordergrund der Aktivitäten steht die Identifikation von Prozessen und Strukturen, die es insbesondere KMU erlauben, proaktiv und frühzeitig Wettbewerbs- und Technologieveränderungen wahrzunehmen, ihre Ressourcen und Kompetenzen zielgerichtet zu erweitern und hierauf basierend erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. 

Corporate Governance

Im Zuge der Finanzkrise haben die Anforderungen, welche sowohl durch den Kapitalmarkt als auch die Zivilgesellschaft an Unternehmen herangetragen werden, in den letzten Jahren stark zugenommen. Hierzu zählen beispielsweise die Forderung nach einer langfristigen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmensführung sowie die Partizipation unterschiedlicher Stakeholder an Entscheidungen im Unternehmen.

Ausgehend von einem Stakeholder-Ansatz wird in dem Forschungs- und Arbeitsbereich "Corporate Governance" untersucht, wie unterschiedliche Akteure die Entscheidungen und Erfolgsgrößen von Unternehmen beeinflussen.

Zum einen wird in diesem Zusammenhang erforscht, wie sich die Zusammensetzung von Leitungs- und Kontrollgremien auf die Innovationsfähigkeit von Unternehmen auswirkt. Zum anderen wird im Rahmen eines ländervergleichenden Ansatzes untersucht, wie unterschiedliche Rahmenbedingungen die Beziehungen zwischen der Corporate Governance von Unternehmen und verschiedenen Ergebnisgrößen der Innovationstätigkeit und der Personalpolitik modifizieren.