Stärkere Kooperation zwischen Praxis und Theorie stärkt Lehramtsstudium

Diese Woche gehen Lehramtsstudierende erstmals landesweit ins Praxissemester.

Die Praxisorientierung des Lehramtsstudiums und damit die Qualifikation künftiger Lehrerinnen und Lehrer zu stärken, ist das Ziel des Praxissemesters, das 2014 im neuen Lehrkräftebildungsgesetz des Landes Schleswig-Holstein verankert wurde. Wissenschaftsministerin Kristin Alheit begrüßte heute (28.10.) einige der  ersten Studentinnen und Studenten zum Auftakt des Praxissemesters in der Dannewerkschule in Schleswig.

"Mit dem Praxissemester werden Theorie und Praxis stärker verzahnt. Davon profitieren Studierende und damit auch ihre zukünftigen Schülerinnen und Schüler. Mit dem Praxissemester werden zukünftige Lehrerinnen und Lehrer bereits in der ersten Ausbildungsphase kontinuierlich in ihr Berufsfeld eingebunden. So können sie die Praxis ihres Berufes erleben, Schulen und Universitäten rücken enger zusammen. Davon wird auch die Qualität der Lehre profitieren", betont Wissenschaftsministerin Kristin Alheit.

Die Europa-Universität Flensburg ist die erste Hochschule in Schleswig-Holstein, die das Praxissemester umsetzt. Am Montag, den 27.10., starteten rund 300 Master-Studierende der Studiengänge für das Lehramt an Grundschulen und für das Lehramt an Gemeinschaftsschulen in das Praxissemester.

"In Flensburg haben wir schon früh für mehr Praxisbezug im Lehramtsstudium plädiert. Wir haben deshalb die Chance sehr gerne genutzt, unseren Studierenden ab sofort die Gelegenheit zu bieten, sich intensiv auf Basis ihrer fortgeschrittenen Ausbildung mit dem Berufsfeld Schule auseinanderzusetzen", so Präsident Werner Reinhart.

Bis zum 16.01.2015 werden die Lehramtsstudierenden der EUF insgesamt zehn Wochen lang an 137 Schulen im gesamten Land den Alltag der Lehrkräfte im schulischen Bereich erleben – eine Erfahrung, die Schulleiterinnen und Schulleiter begrüßen: "Praxiserfahrungen schon im Studium zu sammeln, schafft Möglichkeiten, die eigene Rolle als Lehrkraft zu erproben und gibt Schulen die Sicherheit, dass zukünftige Lehrkräfte wissen, welche Herausforderungen dieser Beruf beinhaltet", benennt beispielsweise die Schulleiterin der Dannewerkschule in Schleswig, Andrea Schönberg, die Vorteile.

Einfach waren die inhaltliche Konzeption des Praxissemesters und seine Organisation nicht, sagt Armin Castello, Direktor des Zentrums für Lehrerinnen- und Lehrerbildung an der EUF: "Es war uns sehr wichtig, den Studierenden durch Forschendes Lernen einen reflektierenden Blick auf die Praxis zu ermöglichen, deshalb sollen sie eine Forschungsaufgabe während ihres Schulaufenthaltes er- und bearbeiten und ihre Erfahrungen dokumentieren. Insgesamt mussten wir organisatorisch die Kombinationen der Unterrichtsfächer bei den Seminaren für Studierende berücksichtigen, Seminarräume und interessierte Schulen finden und die Ortswünsche der Studierenden beachten. Das hat allerdings alles sehr gut geklappt".

Studentin Freya Winter, die an der Dannewerkschule in Schleswig ihr zehnwöchiges Praktikum verbringt, betont: "Für mich ist das Praxissemester auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, mir vor dem Referendariat Praxiserfahrung anzueignen. Schwierig ist dabei allerdings, dass wir Studierenden so weite Strecken zu unseren Schulen zurücklegen müssen." Das Land wird die Fahrtkosten für die Lehramtsstudierenden zu ihrer Praktikumsschule künftig erstatten. Dies hat der Landtag im Zusammenhang mit der Verabschiedung des Lehrkräftebildungsgesetzes beschlossen. Die Umsetzung der Regelung wird derzeit erarbeitet und soll für die Flensburger Studierenden rückwirkend gelten.

Das Konzept des Praxissemesters wurde im Rahmen einer Arbeitsgruppe entwickelt, in der neben der Europa-Universität Flensburg, dem Wissenschaftsministerium, der Schulaufsicht und dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) auch Lehrkräfte und Studierende vertreten waren. Beruhend auf dem am 10. Juli 2014 vom Landtag verabschiedeten Lehrkräftebildungsgesetz soll das Praxissemester in alle grundständigen Lehramtsstudiengänge eingeführt werden.

Foto (v.l.n.r.): Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der Europa-Universität Flensburg, Freya Winter, Studierende im Praxissemester, Kristin Alheit, Wissenschaftsministerin des Landes Schleswig-Holstein. (Quelle: Kathrin Fischer)