Veranstaltungsbericht: Neue Perspektiven nachhaltigen Wirtschaftens

GIVUN und TransKoll im Dialog

von Christina Eck, studentische Mitarbeiterin im Projekt GIVUN

Am 3. Februar 2016 präsentierten die Leiter*innen der Projekte TransKoll, Dr. Birgit Schulze-Ehlers und Prof. Dr. Stefan Hoffmann, und GIVUN, Dr. Bernd Sommer und Prof. Dr. Ludger Heidbrink, ihre Forschungsvorhaben im Rahmen einer öffentlichen Abendveranstaltung des Kiel Center for Philosophy, Politics and Economics der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Unter den Besucher*innen der Veranstaltung fanden sich, neben Studierenden der Universität Kiel, auch externe Gäste im vollgefüllten Seminarraum, was das Interesse an der Thematik spiegelte. Die Projektteilnehmer*innen berichteten von den Schwerpunkten ihrer jeweiligen Projekte und beleuchteten Gemeinsamkeiten sowie Differenzen.

Gegenstand des Forschungsprojektes TransKoll ist die Implementierung von Prozessen zum Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen aus dem Bereich der regionalen Ernährungswirtschaft in Schleswig-Holstein. Die Mitarbeiter*innen des Projektes übernehmen dabei eine begleitende Rolle und erarbeiten gemeinsam mit den Unternehmen die möglichen Handlungsfelder, um eine solche Umstrukturierung zu verwirklichen. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Lieferant*innen und Kund*innen der Unternehmen gelegt. Der durchgeführte Change-Management-Prozess soll mehr Transparenz in beiden Bereichen herbeiführen. So ist unter Transparenz, im Bezug auf die Lieferant*innen, die Überschaubarkeit der Lieferkette und die Identifizierung besonderer Risikoprodukte gemeint. Hinsichtlich der Konsument*innen meint Transparenz, die für jede Kundin und jeden Kunden zu Verfügung stehende Option, sich über ein Produkt zu informieren. Die Herausforderung ergibt sich dabei durch das unterschiedliche Maß an Interesse, welches die Konsument*innen am Produkt zeigen. Wie kann eine Anpassung an dieses differente Interesse sichergestellt werden? Abhilfe soll mittels einer, im Rahmen des Projektes entwickelten, App geschaffen werden. Sie bietet den Konsument*innen die Möglichkeit, sich, durch ein schrittweises Vorgehen, nur so weit über ein Produkt zu informieren, wie es ihm beliebt, ohne ihn auf Grund übermäßig viel Information abzuschrecken. Die Information wird über die App zugleich simpel im Verständnis, vertrauenswürdig und einfach zugänglich aufbereitet.

Das Forschungsprojekt GIVUN setzt sich zwar ebenfalls mit der Thematik des nachhaltigen Wirtschaftens auseinander, jedoch übernimmt es zunächst keine begleitende, sondern eine stärker beobachtende Rolle im Hinblick auf die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) und ihre Umsetzung. Die GWÖ kann nicht bloß als Tool zur Realisierung von Wandel in Unternehmen aufgefasst werden. Vielmehr handelt es sich um eine dynamische, soziale Bewegung. Ein zentrales Charakteristikum der GWÖ ist es daher, dass sie sich auf ein Menschenbild und Gesellschaftsvorstellungen bezieht, die noch andere Werte kennen, als den Preis eines Produkts. Die Umstellung nach GWÖ-Standards ist auf alle Bereiche der Wirtschaft anwendbar. So bietet die GWÖ ein breites Forschungsfeld für das Projekt GIVUN. Zentral für die Untersuchung ist der Innovationsgehalt der GWÖ im ideengeschichtlichen Vergleich und auch gegenüber anderen unternehmerischen Nachhaltigkeitsinstrumenten wie EMAS oder ISO 26000. Gleichzeitig werden die Implikationen gemeinwohlorientierten Wirtschaftens auf die unternehmerische Praxis ins Auge der Forschung gefasst, um so die Auswirkungen auf z.B. Mitarbeiter*innen oder Produktion im Unternehmen aufzudecken. Derzeit setzen sich überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), welche idealistischen Ansprüchen folgen, mit der GWÖ auseinander. Die große Herausforderung liegt daher in der Frage nach Möglichkeiten und Chancen der Anwendung der GWÖ auf Großunternehmen und inwiefern dafür Änderungen der Rahmenbedingungen seitens der Politik nötig sind.

Die gemeinsame Rahmung der Forschungsprojekte bildet somit die Transformationsforschung mit dem Ziel der dauerhaften Realisierung nachhaltigen Wirtschaftens. TransKoll legt hier einen Fokus darauf,  dass sich ökologisch und sozial verantwortliches Handeln für die Unternehmen nicht nachteilig, sondern in allen Bereichen des Unternehmens zum Vorteil auswirkt. Prof. Dr. Ludger Heidbrink aus dem Projekt GIVUN wies abschließend auf den pleonastischen Charakter des Begriffs Gemeinwohl-Ökonomie hin, mit der Anmerkung, dass die Entstehung einer Bewegung, die eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft verlangt, ein deutliches Indiz für die derzeitige Schieflage in der Ökonomie sei. Im Grunde sollte eine Gemeinwohl-Orientierung des Wirtschaftens bereits selbstverständlich sein.