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„Das Thema Inklusion ist in der deutschsprachigen Erziehungswissenschaft angekommen“

Großer Andrang bei Tagung zu erziehungswissenschaftlicher Inklusionsforschung an der Europa-Universität Flensburg

Rund 140 Erziehungswissenschaftler und Erziehungswissenschaftlerinnen diskutierten an der Europa-Universität Flensburg (EUF) zentrale Begriffe der Inklusionsforschung. Zwei Tage (28. und 29.6.) beschäftigten sie sich entlang der Begriffe Norm, Behinderung und Gerechtigkeit mit der Frage, welche Inklusionsbegriffe der aktuellen Inklusionsforschung zugrunde liegen.

"Erheblicher Bedarf an begrifflicher Klärung"

"Schaut man genauer auf die Forschung zu Inklusion, so gewinnt man den Eindruck, dass in den letzten Jahren zwar zahlreiche Aktivitäten entfaltet worden sind, die theoretische Fundierung allerdings nicht in gleichem Maße entwickelt wurde", sagte Jürgen Budde, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Theorie der Bildung, des Lehrens und Lernens an der EUF, Vizepräsident für Forschung und Direktor des interdisziplinären Zentrums für Bildungs-, Unterrichts-, Schul- und Sozialisationsforschung (ZeBUSS), das die Tagung organisierte. "Es besteht aus unserer Sicht ein erheblicher Bedarf an begrifflicher Klärung und Vergewisserung darüber, was in welchem Kontext jeweils unter Inklusion zu verstehen ist und welche normativen Vorstellungen dem jeweiligen Verständnis zugrunde liegen."

Inklusion ist die universelle Anerkennung von Diversität

Inklusion, darin waren sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einig, ist mehr als das praktische Phänomen der Integration von Menschen mit sogenannten Behinderungen in pädagogische Regelsysteme. Inklusion bedeutet unter Verweis auf die UN-Behindertenrechtskonvention die universelle Anerkennung von Diversität. Inklusion umfasst aus dieser Perspektive grundlegende Themen gesellschaftlicher Reproduktion, wie etwa die Frage nach den sozialen Mechanismen des Ein- und Ausschlusses. 

Zweite Tagung der AG Inklusionsforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften

Die Tagung in Flensburg war die zweite Tagung der AG Inklusionsforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften. Die AG hatte sich im November 2016 vor dem Hintergrund der verstärkten öffentlichen wie fachlichen Diskussion um Inklusion für die Dauer von drei Jahren eingerichtet. Das Interesse an der Flensburger Tagung war sehr hoch.

"Dieses Interesse zeigt, dass das Thema in der deutschsprachigen Erziehungswissenschaft angekommen ist", sagte Tanja Sturm, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schulpädagogik - Inklusive Bildung an der Uni Münster und Mitglied der AG Inklusionsforschung "und dass es ein Interesse an Diskursen jenseits schulbezogener Fragen gibt."

Foto: (V. l.): Mitglieder der AG Inklusionsforschung: Lisa Rosen, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität zu Köln, Jürgen Budde, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Theorie der Bildung, des Lehrens und Lernens an der EUF und Direktor des ZeBUSS, Tanja Sturm, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schulpädagogik - inklusive Bildung an der WWU Münster, Dr. Nadja Thoma von der Universität Wien, Karin Bräu, Professorin für Schulpädagogik mit den Schwerpunkten Leistung, Differenzierung, Integration und Beratung an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. (Kathrin Fischer)