Hochschulweite News

„Moin Europe“

Erfolgreiche Europawoche an der Europa-Universität Flensburg

Keine Verfassung, sondern ein Zustand

Europa habe keine Verfassung, Europa sei in einem Zustand – so beschrieb der österreichische Journalist und Autor Robert Misik die Krise der Europäischen Union. Misik war einer von fünf Teilnehmenden einer Diskussion im Rahmen der diesjährigen Europawoche an der Europa-Universität Flensburg (EUF). Unter dem Titel "Moin Europe" beschäftigten sich knapp 30 Veranstaltungen zwei Tage lang mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Europäischen Union. Young European Federalists of Flensburg diskutierten die Frage, welche Rolle junge Menschen in der EU einnehmen könne, Studierende des Studiengang "European Cultures and Society" entwickelten Visionen, wie die EU 2050 aussehen könnte – zerfallen oder gestärkt? - , Lehrende sprachen über den neuen Autoritarismus in der Türkei oder das Image Dänemarks als gemütlichem Glücksstaat.

Lebhafte Diskussion um Ursachen der Krise

Robert Misik und Hauke Brunkhorst (Christina Kloodt)
Ulrike Liebelt und Ulrich Preuß (Christina Kloodt)
Moderatorin Monika Eigmüller (Christina Kloodt)

Am Dienstagabend diskutierten Europaforscherinnen und –forscher die Krise Europas, wobei schon die Diagnose der Ursachen kontrovers ausfiel. Leidet Europa am Mangel gemeinsamer Willensbildung und demokratischer Legitimation, wie der Europapreisträger der EUF, Hauke Brunkhorst, meinte, oder an einem Mangel an institutioneller Toleranz der Unterschiedlichkeit der Mitgliedsstaaten, wie die These des emeritierten Staatsrechtlers Ulrich Preuß lautete? Bei aller Kritik des gegenwärtigen Zustands der EU waren sich alle einig, dass es zur Existenz des Staatenbundes keine Alternative gebe, denn kein Nationalstaat sei in der Lage, die Probleme der Gegenwart wie etwa Terror, Klimawandel oder Energiekrise alleine zu lösen.

Ausbau strategischer Partnerschaften geplant

In der Europawoche feiert die EUF auch das 30-jährige Bestehen des Erasmus-Programms, dem weltweiten größten Förderprogramm von Auslandsaufenthalten an europäischen Universitäten. Das International Center der EUF stellte die Möglichkeiten vor, im Ausland zu studieren, und Studierende aus 15 Ländern informierten in kleineren Ausstellungen über das Studium und das Leben in ihren jeweiligen Ländern. "Wir haben die Woche auch genutzt, um unsere strategischen Partnerschaften mit anderen Universitäten zu entwickeln und zu vertiefen. Die Internationalisierung aller Bereiche der EUF ist eines unserer größten Ziele", sagte die Leiterin des International Center, Ulrike Bischoff-Parker.

Europa demokratisch stärken, um es zu bewahren

Prof. Dr. Monika Eigmüller, Vizepräsidentin für Europa und Internationales, zeigte sich zufrieden mit der Gestaltung der ersten Europawoche an der EUF: "Zwei wichtige Eckdaten bilden den Rahmen dieser Woche: Der 5. Mai als Gründungstag des Europarates und der 9. Mai als der Tag, an dem der französische Außenminister Robert Schumann 1950 mit einer Regierungserklärung die Grundlage zum EU-Vorläufer Montanunion legte. In der gegenwärtigen Krise, die ich als Europaforscherin durchaus als sehr ernst betrachte, vergessen wir leicht, dass wir der Existenz der EU 70 Jahre Frieden und relativen Wohlstand verdanken. Es muss uns daher darum gehen, die EU durch Stärkung und Demokratisierung zu bewahren."

EUCS-Stand (Christina Kloodt)
Begegnungen (Christina Kloodt)
Diskussionen (Christina Kloodt)