Exkursionen der Fördergesellschaft der Universität Flensburg e. V.

Einmal im Jahr unternimmt die Fördergesellschaft eine Exkursion zu einem kulturellen Highlight, zu der Mitglieder und Studierende eingeladen, aber auch Gäste willkommen sind. Die Studierenden werden dabei großzügig gefördert.

23.09.2017: Århus

Eine Reise in die Kulturhauptstadt Europas am 23.09.2017

Es war der Beginn eines sonnigen Tages, als sich die Teilnehmer am frühen Samstagmorgen des 23. Septembers im Bus versammelten. Die diesjährige Fahrt sollte die Teilnehmer in die dänische Stadt Aarhus führen, welche neben Paphos auf Zypern mit dem Titel "Kulturhauptstadt Europas" ausgezeichnet wurde. Die Reise fand mit finanzieller Unterstützung der Fördergesellschaft der Universität Flensburg e.V. statt und neben langjährigen Teilnehmern fuhren ebenfalls Studierende auf die Exkursion mit. In Begleitung von Herrn Dr. Markus Herschbach von der Abteilung Kunst und visuelle Medien der Europa-Universität Flensburg und Frau Rosi Gerlich, welche die Vereinsverwaltung der Fördergesellschaft durchführt, begann der Bus seinen Ausflug in Richtung Aarhus.

Das Ziel nach mehrstündiger Fahrt war das ARoS Aarhus Kunstmuseum, das die Gäste aus Flensburg mit der Arbeit Your Rainbow Panorama des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson auf dem Dach des Hauses begrüßte. Es handelt sich hierbei um einen 150 Meter langen, kreisrunden Laufsteg, der für Besucher in 50 Meter Höhe zu begehen ist. Das Kunstmuseum wurde 1859 gegründet und beherbergt die größte Kunstsammlung Dänemarks außerhalb von Kopenhagen. Durch die offene Architektur des Museums ist das Gebäude gleichzeitig ein öffentlicher Durchgang. Eine Wendeltreppe mit verglastem Aufzug im Inneren führt die Besucher zu den Ausstellungsgalerien. Das Museum selbst bietet auf einer Ausstellungsfläche von 17.700 Quadratmetern verteilt auf zehn Ebenen umfangreiche Sammlungen an. Die Exponate umfassen Gemälde, Plastiken, Installationen, Videokunst und Zeichnungen. Das Wahrzeichen von ARoS ist die Plastik Boy des australischen Künstlers Ron Mueck. Dieses Werk mit einer Höhe von 4,5 Metern und 500 kg Gewicht besticht durch seine große Detailtreue. Beim Herantreten wurde deutlich, wie lebensnah der Künstler Haut, Adern und Körperbehaarung der Plastik Boy gestaltete. In seiner hockenden Haltung und Übergröße wurde einem als Gast bewusst, wie sich der Stil des Hyperrealismus mit seiner Übersteigerung der Realität auf die Wahrnehmung auswirken und trotzdem Verletzbarkeit und Angreifbarkeit vermitteln kann. Herr Dr. Herschbach stand für Fragen zu den Ausstellungsstücken sehr gerne zur Verfügung und bot gegen Ende der Zeit noch eine gesonderte Einführung für das Untergeschoss des Museums an. Hier wurden in verschiedenen Räumlichkeiten düsterere Themen ausgestellt, wie z.B. die Lichtinstallation Milkrun III von James Turrell.

Nach dem Besuch des Museums fuhr der Bus an den Hafen von Aarhus, an dem sich die öffentliche Bücherei Dokk1 befindet. Es war ein heiterer und warmer Tag, der zum Flanieren und Bestaunen der dänischen Architektur einlud. Anschließend folgte noch eine fakultative Veranstaltung: der Besuch des Gamle By – der alten Stadt. Das Gamle By ist ein Freilichtmuseum innerhalb von Aarhus; eine Stadt in der Stadt. Es konnten verschiedene Epochen des städtischen Lebens besichtigt werden und fast alle Gebäude standen offen. Neben der historischen Wohnkultur wurden auch alte Uhren, Trachten und Spielzeuge gezeigt. Hervorzuheben ist zudem, dass die Gebäude nicht in einer linearen Abfolge betreten werden mussten, da sowohl der Beginn im Jahre 1974 als auch im 18./19. Jahrhundert möglich war.

Die Rückreise nach Flensburg fand pünktlich um 18 Uhr in der Nähe des Kunstmuseums statt und alle Teilnehmer schafften es rechtzeitig zum verabredeten Zeitpunkt wieder in den Bus. Während der Fahrt wurden ausstehende Fragen diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Es war eine lehrreiche und beeindruckende Reise, welche durch die hervorragende Betreuung der Fördergesellschaft, einer imposanten Stadt und nicht zuletzt durch einen humorvollen Busfahrer lange in den Erinnerungen der Teilnehmer dieses 23. Septembers bleiben wird.

