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Minderheitensprachen in Spanien – zwischen Realität und Illusion

Vortrag von Fernando Ramallo, Universidade de Vigo

Sprachenpolitik als Thema im Kolloquium des "Zentrums für kleine und regionale Sprachen" (KURS) an der Europa-Universität Flensburg. Fernando Ramallo von der Universidade de Vigo ist unabhängiges Mitglied im Committee of Experts der Europäischen Charter der Regional- oder Minderheitensprachen und des Europarates und zuständig für Spanien. Sein Vortragsthema am Dienstag, den 31.1.2017: "The European Charter for Regional or Minority Languages and the situation of minority languages in Spain: between Reality and Illusion".

The European Charter for Regional or Minority Languages

Die Charta ist ein Vertrag aus dem Jahr 1992. Sein Ziel: Die Regional- oder Minderheitensprachen als einzigartigen Bestandteil des kulturellen Erbes Europas anzuerkennen, zu fördern und zu schützen. Regional- und Minderheitensprachen sollen in den Bereichen Recht, Schule, öffentliches, kulturelles, soziales und wirtschaftliches Leben sowie den Medien mit Hilfe der Charta ausgeweitet werden, und eine grenzübergreifende Sprachpolitik soll die Zusammenarbeit von Sprechern stärken. Die Anwendung der Charta wird von einem Sachverständigenausschuss kontrolliert, der die Aufgabe hat, die von den Vertragsparteien regelmäßig vorgelegten Berichte zu prüfen.

Theorie und Praxis klaffen oft auseinander

Fernando Ramallo ist eines der 25 Mitglieder der "Comitee of Experts" des Europarates. In allen Ländern, in denen die Charta unterzeichnet und ratifiziert wurde, finden regelmäßig Monitoringverfahren statt, bestehend aus Vor-Ort-Besuchen durch den Sachverständigenausschuss. Anschließend wird ein Bericht verfasst, der dem Ministerkomitee vorgelegt wird.

Als Experte der Minderheitensprache Galizisch, weiß Ramallo, dass Theorie und Praxis oft auseinanderklaffen. Spanien wird von der Charta in den Bereichen Bildung, Recht, Administratives und Medien ein "high level of commitment" zugesprochen, Ramallo hingegen bezeichnet die sprachpolitische Situation in Spanien in allen Gebieten jedoch als problematisch. Ein großes Problem stelle dabei auch die methodische Herangehensweise dar, so Ramallo. Die Charta sollte, so der Experte, mehr Raum für sprachpolitische Entscheidungen zulassen. Der Europarat berät zurzeit wie diese Handlungsmöglichkeiten erweitert werden könnten.

Das Kolloquium wird fortgesetzt

Der Vortrag war Teil des  Kolloquiums des KURS der Europa-Universität Flensburg. veranstaltet im Wintersemester 2016/17. Veranstalter des Kolloquiums sind Elin Fredsted (Dänisch), Nils Langer (Friesisch) und Laura Morgenthaler (Spanisch).

Mit dabei sind J. Hawkey aus Bristol mit einem Vortrag über Nord Katalonien, S. Höder von der Uni Kiel mit einem Beitrag zum Südschleswiger Jütisch, E. Wolff zu dem Thema "Sprachen und Entwicklung in Afrika", P. Roseano aus Barcelona zu dem Friaulischen und dessen aktueller soziolinguistischer Situation und Fernando Ramallos Vortrag zu "The European Charter for Regional or Minority Languages (ECRLM) and the situation of Minority Languages in Spain: between reality and illusion". Abschließend wird die Direktorin des KURS, Prof. Dr. Elin Fredsted von der EUF am 07.02.2017 sich dem Thema "Mehrsprachigkeit in Filmen" widmen. Das Kolloquium soll im nächsten Semester fortgesetzt werden