„Dieses Projekt hat im Kleinen, was wir im Großen brauchen“

Deutsch-türkisch-usbekisches Textilprojekt endet mit Finisssage

Traditionelle Handarbeitstradition innovativ weiterentwickelt

Mit einer gemeinsamen Finissage ging am Freitag, den 9.12.2016, das Projekt: "Sustainability in textile practice: Intercultural dialogue with symbols in contemporary design" in Flensburg zu Ende. Über dreieinhalb Jahre hatten deutsche Wissenschaftler*innen und Studierende mit Partner*innen aus dem arabisch-islamischen Raum zusammengearbeitet. Ihr Ziel: Traditionelle Handarbeitstraditionen unter neuen innovativen und kreativen Aspekten weiterzuentwickeln. Das Projekt wurde vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Auswärtigen Amts (AA) gefördert

In Kooperation mit der Namangan State University Usbekistan, der Mimar Sinan Fine Arts University Istanbul, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden und der Europa-Universität Flensburg entstanden unterschiedliche Produkte aus Filz. In interkulturellen Gruppen entwickelten die Studierenden zusammen mit ihren Dozent*innen neue textile Materialkombinationen und Produktideen. Sie analysierten die regionalen Marktbedingungen und passten ihre Produkte diesen Bedingungen an.

Memorandum of understanding zwischen EUF und der Namangan State University

Ein usbekisches Landschaftsgemälde überreichte der Rektor der Namangan State University, Prof. Abdusalam Umarov, dem Präsidenten der EUF, Prof. Dr. Werner Reinhart. (Quelle: Kathrin Fischer)

"Dieses Produkt hat im Kleinen, was wir im Großen brauchen: Empathie und Offenheit", würdigte Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der EUF, beim Abschlusstreffen die interdisziplinäre und interkulturelle Arbeit. "Es baut Brücken zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart und es führt einen Dialog der Nationen. In einer Welt voller Sorgen und Bedenken ist das ungeheuer wertvoll, auch unter dem Aspekt, dass das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei bereits einmal einfacher war."

Auch der Rektor der Namangan State University, Prof. Abdusalam Umarov, zeigte sich von dem Projekt begeistert: "Die interkulturelle Zusammenarbeit ist wichtig, um Ideen auszutauschen, und sie bietet eine gute Gelegenheit, eine stabile Kooperation zwischen den Universitäten zu etablieren", sagte er. Die beiden Hochschulleiter unterzeichneten ein memorandum of understanding. 

Interkulturelles Lernumfeld

Prof. Kemal Can, Dekan der Abteilung "Textil & Mode" an der Mimar Sinan University Istanbul, sprach davon, dass alle Beteiligte in dem Projekt viel voneinander gelernt hätten. "Anfangs gab es viel Missverständnisse, aber gemeinsam haben wir  Lösungen gefunden. So hat dieses Projekt für uns alle eine tiefere Bedeutung gewonnen."

 "In einem interkulturellen Lernumfeld konnten unsere Studierenden von Handwerker*innen lernen", beschrieb Projektleiter Prof. Dr. Norbert Schütz von der Abteilung "Textil & Mode" der EUF die Besonderheit des Projekts.  "Beide Seiten haben davon profitiert. Unsere Studierenden konnten den traditionellen Handwerker*innen innovative Produkte anbieten und selbst unter den Bedingungen der Handwerkskunst die Produktion erlernen."

Evaluiert wurde der interkulturelle Dialog von Kirsten Diehl, Professorin für Inklusion und pädagogische Entwicklungsförderung an der Europa-Universität Flensburg. Sie hat die Gelingensbedingungen des Projekts analysiert. "Ganz wichtig waren nonverbale Übungen zu Beginn. Auch die Motivation der Beteiligten, ihr Engagement, die praktische Handwerksarbeit, die Interdisziplinarität und der lange Zeitraum der gemeinsamen Arbeit haben zu dem Gelingen des interkulturellen Dialogs beigetragen", fasst sie ihre Ergebnisse zusammen.

 Neun Tage waren diese Produkte in der Roten Straße in Flensburg ausgestellt. Am Freitag endete die Ausstellung mit einer deutsch-türkisch-usbekischen Finissage.

Freuen sich über den guten Abschluss des Projekts (v.l.n.r.): Prof. Dr. Norbert Schütz, Abteilung „Textil & Mode“ der EUF, Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der EUF, Prof. Abdusalam Umarov, Rektor der Namangan State University, Prof. Kemal Can, Dekan der Abteilung “Textil & Mode” an der Mimar Sinan University Istanbul. (Quelle:Kathrin Fischer)
Viele Beteiligte aus Deutschland, der Türkei und Usbekistan haben in dem Projekt über dreieinhalb Jahre eng zusammengearbeitet. (QUelle: Kathrin Fischer)