Marcus Jobs, Student MA International Management Studies

23.09.2017: Århus

28.05.2016: Rendsburg + Friedrichstadt

Ausflug in die "Stadt der Toleranz"

Die diesjährige Exkursion der Fördergesellschaft führte am 28. Mai 2016 nach Rendsburg, Friedrichstadt und an die Nordseeküste. Im Mittelpunkt stand eine Führung durch die "Stadt der Toleranz".

Auf dem Weg nach Friedrichstadt wurde das Jüdische Museum Rendsburg besichtigt, das im ehemaligen Gemeindezentrum – heute Dr. Blamberger-Haus genannt – untergebracht ist. Hier befand sich früher auch eine Talmud-Tora-Schule; im Untergeschoss gab es eine Mikwe. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Rendsburg setzt im 17. Jahrhundert ein und endet mit dem Missbrauch des Bethauses als Fischräucherei in der NS-Zeit. Heute befinden sich in den Räumen Ausstellungen zur Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein und zur jüdischen Religion; zudem sind Werke von Künstlerinnen und Künstlern zu sehen, die in unter Hitler verfolgt wurden.

Friedrichstadt wurde 1621 durch Herzog Friedrich III. von Gottorf gegründet. Ihm schwebte ein Handelsplatz für Waren aus Spanien, Russland und Ostindien vor – besiedelt von Kaufleuten aus den Niederlanden, die sich auch auf die Anlage von Grachten verstanden und wegen ihrer religiösen Überzeugung ins Exil gehen mussten. So kamen die Remonstranten ins Land und errichteten in der Planstadt die erste eigene Gemeinde, die heute die einzige außerhalb der Niederlande ist. In der Innenstadt, die auf einer künstlichen Insel zwischen den Sielen liegt, die Treene und Eider verbinden, bezogen ab 1623 auch Mennoniten Quartier; sie kauften 1708 die Alte Münze und wandelten das Gebäude in eine Kirche um. 1675 kamen deutsche Juden hinzu; ihre Gemeinde war einstmals die größte in ganz Dänemark. Schon zuvor hatten auch römisch-katholisch getaufte Christen in in der "Stadt der Toleranz" eine Gemeinde gegründet. Sie durften zwar nur eine Kirche ohne Turm bauen, bildeten aber die erste Gemeinde ihrer Konfession auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein. Zur religiösen Vielfalt trugen neben den Protestanten im 17. und 18. Jahrhundert außerdem Unitarier und Quäker, Pietisten und Separatisten sowie Spiritualisten und Gichtelianer (Engelsbrüder), zeitweise auch Hugenotten und Mormonen, bei.

Zum Abschluss der Exkursion gab es eine Einkehr in den Roten Haubarg im Adolfskoog südlich von Simonsberg und nördlich von Witzwort. Das 17 Meter hohe Gebäude beherbergt ein Museum sowie ein Restaurant und wurde auf acht Ständern errichtet.

28.05.2016: Rendsburg + Friedrichstadt - Bericht im Flensburger Tageblatt

13.06.2015: Bremen

Mangels Beteiligung konnte diese Exkursion leider nicht durchgeführt werden.

16.10. bis 19.10.2014: Wien

Reisebericht von Silke Bleek:

Zwischen zarten Geigenklängen, warmem Apfelstrudel und barocker Baukunst

Am Donnerstag, den 16. Oktober, hieß es für die Bachelor-Studierenden in Germanistik sowie für die Master-Studierenden des Studiengangs Kultur Sprache Medien der Europa Universität Flensburg Tschüss hoher Norden und Servus südliches Wien. Von den Streiklaunen öffentlicher Verkehrsunternehmen weitgehend verschont geblieben, konnten die jungen HochschülerInnen ihre Zeitreise in das aufregende 19. Jahrhundert, das sogenannte Fin de siècle, in Begleitung von Prof. Dr. Bauer vom Institut für Germanistik, Frau Methmann, Frau Gerlich, Frau Jendreiko, Frau Müller, Frau Pütter sowie Frau und Herrn Zychlinski von der Fördergesellschaft, mit deren finanziellen Unterstützung die Reise ermöglicht werden konnte, antreten. In eigener Vorbereitung und thematischer Schwerpunksetzung gestalteten die Studierenden ihre Erkundung der Weltmetropole in Form von Vorträgen und Führungen eigeninitiativ.

