Hochschulweite News

„Das Programm ist sehr gut und sehr nötig“

50 Geflüchtete bereiten sich in einem besonderen Programm an der Europa-Universität Flensburg auf ein Studium vor

Bedarf an Studienvorbereitungsprogrammen für Geflüchtete steigt

So viele Geflüchtete wie nie bereiten sich gegenwärtig an der Europa-Universität Flensburg auf ein Studium vor: 50 Frauen und Männer, überwiegend aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und dem Iran, nehmen am sogenannten "Programm zur Studienvorbereitung und –integration von Geflüchteten" (ProRef) teil.

"Wir freuen uns, dass das Interesse an unserem Studienvorbereitungsprogramm gegenüber der letzten Runde noch einmal gestiegen ist", sagt Thomas Duttle, Koordinator der Flüchtlingsprogramme an der EUF. "Für die aktuelle Runde haben wir mehr als 160 Bewerbungen erhalten und schließlich 50 studieninteressierte Bewerberinnen und Bewerber in die Deutsch- und Englischkurse aufgenommen. Dass wir Bewerbungen aus ganz Schleswig-Holstein und sogar aus Städten wie Stuttgart, Saarbrücken und Ilmenau erhalten haben, zeigt deutlich, dass der Bedarf an Studienvorbereitungsprogrammen für Geflüchtete groß ist und ansteigt."

Die drei Bestandteile des Programms

Das ProRef-Programm an der EUF besteht aus drei Bestandteilen:

·          akademisch ausgerichteten Deutsch- und Englisch-Sprachkursen auf den Niveaus B2-C1

·          methodischen und interkulturellen Einführungskursen 

·          einer individuellen Studien- und Sozialberatung

Das einjährige Programm beginnt im Juli eines jeden Jahres und wird durch das Land Schleswig-Holstein sowie durch den DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, gegenwärtig mit insgesamt fast 1,3 Millionen Euro.

"Es ist gut, dass wir uns an das Uni-System gewöhnen können"

Die 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Kurses haben gerade die Summer School beendet. Erstmals haben sie sich im Juli/August intensiv auf die akademische Kultur in Deutschland vorbereitet und dabei ihre Sprachkenntnisse in Deutsch oder Englisch auf Niveau B1 aufgefrischt. Dem 22-jährigen Khaled Abras aus Syrien hat die Summer School sehr geholfen: "Wir haben viele Sachen gelernt in der Summer School, sie hat uns gut vorbereitet auf den Kurs", sagt er. "Es ist gut, dass wir uns an das Uni-System gewöhnen können."
Mittlerweile befinden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der achtmonatigen Sprachkursphase. Dort lernen sie intensiv Deutsch- bzw. Englisch-mit dem Ziel, Deutsch bzw. Englisch mit dem Ziel, C1-Niveau zu erreichen. Diese Sprachkenntnisse bieten ihnen eine Qualifizierung für alle deutsch-, englisch- oder zweisprachigen Studiengänge an der EUF, aber auch für Studiengänge an anderen Hochschulen. Khaled Abras kommt gut mit. "Ich lerne hier sehr viel schneller als vorher in anderen Kursen, in der Schule", beobachtet er. "Die Lehrer hier sind sehr perfekt."

„Universitärer Auftrag und die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung sind für die EUF deckungsgleich“

Aber nicht nur Spracherwerb und die akademische Kultur stehen auf dem Programm - auch für Fragen zur Leistungsgewährung, Asylverfahren, Umverteilung, Fahrtkostenerstattung, Wohnen und sonstigen sozialen Fragen ist das ProRef-Programm zuständig. Sozial- und Studienberaterin Ute Boesche-Seefeldt ist gemeinsam mit einem Team von studentischen Hilfskräfte auch Ansprechpartnerin für die Wohnraumsuche und freut sich über die Offenheit der Flensburger: "Die Gastfreundschaft der Flensburger, die spontan zum Programmstart Gästezimmer zur Verfügung gestellt haben, ist grandios und verhalf den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu einem reibungslosen Einstieg in das Kursprogramm."

Der Einsatz für geflüchtete Menschen ist für Werner Reinhart, Präsident der EUF, selbstverständlich, denn "universitärer Auftrag und die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung sind für die EUF deckungsgleich."

Das Programm für 2018 ist schon in Vorbereitung: Anmeldung möglich

Mittlerweile studieren bereits 16 Absolventinnen und Absolventen des ProRef-Programms an der EUF, andere sind an die Hochschule Flensburg und weitere Hochschulen des Landes gegangen. Auch Khaled Abras möchte ein Studium beginnen.  "Ich finde es sehr gut, dass die Uni das Programm anbietet – ohne sie könnten wir nicht weiter studieren."

Für das Studienvorbereitungsprogramm 2018 können studieninteressierte Bewerberinnen und Bewerber Ihre Dokumente/Zeugnisse für die Prüfung der Hochschulzugangsberechtigung schon einreichen. 

Khaled Abras mit dem Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, Daniel Günther, anlässlich des Besuches von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der EUF (Christina Kloodt)