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„Für eine kosmopolitische Bildung von Herz und Verstand“

Foto (v.l.n.r.): Simone Lange, Oberbürgermeisterin Flensburg, Prof. Dr. Sandra Rademacher, Vizepräsidentin für Forschung an der EUF, Rolf Fischer, Wissenschaftsstaatssekretär, Frank Kuper, Kanzler der EUF, Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der EUF, Prof. Dr. Monika Eigmüller, Vizepräsidentin für Europa und Internationales, Kristin Alheit, Wissenschaftsministerin des Landes Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Jürgen Schwier, Vizepräsident für Studium und Lehre. (Christine Kloodt)

Europa stand im Mittelpunkt des Jahresempfangs der Europa-Universität Flensburg

Es bedarf es eines neuen europäischen Versprechens

Prof. Dr. Werner Reinhart (Christine Kloodt)

Die Zukunft Europas stand im Mittelpunkt der Rede von Uni-Präsident Prof. Dr. Werner Reinhart. "Dass Ansichten jenseits von Gesetz und Rechtsstaatlichkeit in bestimmten Konstellationen mehrheitsfähig geworden sind, hat seine ganz eigene Tragik", konstatierte der Amerikanist. "Wenn prominente Vertreter eines engstirnigen Nationalismus unverstellt ihrer Verachtung für Kunst und Bücher, Bildung und Wissenschaft Ausdruck verleihen, dann werden wir nachdrücklich daran erinnert, dass Status- und Zukunftsängste unauflöslich verknüpft sind mit verweigerten Zugängen zu Unterricht und Bildung. Was Not täte, wäre eine gesamtwestliche Offensive für eine kosmopolitische Bildung von Herz und Verstand." Die Erfolge der Mütter und Väter – Frieden, Freiheit, Freizügigkeit – würden nicht ausreichen, um nachfolgende Generationen für das europäische Projekt zu begeistern, sagte Reinhart: "Dazu bedarf es eines neuen europäischen Versprechens auf Einheit in der Vielfalt, auf soziale Absicherung und Teilhabe, auf Transparenz und Verteilungsgerechtigkeit. Noch ist die EU in ihrer Konstruktion ein Gedicht, das sich nicht reimt – noch nicht."

Mit den Ereignissen des letzten Jahres habe sich das Aufgabenportfolio der Europa-Universität Flensburg Schleswig-Holsteins markant erweitert, befand Reinhart. Die Bilanz der EUF könne sich sehen lassen: Forschungsprofilierung und Internationalisierung schritten voran, die Integration geflüchteter Studierender gelänge vorbildlich.

Wissenschaftsminsterin Alheit: Die EUF steht für ein gemeinsames Europa

Kristin Alheit, Wissenschaftsminsterin des Landes Schleswig-Holstein (Christine Kloodt).

Auch Wissenschaftsministerin Alheit betonte die Europakompetenz der nördlichsten Universität Deutschlands, die nicht nur Spitze in der Lehrerbildung sei. "Die Universität Flensburg steht für Europa: Sie ist gelebtes Europa und damit Werbung für ein gemeinsames Europa", sagte sie. "Dieses Europa brauchen wir und werden es gegen alle politischen Angriffe verteidigen. Wir, das sind nicht nur die Politikerinnen und Politiker, sondern das ist vor allem die Zivilgesellschaft in Europa. Denn für sie hat dieses gemeinsame Europa einen nie dagewesenen Freiheits- und Möglichkeitsraum geschaffen. Die Institutionen der Wissenschaft zählen in hervorgehobener Weise dazu. Die Europa-Universität Flensburg ist dafür ein glänzendes Beispiel – eines, das mich wirklich stolz macht."

Oberbürgermeisterin Lange: Ein Magnet für Studierende und Forschende aus aller Welt

Oberbürgermeisterin Simone Lange. (Christine Kloodt).

Dass die EUF die am schnellsten wachsende Hochschule in Schleswig-Holstein ist, wunderte Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange nicht: "Die Kombination aus Campus in wunderschöner Lage im Zentrum des deutsch-dänischen Grenzlands, authentisch gelebter Willkommenskultur und grenzenlos attraktivem Studienangebot, das immer den Nerv der Zeit trifft, ist Magnet für Studierende und Forschende aus aller Welt. Denn Themen wie Nachhaltigkeit und internationale Vernetzung sind existentielle Themen geworden, existentiell für unsere Zukunft und die Gestaltung unserer Gesellschaft", umriss sie die Bedeutung der Universität.

Erstmals wurden drei Preise der Europa-Universität Flensburg verliehen

Erstmals wurden in diesem Jahr drei Preise der Universität für herausragende Leistungen in Forschung und Lehre vergeben.

Der mit jeweils 1500 Euro dotierte Lehrpreis der EUF wurde in zwei Rubriken verliehen. Die Auszeichnung für die beste interdisziplinäre Lehrveranstaltung erhielt die Germanistin Dr. Margrit Vogt, den Preis für die beste englischsprachige Lehrveranstaltung nahm der Juniorprofessor für Didaktik der englischen Sprache, Holger Limberg, entgegen.

Elin Fredsted, Professorin für dänische Sprache und Literatur, erhielt den Forschungspreis für ihre Publikation "Language contact in the German-Danish border area in the twenty-first-century". Für ihre Doktorarbeit "Kinder sprechen über (ihre) Mehrsprachigkeit. Theoretische Überlegungen und eine qualitative Studie zu Perspektiven mehrsprachig aufwachsender Grundschülerinnen und Grundschüler" wurde die Sonderpädagogin Dr. Angela Groskreutz mit dem Forschungspreis im Bereich Nachwuchs ausgezeichnet. Beide teilen sich das Preisgeld von 3000 Euro.

Den ebenfalls mit 3000 Euro dotierten Europapreis der Universität nahm der Soziologe und Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Hauke Brunkhorst für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Europa-Forschung entgegen.

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2017: Prof. Dr. Holger Limberg, Dr. Angela Groskreutz, Prof. Dr. Hauke Brunkhorst, Prof. Dr. Elin Fredsted, Prof. Dr. Werner Reinhart, Prof. Dr. Sandra Rademacher, Dr. Margrit Vogt. (v.l., Christine Kloodt)

Viel Applaus gab es für die Bühnenkünstler Michael Quast und Philipp Mosetter, die Goethes Nationalepos "Faust I" als Humorbuch ersten Ranges inszenierten.

Musikalisch wurde der Abend begleitet durch Studierende der Abteilung Musik an der Europa-Universität Flensburg.

Philipp Mosetter und Michael Quast. (Christine Kloodt)
Charlotte Franz, Klavier, Paul Ebrhardt, Gitarre und Katharine Puff, Gesang. (Christine Kloodt)