Gleich am ersten Tag kommen die Studierenden bei einem heißen Apfelstrudel und einer Wiener Melange im Café Central in den Genuss der prachtvollen historistischen Architektonik Wiens. Das Café Central, das heutzutage nach dessen Architekt auch Palais Ferstel genannt wird, gehört mit seiner 130-jährigen Geschichte zu einer besonderen Touristenattraktion im 1. Bezirk. 1876 das erste Mal eröffnet, wurde es Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Treffpunkt namhafter Persönlichkeiten aus Kultur, Literatur, Politik und Wissenschaft. Zu den sogenannten "Centralisten" gehörten u.a. Arthur Schnitzler, Sigmund Freud, Peter Altenberg sowie Leo Trotzki. Im venezianisch-florentinischen-Trecento Stil mit klassischem Werksteinbau zieht das Literatencafé alle Besucher in seinen Bann. Im benachbarten Arkadenhof, durch dessen Glasdach der Raum mit Licht wahrlich geflutet wird und die Besucher in ein mediterranes Ambiente versetzt, lauschen die StudentInnen einem Vortrag über die Entstehungsgeschichte des imponierenden Gebäudes.

Auf dem Weg zu der eindrucksvollen Hofburg, in der einige Jahrhunderte die Habsburger residierten, wurde die Luft durch einen sehr unangenehmen Duft erfüllt. Jede Menge Fiaker, für die Wien äußerst bekannt sind, fahren mit ihren majestätischen Rössern durch die Innenhöfe der kaiserstaatlichen Gedenkstätte und vervollständigen das Gefühl, nun vollkommen in die Epoche des 19. Jahrhunderts eingetaucht zu sein. Aus der ursprünglichen Festung wurde ein imposanter Palast und folglich ein Prestigeprojekt der Habsburger Dynastie. Da jeder einzelner Herrscher dem Bauwerk einen Trakt hinzufügte, offenbart sich nun dem Besucher ein staunenswertes t im Renaissance-Stil gehaltenes Resultat einer 800 Jahre andauernden schöpferischen Tätigkeit.

Mit den Worten "Es ist mein Wille." ließ Kaiser Franz Joseph 1857 den Bau der bedeutenden Ringstraße veranlassen. Monumentale Gebäude, die an vergangene Epochen erinnern und im historistischen Stil errichtet wurden, umgeben den prunkvollen 1. Bezirk der Stadt. Wo am heutigen Tage die Studierenden die Straße ergründen, flanierten zur damaligen Zeit die Crème de la Crème der Wiener Gesellschaft. Vor dem Hintergrund eines wolkenlosen strahlenden Wetters ragt die Staatsoper Wiens in ihrer vollen Pracht in den blauen Himmel empor. Den Studierenden wird ein bewundernswertes Gebäude im Renaissance-Bogenstil präsentiert, das mit romantisch-historisierenden Formen alle Blicke auf sich zieht. Zu einen der bedeutendsten Opern der Welt gehörend, wurde es vom Kaiser Franz Joseph sowie seiner Gattin Kaiserin Elisabeth am 25. Mai 1869 eröffnet. Die im 2. Weltkrieg zahlreichen erlittenen Schäden wurden im Folgenden wieder behoben, sodass das Opernhaus in seiner umwerfenden Präsenz wieder erstrahlen konnte.

Auf dem weiteren Pfad der Wiener Ringstraße passieren die Studierenden  das der Antiken Baukunst erinnernde Parlament. Bewusst wählte der Architekt Theophil Hansen diesen Baustil aufgrund des Ursprungs der Demokratie, der im antiken Griechenland wurzelt. Gegenüber des Machtzentrums befindet sich der Volksgarten; eine symbolische Darstellung der Nähe zwischen dẽmos (Volk) und  krátos (Macht). Auf der Erkundungstour der HochschülerInnen  stellte das Wiener Rathaus mit Sitz der Regierung ebenfalls eine wahrliche Attraktion dar. In der Tradition flämischer Rathäuser aus der Gotik stehend und einer beachtlichen Bauzeit von elf Jahren  leistet dieses Gebäude einen weiteren besonderer Beitrag zum historistischen Gesamtbild der Wiener Ringstraße.

Von besonderem Interesse zeugte zudem die Besichtigung des von dem Architekten Heinrich von Ferstel im Stil der Renaissance sowie in der Monumentalität des Barocks entworfenen Hauptgebäudes der Universität Wien. Am 11. Oktober 1884 vom Kaiser Franz Joseph eröffnet, zählt die universitäre Bildungseinrichtung seither zu einem begehrten Studienort. Im Innenhof erhalten die Nordlichter einen Einblick in das sehr international geprägte studentische Treiben. Auf Liegen verweilende und in ihren Büchern stöbernde Wiener StudentInnen, Stände, an denen Literatur günstig verkauft wird und mittendrin die Flensburger StudentInnen, die auf einer halbrunden Treppe sitzend dem Vortrag eines Kommilitonen über Ernst Mach lauschen.

