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Töchter der Sonne

Inka-Kantate nach einem Libretto von Markus Pohlmeyer uraufgeführt

Die Christuskirche, ein zum Konzertsaal umfunktionierter Sakralbau, war am Sonntag, den 25. September, bis auf den letzten Platz besetzt. Punkt 17 Uhr hob Gudrun Schröfel den Taktstock und die Musik setzte ein. Zunächst wurde Savitri von Gustav Holst (1874-1934) gegeben – eine Kurzoper für drei Stimmen, die auf eine Episode aus dem indischen Monumentalepos Mahabharata zurückgeht. Das ist mehr als ein Vorspiel und stand an diesem Tag dennoch im Schatten der Welturaufführung einer Inka-Kantate mit dem Titel Töchter der Sonne. Die Partitur stammt von Andreas Tarkmann, das Libretto von Markus Pohlmeyer.

Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit zwischen dem bekannten Komponisten, der als Professor für Instrumentation an der Musikhochschule Mannheim lehrt, und dem Flensburger Theologen? Nun, es war der Inka-Spezialist Bernd Schmelz vom Völkerkundemuseum in Hamburg, der um das literarische Talent und musikalische Verständnis des einen wusste und seinen Namen daher dem anderen nennen konnte, der dringend einen geeigneten Text für die Komposition suchte, die er im Auftrag des Mädchenchors anfertigen sollte. Die beiden fanden zusammen, gingen arbeitsteilig vor und schufen so die Kantate, die beim Publikum in Hannover helle Begeisterung auslöste. Im Programmheft erläutert Tarkmann:

"Da jede höher gestellte Inka-Familie verpflichtet war, eine ihrer jungen Töchter den ‚Sonnenjungfrauen‘ zu überlassen, lebten die Mädchen für viele Jahre in einer zwar ‚auserwählten‘, doch unfreiwilligen Gemeinschaft. Ein Ausscheiden aus ihr war nur möglich, wenn sie vom Inka als Nebenfrau oder Dienerin an Adlige, verdiente Offiziere oder Häuptlinge übergeben wurden."

Leider kannte die Inka-Kultur keine schriftliche Überlieferung. Es bedurfte daher der dichterischen Einbildungskraft, um den Mädchen eine Stimme zu geben, um von ihrem Leben und Empfinden, Hoffen und Bangen zu erzählen. Markus Pohlmeyer verfasste sechszehn Gedichte, die Andreas Tarkmann bewusst nicht mit folkloristischen Tönen zum Klingen bringen wollte. Er setzte stattdessen auf Flöte mit Piccolo, Klarinette und Harfe, Marimba und andere Schlagwerke sowie Streicher, "wobei die exponierten Klarinettensoli als Ruf der eingeschlossenen Mädchen nach Freiheit zu versehen sind" (Programmheft). Gespielt wurde das Instrument in Hannover von Weltstar Sharon Kam.

Noch ist die Inka-Kantate nicht auf CD zu hören, doch noch im Wintersemester werden Andreas Tarkmann und Bernd Schmelz zu Markus Pohlmeyer an die Europa-Universität Flensburg kommen und gemeinsam einen Studientag veranstalten, auf dem es – wie am 25. September in Hannover – erst um Savitri und dann um Töchter der Sonne gehen wird. Der genaue Termin, vermutlich Anfang 2017, wird bekanntgegeben.

Matthias Bauer