„Mit Volldampf in die Modernisierung“

Die Digitalisierung bleibt eine Herausforderung für Schule und Lehrer*innenbildung

Digitalisierung immer noch eine Baustelle

Digitalisierung in Schule und Lehrer*innenbildung ist immer noch eine Baustelle. Das ist das Fazit der letzten Sankelmarker Gespräche zur Lehrer*innenbildung. Zwei Tage lang, vom 10. bis zum 11. November, haben Expertinnen und Experten aus Hochschulen, Bildungsverwaltung, Lehrerfortbildungsinstituten und Berufsverbänden an der Europa-Universität Flensburg über Fragen der Digitalisierung in Schule und Unterricht diskutiert: Wie verändern die elektronischen Medien die Weltwahrnehmung? Welche Produkte, Technologien, Konzepte sind gegenwärtig für Schule und Unterricht bedeutsam? Wie verändert sich die Rolle der Lehrkraft durch die digitale Verfügbarkeit von Wissen?

Haltung und Technologie müssen zusammen gedacht werden

Schulvertreterinnen und -vertreter berichteten zunächst aus der Praxis, wie etwa Schulleiter Allan Kjaer Andersen vom Ørestad Gymnasium in Kopenhagen oder Schulleiterin Maike Schubert von der Freiherr-vom-Stein-Schule in Neumünster, eine von insgesamt 113 digitalen Modellschulen Schleswig-Holsteins.

In einem zweiten und dritten Themenblock ging es um lernpsychologische Aspekte der Digitalisierung und um die Frage, welche Veränderungen für Aufgabe, Funktion und auch Gestalt der Schule sich aus der Nutzung und dem Einsatz digitaler Medien ergeben.  Zwei Perspektiven standen sich dabei vor allem gegenüber: Die Frage nach den technischen Voraussetzungen der Digitalisierung und die Frage nach der Haltung gegenüber den digitalen Medien.

Beide Perspektiven müssen zusammengedacht werden, so das Fazit von Prof. Dr. Olaf Köller vom (IPN): "Die zwei Tage haben noch einmal deutlich gemacht, dass die Digitalisierung von Bildung zwei große Baustellen hat: Das eine ist nach wie vor die technische Seite, die Frage danach, wie wir die entsprechende Infrastruktur schaffen, etwa Endgeräte bereitstellen und schnelle Netze schaffen. Und das zweite ist die Frage, inwieweit die Akteure in Schule bereit sind, sich zu verändern und die neuen Medien auch anzunehmen. Und für beide Baustellen – das hat die Tagung gezeigt – haben wir keine finalen Lösungen."

Schulpädagogik und internationale Perspektiven verbinden

Für den Präsidenten der Europa-Universität Flensburg, Prof. Dr. Werner Reinhart, ergab sich daraus ein deutlicher Auftrag: "Mein Fazit ist es u.a.: Dass der Umgang mit digitalen Formen noch deutlicher Teil unserer universitären Ausbildung fürs Lehramt sein muss."

Die stärkere Fokussierung auf digitale Formen sei, so Reinhart, hervorragend mit den internationalen Perspektiven der europäischen Ausrichtung der Universität zu verbinden: "Wir müssen an einer europäischen Haltung gegenüber digitalen Medien, Datensicherheit, Netzpolitik etc. arbeiten, die sich im Idealfall deutlich von der amerikanischen Haltung unterscheidet."

Digitalisierung darf nicht einfach eine zusätzliche Aufgabe werden

Ulrich Keudel von der Deutschen Gesellschaft für Bildungsverwaltung, die die "Sankelmarker Gespräche" 2009 ins Leben gerufen hat, hatte vor allem Sorge, dass die Digitalisierung in den Schulen eher als Herausforderung denn als Chance begriffen wird: "Man muss aufpassen, dass Digitalisierung für Lehrerinnen und Lehrer im Schulalltag nicht einfach eine zusätzliche Aufgabe wird, sondern etwas, das am Ende helfen kann, den Lehrerberuf zu erleichtern."

Chancen nicht verschenken

Dr. Dorit Stenke, Bildungsstaatssekretärin im schleswig-holsteinischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur versprach Unterstützung beim "Lernen mit digitalen Medien": "Wir müssen bei der Digitalisierung an den Schulen und im Unterricht schneller vorankommen, sonst verlieren wir den Anschluss und verschenken viele Chancen. In Ländern wie Estland ist man auf diesem Weg wesentlich weiter.  Dort werden die neuen Möglichkeiten konsequent genutzt. Wir müssen in Schleswig-Holstein den eingeschlagenen Weg mit den Modellschulen konsequent weitergehen - je nach Schule schneller oder langsamer. Es kommt darauf an, dass sich alle Schulen auf den Weg machen. Wir werden sie dabei auf vielfältige Weise unterstützen."

Wollen gemeinsam die Digitalisierung in der Lehrer*innenbildung voranbringen: Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der EUF, Dr. Dorit Stenke, schleswig-holsteinische Bildungsstaatssekretärin, Prof. Dr. Olaf Köller, Wissenschaftlicher Direktor des IPN - Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (v.l., Katrin Gutzmann)