Zum Ende des Tages rauscht die Reisegruppe zu der Wiener Votivkirche, die "zum Dank für die Errettung seiner Majestät" nach einem auf den Kaiser Franz Joseph verübten Attentat errichtet wurde und seither international als eines der bedeutendsten neogotischen Sakralbauwerke gilt. Einmal die Ringstraße umlaufen, treffen sich die Studierenden an der Hofburg wieder, um vor Ort von den Kommilitonen in die Lebensgeschichte des Arthur Schnitzlers, ein mitunter der bedeutsamsten österreichischer Dramatiker der Wiener Moderne, entführt zu werden. Anfeindungen gegenüber dem jüdischen Volk sowie die Anforderung seines Vaters, sich primär der Medizin zu widmen, hinterließen einen bitteren Beigeschmack in seinem Leben. Er gehörte dennoch zu den bedeutendsten Kritikern der Wienergesellschaft und ihren Entwicklungstendenzen. So fokussieren sich die Studierenden in ihrem Beitrag vorrangig auf sein Werk "Leutnant Gustl", in dem A. Schnitzler den Ehrenkodex des Militärs sowie die vorherrschend antisemitische Haltung stark monierte.

Am zweiten Tag der Exkursion ist von der spätsommerliches Idylle nur noch wenig übrig geblieben. Ein kräftiger Wasserschwall erschwert die Fortführung der Stadttour unter freiem Himmel. Die Studierenden lassen es sich dennoch nicht nehmen, der ehemaligen Wohnung Freuds in der Berggasse einen Besuch abzustatten. Wie es sich lege artis gehört, wird an der Pforte geläutet, um infolgedessen hereingebeten zu werden. In den recht kleinen Räumlichkeiten des Begründers der Psychoanalyse gewinnen die Studierenden anhand von ausgestellten Fotografien, Privataufnahmen, Zeitungsartikeln, Auszügen seiner Werke sowie originalen Möbelstücken einen Eindruck über die Lebensweise des zu seiner Zeit sehr kritisierten jüdischen Wissenschaftlers, dessen Leben von vielen Schicksalsschläge durchtrieben wurde.

Auf den weiteren Spuren des jüdischen Wiens, konnte aufgrund des Wetters der Judenplatz nicht direkt besichtigt werden. Nahe diesem historisch sehr bedeutsamen Ort, an einer überdachten Stelle, folgen die Hochschüler den Beiträgen ihrer Kommilitonen zum Jewish Welcome Center sowie zum jüdischen Museum. Nach einem längeren Prozess eines Eingeständnisses durch die Österreicher, eine Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus zu tragen, wurde 1980 das Jewish Welcome Center gegründet, eine Initiative, die ein internationales Forum für die jüdische Kultur schafft, diese dokumentiert, Vertriebene unterstützt und Aufklärung betreibt. Einen beachtlichen Beitrag leistet diesbezüglich zudem das jüdische Museum, das seinen Besuchern einen Einblick in die Sitten und Bräuche des Judentums gewährt. Auf dem Judenplatz wurde darüber hinaus das "Holocaust Memorial", ein Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoah, errichtet sowie 1930 eine Statue Lessings aufgestellt,  der zwar nicht jüdischer Gesinnung war, sich dennoch in seinem Werk "Nathan der Weise" insbesondere auf den Humanismus und auf den Toleranzgedanken der Aufklärung konzentrierte.

Daraufhin wird die Gruppe zum Maria-Theresienplatz geführt, das von zwei imposanten Gebäuden, dem kunsthistorischen sowie dem naturhistorischen Museum umgeben wird. Beide Bauwerke wurden im Auftrag des Kaisers von den Architekten Gottfried Semper sowie Carl Hasenauer im Stil der Neorenaissance erbaut und stehen sich spiegelgleich gegenüber. Figuren und Statuen symbolisieren den damaligen naturwissenschaftlichen Fortschritt  und stehen für die Kräfte der Natur. Eine an den Kaiser gerichtete und unter der Kuppel angebrachte Widmung lautet: "Dem Reiche der Natur und seiner Erforschung".

