„Die Stützräder sind weg“

Schuladoption 2017 in Schleswig erfolgreich abgeschlossen

Praxisnäher als jedes andere Praktikum

Sie haben es geschafft: Vom 11.-17. November hat ein 23-köpfiges Team von Studierenden der Europa-Universität Flensburg (EUF) den kompletten Unterricht der "St.-Jürgen-Schule" in Schleswig übernommen. Alle studieren im dritten Semester den Masterstudiengang "Lehramt an Grundschulen". Für die Schuladoption haben sie sich im Rahmen ihres Praxissemesters freiwillig gemeldet.

"Man ist mittendrin, das ist sehr, sehr praxisnah, praxisnäher als jedes andere Praktikum, das ich bisher gemacht habe", fasste der 26-jährige Jan-Niklas Möller, der Mathe und Sachunterricht studiert, die Woche zusammen. "Man kann nicht leugnen, dass das sehr anstrengend ist. Ich dachte, es sei ein Mythos, dass Lehrerinnen und Lehrer nie zum Essen kommen, aber das ist echt so."

"Schule in Echtzeit"

"Die Schuladoption ist für die Studierenden eine Kompletterfahrung: Schule in Echtzeit", lobte Michael Tholund, im schleswig-holsteinischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur für die Lehrkräfteausbildung zuständig, das innovative Lehrerinnen- und Lehrerbildungsprojekt.

Stammkollegium arbeitet an Schulentwicklung

Während die 23 Studierenden sich um 150 Schülerinnen und Schüler in acht Regel- und zwei DaZ-Klassen kümmerten, hospitierte das Stammkollegium zwei Tage bei der St.-Nikolai-Schule Sylt (Schulpreis-Gewinner 2016) und einen Tag in der Schule im Autal Sieverstedt (Adoptionsschule 2014 und Teilnehmer am Wettbewerb des Deutschen Schulpreises 2015). Für Schulleiterin Gabi Rohder eine positive Erfahrung: "Durch das Projekt Schuladoption wurde uns die Möglichkeit gegeben, als Kollegium eine Woche lang an unserem Schulprogamm konzentriert und intensiv zu arbeiten. Gleichzeitig freuen wir uns über den gewonnenen Kontakt zur Universität und erhoffen uns eine weitere Zusammenarbeit und neue Impulse."

Konstruktive Kooperation

Diese Vernetzung ist einer der positiven Effekte der Schuladoption, sagte Johanna Gosch, die im Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung der EUF die Schuladoption betreut: "Die Besonderheit der Schuladoption ist die enge Begleitung der Studierenden und die konstruktive Kooperation der verschiedenen Akteure."

Mittlerweile ein international beachtetes Erfolgsmodell

Die Idee der Schuladoption, die von der Europa-Universität 2014 in einem bundesweiten Pilotprojekt erstmals nach Deutschland gebracht wurde, stammt ursprünglich aus Norwegen. Mittlerweile fände sie zunehmend Beachtung, erklärte Jürgen Schwier, Vizepräsident für Studium und Lehre an der EUF: "Die Schuladoption hat sich im Rahmen des Praxissemesters zu einem national wie international beachteten Erfolgsmodell entwickelt. Persönlich bin ich jedes Jahr auf Neue von dem Enthusiasmus beeindruckt, mit der sich die Studierenden dieser ernsthaften Aufgabe stellen."

"Es gibt niemanden mehr, der mehr zu sagen hat als wir"

Diese Aufgabe umriss die 25-jährige Mathe- und Kunst-Studentin Lea Hamm folgendermaßen: "Die Stützräder sind weg. In den anderen Praktika hatten wir immer eine Mentorin, es war immer jemand da, der die Hauptverantwortung hatte. Und das ist jetzt weg. Es gibt niemanden mehr, der mehr zu sagen hat, als wir."

Die 23 Studierenden der Schuladoption 2017 in der Infotafel der St.-Jürgen Schule (Kathrin Fischer)