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Zwischen Nebelkammer und historischem Hafen

Humboldt-Stipendiat Eugenio Bertozzi verlässt nach einem erfolgreichen Forschungsjahr die Europa-Universität Flensburg

Es war das deutsche Humboldt-Forschungsstipendium, das den Physiker Eugenio Bertozzi aus Bologna nach Flensburg brachte. "Ich forsche zu Physikgeschichte und zur Didaktik der Physik. Auf diesen Gebieten ist Prof. Dr. Peter Heering ein anerkannter Experte. Das hat mich an die Europa-Universität Flensburg geführt".

Ein knappes Jahr, vom 1. August 2015 bis zum 30. Juni 2016, forschte Eugenio Bertozzi in der Abteilung  "Physik und ihre Didaktik und Geschichte"  über die Transformation von Forschungsinstrumenten zu Lehrgeräten im 20. Jahrhundert. Sein Studienobjekt:  Die "Nebelkammer" – ein Teilchendetektor, der es ermöglicht, die Flugbahn unsichtbarerer Teilchen sichtbar zu machen. "Früher waren Nebelkammern bedeutende wissenschaftliche Instrumente zur Erforschung der Strahlen, die von radioaktiven Stoffen ausgehen. Heute werden sie fast nur noch zu Demonstrationszwecken verwendet", erklärt Bertozzi. "Dieser Übergang von der Forschungs– zur Unterrichtssphäre interessiert mich. Ich möchte verstehen, wie aus den Instrumenten, die Expertenwissen und –können verlangten, robuste und relative einfach zu bedienende Unterrichtsgeräte wurden und welche Konsequenzen das für das benötigte Wissen hatte".  Dieses Forschungsfeld, das sich mit der Verbindung von physikalischer Forschung und Physikdidaktik im 20. Jahrhundert beschäftigt, ist ganz neu.

Peter Heering, Professor für Physik und ihre Didaktik, führt an der Europa-Universität Flensburg selbst historische physikalische Experimente durch. "Das  ist ein sehr effektiver und spezifischer Zugang, um die Arbeitsweise der Physik zu reflektieren", ist er überzeugt. Die Forschungen von Eugenio Bertozzi zur Transformation von Forschungsinstrumenten sind für ihn vor diesem Hintergrund sehr wertvoll: "Die Lehrgeräte aus dem 20. Jahrhundert verraten uns unter anderem etwas über die damaligen Vorstellungen, was Physikunterricht und Physikstudium leisten sollten, welches Wissen für unverzichtbar erachtet wurde und wie dieses geschaffen werden sollte. Dieser Aspekt der Wissenschaftsgeschichte ist u.a. relevant für die Reflexion unserer heutigen Vorstellung über die Ausbildung von Physiklehrerinnen und –lehrern".

Eugenio Bertozzi selbst ist mit seinen Forschungsergebnissen demnächst auf Konferenzen in Deutschland, Ungarn, Österreich. Die erste Publikation in dem renommierten "Journal Bulletin of the Scientific Instrument Society" ist bereits erschienen.   

Sein Aufenthalt im äußersten Norden Deutschlands hat dem Italiener gut gefallen. "Ich habe Flensburg sofort gemocht: Es ist eine nette, kleine Hafenstadt, die mich sehr an Italien erinnert mit dem historischen Hafen und dem Leben, das eng mit dem Meer verbunden ist. Die Größe der Stadt und die Freundlichkeit der Menschen haben es mir leicht gemacht, mich hier wohl zu fühlen", erzählt er. An der Universität haben ihn die vielen jungen Professorinnen und Professoren beeindruckt: "Das ist wirklich etwas Besonderes. Wenn man Professorinnen und Professoren um die 30 trifft, merkt man, dass hier etwas geschieht".

Vermisst hat Eugenio Bertozzi nichts von dem, was Italiener zu vermissen glauben, wenn sie im Ausland sind, weder das Essen, noch den Kaffee oder das lebhafte öffentliche Leben. "So lange ich in Europa bin, fühle ich mich überall heimisch", sagt der 38-Jährige. "Auch das internationale Umfeld an der Hochschule hat mir das Ankommen leicht gemacht".

Zurück nach Italien geht es für ihn erst mal nicht. Eugenio Bertozzi bleibt in Deutschland: Das Deutsche Museum München ist sein nächstes Ziel.

Freuen sich über ein erfolgreiches Humboldt-Stipendium: Prof. Dr. Peter Heering und Dr. Eugenio Bertozzi (v.l.n.r., Quelle: Kathrin Fischer)