Das Sahnehäubchen auf der Sachertorte dieser Tagestour stellt jedoch die Besichtigung der prunkvollen barocken Karlskirche dar. 1716 von Johann Bernhard Fischer von Erlach begonnen und 1739 von seinem Sohn Joseph Emanuel vollendet. Diese Kathedrale verbindet verschiedene architektonische Elemente aus verschiedenen Teilen der Erde. Eine Mittelfront, die einem griechischen Tempel ähnelt, die Seitenkapellen, die an den Stil der italienischen Renaissance sowie die Dächer, die an chinesische Pagoden erinnern oder die seitlichen Triumphsäulen, die islamischen Minaretten gleichen. Auch im Innern des Gotteshauses offenbart sich den Studierenden ein glanzvolles Bild. Farbenfroher Prunk und monumentale Deckenmalerei, die mithilfe eines Aufzugs näher betrachtet werden können, rufen einen langanhaltenden Zustand des Staunens und der Bewunderung hervor.

Am frühen Morgen des darauffolgenden Tages durchstreift die Reisegruppe die Katakomben unter dem Stephansdom, in denen sich ihnen ein schauriger, wenn auch sehr eindrucksvoller Einblick bietet. In der Gruft befinden sich mehrere  luftdicht verschlossene Kupfersärge, in denen sich Bischofsleichen befinden. In den daneben platzierten Metallgefäßen wurden die Eingeweide der Habsburger gemäß des damaligen Brauches separat vom Körper aufbewahrt. Dann betreten die Studierenden einen weiteren Trakt der Gruft, in welcher die Domherren sowie Bischöfe hinter großen Marmorplatten bestattet wurden. Der weitere Verlauf dieser Tour führt dann ins Erdinnere. Enge dunkle Gänge und modrige Luft lassen eine schaudervolle Atmosphäre entstehen. Hinter vergitterten Fenstern offenbart sich dem Besucher ein nicht allzu schöner Anblick. Ein Dutzend menschlicher Gebeine stapelt sich aufeinander. Aufgrund der hohen Anzahl an Toten zu der Zeit, als die Pest in Wien wütete und es unmöglich war, jede Leiche standesgemäß zu bestatten, wurden die Leichname in die Freiräume unter dem Stephansdom mithilfe einer rutschbahnähnlichen Technik transportiert.

Der darauffolgende Themenschwerpunkt beschäftigt sich mit der Mode während der Ringstraßenzeit. In Form einer fiktiven Shoppingtour wurden die Studierenden zu den Plätzen geführt, an denen sich einst die zentralen Modegeschäfte befanden. Mode gehörte ebenfalls zum Prestige, der adligen Wiener Gesellschaft, um sich im sozialen Gefüge optisch hervorzuheben. Illustrationen zu den jeweiligen Epochen der Damenmode, wie die Zeit der Krinoline, der Tournüre sowie die Zeit, in der das Korsett abgeschafft wurde, ließen die Studierenden an den eigensinnigen Modegewohnheiten der Damen aus dem 19. Jahrhundert teilhaben.

Auf den Spuren der architektonischen Werke Otto Wagners, präsentiert sich dem sehr historistisch verwöhnten Wienreisenden nun ein ganz anderes Bild. Seinem Leitmotiv "Unzweckmäßiges kann nicht schön sein" folgend, als Kritiker der historistischen Baukunst und Anhänger der Wiener Sezession, verwirklichte Wagner die ersten Bauprojekte in der Wiener Innenstadt, die auf die funktionale Sachlichkeit beschränkt wurden. Mit Bewunderung betrachten die Studierenden Wagners Majolikahaus an der Wienzeile, dessen pflegeleichten Fliesen Jugendstilornamente zieren und Blumenmotive über die Fassade ranken. Frei von jeglichen Verzierungen in Form von Stuck und Säulen, bewies Wagner dennoch, dass Schönheit mit Sicherheit im Auge des Betrachters liegt. Seinen fortschrittlichen Baustil verwirklichte der Architekt zudem in der Errichtung der Stadtbahn, indem er u.a. die Station am Karlsplatz im Jugendstil erbauen ließ. Besonders Bemerkenswert erscheint zudem das von Wagner im Jugendstil  konstruierte Gebäude der Österreichischen Postsparkasse, das zur gleichen Zeit wie der Gebäudekomplex des gegenüberliegenden Kriegsministeriums im errichtet wurde. Letzteres wurde der tradierten architektonischen Gewohnheiten im historistischen Stil errichtet während  Wagners künstlerisches Werk dazu im Jugendstil erstrahlt. Der Antagonismus wird insbesondere mithilfe der räumlichen Gegenüberstellung symbolisch akzentuiert.

Nach einem langen erschöpfenden Fußmarsch rasten die Studierenden in einem kleinen Kaffee über der Promenade am Wiener Fluss des Wiener Stadtparks. Bei einem kühlen Spritzer und einem kleinen Braunen kommen die Studierenden zu dem in den Genuss feinster klassischer Musik einer vor Ort spielenden Combo.

