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Der Hals als Kran - neuste Erkenntnis über die extrem langen Hälse der Sauropoden

22.03.2012

18 Halswirbel, ein paar Rückenwirbel und die freundliche Unterstützung der Mitarbeiter des Dinosaurier-Museums von Zigong  beim Betrachten, Vermessen und Fotografieren: Mehr brauchte es nicht für eine neue Erkenntnis. „ Obgleich die Auswertung der Daten einige Wochen beanspruchen wird, lässt sich schon jetzt sagen, dass dieser Dinosaurier seinen gut 6 Meter langen Hals wie einen Kran bewegt haben muss“, fasst Prof. Dr. Andreas Christian vom Institut für Biologie und ihre Didaktik an der Flensburger Universität das Ergebnis seiner sechstägigen Reise nach China zusammen. „Große Abschnitte des Halses waren ziemlich unbeweglich, lediglich am Übergang zum Rumpf und in der Nähe des Kopfes bestand eine nennenswerte Beweglichkeit.“
In Zigong hat Prof. Christian gemeinsam mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern das sehr gut erhaltene Skelett eines chinesischen Mamenchisaurus untersucht. Bei diesem Vertreter der Sauropoden erreichten Kopf und Hals typischerweise fast die Hälfte der Körperlänge – das macht sie zu besonders wertvollen Studienobjekten in Bezug auf die Fragen, warum die Sauropoden so auffällig lange Hälse entwickelt und wie sie diese bei der Ernährung eingesetzt haben. Besonders letztere Frage wird in der Forschung sehr kontrovers diskutiert. Einige Forscher nehmen an, der lange Hals sei für das Fressen in großen Höhen eingesetzt worden, andere halten diese Ernährungsweise aus biomechanischen und physiologischen Gründen für völlig ausgeschlossen. Sie gehen davon aus, dass die Pflanzenfresser ihre Nahrung eher in der Waagerechten suchten.
Prof. Christians Ergebnisse deuten auf unterschiedliche Ernährungsweisen bei den Sauropoden hin: Demnach gab es sowohl hoch als auch niedrig fressende Arten. Bei dem Mamenchisaurus handelte es vermutlich um einen Vertreter, der nicht in so großen Höhen fraß  Zu dieser Frage stehen allerdings noch umfangreiche biomechanische Berechnung auf der Basis der Daten aus, die in Zigong erhoben wurden. „Ein so gut erhaltenes Skelett untersuchen zu dürfen, war ein echter Glücksfall“, schwärmt Andreas Christian, „“Dieser erste Befund stützt zunächst unsere Vorstellung, dass Sauropoden verschiedene Strategien einsetzten. Wir haben bei anderen Arten beweglichere Hälse gefunden. Das selbe Merkmal  langer Hals diente also bei verschiedenen Arten unterschiedlichen Zwecken.“

Die Frage, welche Bedeutung die extrem langen Hälse der Sauropoden besitzen, untersucht Prof. Christian von der Universität Flensburg innerhalb der DFG-Forschergruppe FOR 533 „Biologie der Sauropoden: Die Evolution des Gigantismus“. Wie die Körper der Sauropoden funktionierten und wie sich die extremen Ausmaße im Laufe der Stammesgeschichte entwickeln konnten, wird bis heute intensiv und kontrovers diskutiert. Vermutlich sind Sauropoden mit ihren Körpermaßen an biologische Grenzen gestoßen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Andreas Christian, Universität Flensburg, Institut für Biologie und 
Sachunterricht und ihre Didaktik, Auf dem Campus 1, 24943 Flensburg Tel. (0461) 805-2313, christian(at)uni-flensburg.de

nach oben | 10.02.2012, 12:14 Uhr
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