Im Stadtpark angekommen, offenbart sich ein Ort der Stille und der Erholung inmitten der belebten Stadt. Die weitläufige Terrasse des Kurpavillons, ein historisches Prachtgebäude im Stil der italienischen Renaissance, ragt in den Wiener Stadtpark. Zur damaligen Zeit wurde dort Heilwasser für Trinkkuren ausgeschenkt und bald darauf ein Kursalon errichtet, der fortan als Tanz- und Konzertlokal diente und bereits 1868 Johann Strauß, der Sohn des Komponisten Richard Georg Strauß, ein Konzert gab. Des Weiteren ist diese Parkanlage für ihre Denkmäler bekannt, so wurde u.a. Johann Strauß, Anton Bruckner wie auch Franz Schubert ein Memorial errichtet.

Abgerundet wird dieser Tag mit dem Besuch des Hauses der Musik. Eines im Juni 2000 errichtetes Musik- bzw. Klangmuseum, das sich auf eine ganz besondere Art der Vermittlung von Musikgeschichte spezialisierte. Insbesondere die 3. Etage der Ausstellung zieht die junge Studentenschaft in ihren Bann. Auf interaktivem u. multimedialem Wege werden die Wienreisenden mit den Werken sowie dem biographischen Hintergrund ranghoher Wiener Komponisten wie  Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert etc. herangeführt. Persönliche Gegenstände, Zeitdokumente wie auch interaktive Programme wie das "Namadeus", mit dem die Besucher ihren Namen à la Mozart vertonen als auch der "virtuelle Dirigent" , durch den die jungen Studierenden ihr Taktgefühl vor einer auf der Leinwand projizierten Wiener Philharmoniker erproben können, rufen überaus große Begeisterung hervor.

Ein krönender Abschied dieser Voyage durch das Wiener Fin de siècle bot sich für die Flensburger Studierenden am oberen Schloss Belverde. Zwei gegenüberliegende Schlösser, die sich auf zwei Ebenen erstrecken, ein barockes Ensemble, das mit einer dazwischenliegenden imposanten Gartenanlage harmoniert, animiert ihre Besucher zum Träumen und versetzt diese in eine historische Trance. Der Name "Belvedere" (schöne Aussicht), auf den dieses paradiesische Schloss getauft wurde, hält mit einer elysischen Panoramasicht auf das Stadtbild, ist wahrlich gut gewählt. Mit diesem kulturellen Augenschmaus verabschiedet sich die Reisegruppe mit einem wehmütigen "Wiederschauen" von einer Stadt, die sie in den vergangenen Tagen zu einer Zeitreise in ihre Historie einlud und sich von all ihren facettenreichen Seiten zeigte.

16.10. bis 19.10.2014: Wien - Bericht im Flensburger Tageblatt

Flensburger Tageblatt am 12.11.2014 auf Seite 26

28.06.2014: Rostock, Bad Doberan, Kühlungsborn

Eine Tour, die Geschichte und Kulturgeschichte, Landschaft, Literatur und Bäderarchitektur geboten hat. Vor Ort führte uns der Literaturwissenschaftler Christian Riedel; auf dem Weg nach Rostock lieferte Professor Matthias Bauer Hinweise zu den Zielen der Exkursion, und es gab Verpflegung an Bord.

26.10.2013: Hamburg

Die diesjährige Exkursion ging nach Hamburg. 37 Teilnehmer, darunter 19 Studierende, konnte die Vorsitzende, Frau Anke Methmann, begrüßen. Auf der Hinreise gab Herr Dr. Markus Pohlmeyer einige vorbereitende Erläuterungen zur indischen Mythologie und zu der Faszination, die sie seit der Romantik auf deutsche Dichter und Denker ausgeübt hat.

In Hamburg gab es zunächst eine Führung durch den Großen Michel mit einem abschließenden Orgelkonzert. Nach einem Zwischenstopp zu einem Imbiss führte der Weg ins Völkerkunde-Museum, wo zwei einander ergänzende Ausstellungen zu sehen waren: "Der Götterhimmel Indiens - Kunstwerke der Sammlung F. K. Hellers". Der deutsche Kaufmann Ferdinand K.  Heller war von der reichen religiösen Kultur Indiens so fasziniert, dass er Götterbildnisse und Kult-Objekte zu sammeln begann, von denen er fast 500 dem Völkerkunde-Museum geschenkt hat, von denen ein großer Teil in der Ausstellung zu sehen ist. In der zweiten Ausstellung "Blumen - Bäume - Göttergärten: Indische Malerei aus sechs Jahrhunderten" werden Malereien aus der Privatsammlung von Prof. Dr. Ludwig V. Habighort gezeigt. Diese Bilder bestechen durch präzise Details und geben vielfältige Einblicke in religiöse und kulturhistorische Zusammenhänge. Als "Kontrast-Programm" gab es schließlich in der Hafen-City Maritimes und interessante Architektur zu bestaunen, verbunden mit einem gigantischen Sonnenuntergang, der von einigen Teilnehmerinnen mit einem köstlichen Glas Wein genossen wurde.

26.10.2013: Hamburg - Bericht im Flensburger Tageblatt

Flensburger Tageblatt am 05.11.2013

05.05.2012: Lübeck

Anlass zu dieser Exkursion war die Sonderausstellung "Wollust des Untergangs. 100 Jahre Thomas Manns 'Der Tod in Venedig'" im Buddenbrook-Haus.

Zur Einstimmung hielt Dr. Markus Pohlmeyer am 02.05.2012 den Vortrag "Von Eros und anderen Dämonen verführt? - Die (un)heimlichen Archetypen der Philosophie bei Thomas Mann". Am 03.05.2012 gab Professor Dr. Matthias Bauer eine Einführung und zeigte die Visconti-Adaption von Thomas Manns "Der Tod in Venedig".

Nach dieser großartigen Einstimmung in das Thema machten sich 32 Teilnehmer, darunter 14 Studierende, am 05.05.2012 auf den Weg nach Lübeck. Während der Fahrt hielt Professor Dr. Günter Helmes einen Vortrag über Lübeck als literarischem Ort. Die Führung durch die Ausstellung im Buddenbrook-Haus fand in zwei Durchgängen statt. Die freie Zeit nutzen die Teilnehmer auf vielfältige Weise mit Besuchen anderer Ausstellungen, des Rathauses, des Holstentors oder mit einem Stadtbummel und Einkehr.

02.10. bis 05.10.2011: Venedig

"La Biennale di Venezia - 54. International Art Exhibition"

Am Sonntag, 2. Oktober, reisten zehn Kunststudentinnen unserer Universität gemeinsam mit Professor Dr. Manfred Blohm und sechs Mitgliedern der Fördergesellschaft von Hamburg nach Venedig.

Die Ausstellung trägt den Titel "ILLUMInations" und befindet sich im Central Pavillon des Giardini-Parks und auf dem historischen Arsenale-Gelände. 83 Künstler aus der ganzen Welt zeigen ihre Werke, begleitet von 89 Länderpavillons und 37 parallel laufenden Events.

Zur Vorbereitung fand am 19.04.2011 ein Seminar mit Professor Dr. Manfred Blohm zum Thema "Kunst der Gegenwart" statt. Im Juli folgte ein Vortrag von Professor Dr. Matthias Bauer mit dem Titel "Venedig im Film". Ein italienischer Abend am 27.09.2011 im Modul1 beschloss die Vorbereitungsphase und erhöhte die Vorfreude auf diese ganz besondere Reise.

Bericht von Maike Thießen (studentische Teilnehmerin):

Masken, Touristen und Murano-Glas, wohin man sieht. Und mittendrin: eine Vermittlungssituation. Sechs Mitglieder der Fördergesellschaft der Universität Flensburg versuchen unter Anleitung von zehn Studierenden der Frage nachzuspüren, ob künstlerische Produktion zwanglos möglich ist. Dafür können sie an vier Stationen jeweils vier Minuten lang frei gestalten. Alles unter den kritischen Augen des Dozenten, Herrn Prof. Dr. Blohm. Denn diese Open-Air-Veranstaltung ist Teil eines Leistungsnachweises für den Studiengang Bachelor of Arts. Doch bei der Besprechung der Aufgabe wird deutlich: Der lustvolle Umgang mit dem Material und die malerische Umgebung stehen im Vordergrund. Das Element Wasser, die hohen, schmalen Gassen und die italienische Sprache sind in den Kunstwerken wiederzufinden und die Beteiligten äußern sich positiv zu dem außergewöhnlichen Erlebnis.

Zum Programm der Reise, die durch die finanzielle Unterstützung der Fördergesellschaft ermöglicht wurde, gehört vorrangig der Besuch der Biennale. Die 17 Exkursionsteilnehmer starten den Besuch der berühmten internationalen Kunstausstellung mit einer guided tour über das Gelände der Giardini. Dort befinden sich die nationalen Pavillons von 28 Ländern und das Hauptgebäude, dessen Ausstellung den Titel Illuminations trägt. Hier sind die Deckenbalken mit ausgestopften Tauben besiedelt, einer Arbeit Maurizio Cattelans, der durch die stummen Beobachter auf die massive Touristenflut in Venedig aufmerksam machen möchte.

Der deutsche Pavillon zeigt eine Installation von Christoph Schlingensief, der während der Vorbereitungen zur Biennale verstarb. Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir wurde gemeinsam von der Kuratorin Susanne Gaensheimer und der Witwe des Künstlers auf Grundlage eines bestehenden Werkes Schlingensiefs konzipiert, wie die freundliche Touristenführerin berichtet. Sie thematisiert auf eindrückliche Art und Weise das Leiden des Erkrankten und die Vergänglichkeit menschlicher Existenz.

Wer wollte, konnte im Anschluss einen anderen Teil der Biennale auf dem Gelände der Arsenale, einem ehemaligen Militärareal, besichtigen. Dort sind die Teilnehmer besonders von dem Video des amerikanischen Künstlers Christian Marclay fasziniert, das den Titel The Clock trägt. Aus zahlreichen Filmen hat Marclay Sequenzen mit Uhrdarstellungen herausgeschnitten und zu einem 24-Stunden-Puzzle verbunden.

Bei einem Glas Wein und anregenden Gesprächen über die zahlreichen Eindrücke und die vielen neuen Impulse ließen die Reisenden die Exkursion nach Venedig bis in den Abend hinein ausklingen.

12.06.2010: Kopenhagen

Mit einem komfortablen Neubauer-Bus erlebten die 43 Teilnehmer eine angenehme Reise durch Südjütland, Fünen und eine grandiose Fahrt über die Storebælt-Brücke - die derzeit längste Hängebrücke in Europa - nach Seeland und hier zunächst nach Kopenhagen. Nach eineinhalb Stunden Aufenthalt ging die Fahrt weiter in das Karen Blixen Museum nach Rungstedtlund. Im Geburtshaus war Gelegenheit, die beeindruckende Arbeit der Schriftstellerin und Malerin zu bewundern. Die nächste Etappe führte entlang der dänischen Riviera in das Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk. Neben der Ausstellung "Warhol nach Munch" und vielen sehenswerten Werken lud insbesondere der prächtige Skulpturengarten zu einem Bummel ein.

Während dieses erlebnisreichen Sommerausflugs hielt Professor Dr. Matthias Bauer einen sachkundigen Vortrag über das Leben und Arbeiten der Karen Blixen, und Frau Helga Oldenburg berichtete über ihren Aufenthalt als Flüchtlingskind in Dänemark. In ihren beeindruckenden Erzählungen würdigte sie besonders das humanitäre Verhalten der dänischen Bevölkerung gegenüber den 400.000 Flüchtlingen.

Frühere Exkursionen

18.03.2009: Arthur Schnitzler "Reigen" im Thalia Theater und die Ausstellungen "Edgar Dégas" und MAN SON in der Kunsthalle in Hamburg

24.06.2008: Ausstellung "Fußmann-Werke aus vier Jahrzehnten" auf Schloß Gottorf in Schleswig

23.11.2007: Besichtigung ALSION mit anschließendem Konzertbesuch "Les Béatitudes" von César Franck in Sønderborg

30.05.2007: Nolde-Museum in Seebüll mit museumspädagogischer Führung

01.11.2006: Phänomenta in Flensburg

22.02.2006: Landtag in Kiel mit Teilnahme an einer Plenarsitzung und Gesprächen mit Abgeordneten

28.09.2005: Gottorfer Globus und Barockgarten in Schleswig

18.05.2004: Industrie- und Handelskammer zu Flensburg, Führung durch die alten und neuen Räume mit Vortrag durch Hauptgeschäftsführer Michael Stein über die Funktion und Aufgaben der IHK

18.11.2003: Besichtigung der gerichtshistorischen Sammlung und des Landgerichtsgebäudes in Flensburg

23.05.2003: Flensburger Schiffbaugesellschaft mit Stapellauf eines Fährschiffes

16.11.2001: Stadttheater Flensburg, "backstage"-Tour mit Herrn Rieckhoff

27.04.2001: Besichtigung der Orgelbaufirma Marcussen und Sohn in Apenrade/DK

24.11.2000: Führung durch das Schloss Glücksburg "von ganz oben bis ganz unten" mit dem Leiter des Schlosses Dr. Peter Otzen

05.11.1999: Besichtigung des Bordesholmer Altars von Hans Brüggemann, eines der Hauptwerke niederdeutscher Altarkunst der Dürerzeit, im Schleswiger Dom mit Dia-Vortrag von Pastor Pfeifer, Domgemeinde Schleswig

15.06.1999: Besichtigung der Stadtwerke Flensburg mit sachverständiger Führung durch Professor Dr. Olav Hohmeyer

26.10.1997: Kunsthistorische Exkursion zu drei alten Angelner Kirchen unter fachkundiger Führung durch Dr. Arnold Lühning, Hauptkustos a. D. am Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum