Aktuelles aus dem NEC (Archiv)

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2016

NEC-Direktor Harald Welzer wird Fellow

06.01.2016

Ab Januar am Kolleg Postwachstumsgesellschaften

Im Januar und Februar 2016 wird Prof. Dr. Harald Welzer, Direktor des Norbert Elias Center for Transformation Design & Research (NEC), als Senior Fellow am Kolleg Postwachstumsgesellschaften an der Universität Jena forschen.

Die seit 2011 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Kollegforscher*innengruppe um die Soziologen Klaus Dörre, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa erforscht die (de-)stabilisierenden Wirkungen dynamischer Wachstumsgesellschaften auf soziale, kulturelle, ökonomische und politische Zusammenhänge, schwerpunktmäßig an den Phänomenen Landnahme, Beschleunigung und Aktivierung.

Welzer möchte sich in seiner Zeit als Fellow vertieft mit den gestalterischen Strategien und der Ästhetik von Postwachstumsgesellschaften auseinandersetzen. Für den Herbst des Jahres ist eine Tagung zu diesem Themenbereich geplant.

2015

Interdisziplinäres Kolloquium: Flucht und Migration

19.11.2015

Veranstaltungen im Wintersemester 2015/16

Unter dem Titel Flucht und Migration stehen 13 Veranstaltungen, die in diesem Semester im Rahmen des Interdisziplinären Kolloquiums stattfinden. Die Flucht vieler Menschen vor Krieg und Gewalt, Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit ist gegenwärtig eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen – vor allem deshalb, weil es deutlich mehr Menschen als in den vergangenen Jahren gelingt, Europa zu erreichen. In diesem Semester beleuchten Podiumsdiskussionen, wissenschaftliche Vorträge und ein Film unterschiedliche Aspekte von Flucht und Migration aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Fluchtursachen werden genauso thematisiert wie die rechtliche Situation von Geflüchteten in Europa, die Konstitution von Grenzen oder das Mittelmeer als Ort und Gegenstand europäischer Migrationspolitik.

Zwei Veranstaltungen in der Reihe beschäftigen sich mit dem Zusammenhang von sozial-ökologischen Krisen und Migration:

24. November 2015, 18.15 Uhr, Hauptgebäude Raum 243
Landraub. Dokumentarfilm von Kurt Langbein, Österreich 2015
Mit einer Einführung von Thore Prien, Europa-Universität Flensburg

2. Februar 2016, 18.15 Uhr, Erweiterungsbau Raum 063
Klimamigration in der globalen Umweltgeschichte
Franz Mauelshagen, Institute for Advanced Sustainability Studies, Potsdam

Zum vollständigen Programm

Koordiniert und organsiert wurden die Veranstaltungen in diesem Semester vom Norbert Elias Center, der Abteilung Geographie und dem Philosophischen Seminar.

Das Interdisziplinäre Kolloquium ist eine in jedem Semester stattfindende Vortragsreihe. Für das Sommersemester 2016 sind Veranstaltungen zum Thema Flucht und Ankunft geplant.

Die Veranstaltungen sind für alle Interessierten offen, eine Anmeldung ist nicht erfor­derlich, der Eintritt ist frei.

Symposium Licht / Macht / Zeit und Raum

30. Oktober 2015

Wirkungsweisen künstlicher Beleuchtung auf Individuum und Gesellschaft, Natur und Umwelt

Die Geschichte der Moderne ist eine Geschichte über Licht. Gesellschaftliche Entwicklung und wirtschaftliches Wachstums in den früh-industrialisierten Ländern sind ohne künstliche Beleuchtung kaum denkbar. Das Symposium Licht / Macht / Zeit und Raum widmet sich dieser Geschichte der Moderne auf unterschiedlichen Ebenen und aus verschiedenen disziplinären Perspektiven. 

Die Nutzung von künstlichem Licht ist ein Phänomen, das die Ambivalenzen der Moderne auf besondere Weise zeigt: Einerseits ermöglicht der Einsatz von künstlichem Licht eine enorme Ausweitung sozialer, kultureller und ökonomischer Handlungsspielräume, andererseits trägt genau dies dazu bei, sozial-ökologische Krisen zu verstärken.

In den Industrieländern haben sich die Menschen des 21. Jahrhunderts an ein Leben gewöhnt, in dem nahezu alles zu jeder Zeit möglich ist. Man kann rund um die Uhr arbeiten, sich vergnügen oder konsumieren. Ohne künstliche Beleuchtung wäre dies undenkbar. Künstliches Licht schafft in räumlicher und zeitlicher Hinsicht enorme Handlungsspielräume. Und an Licht sind mannigfaltige positive Assoziationen geknüpft: Erlösung und Aufklärung beispielsweise sind sprachlich gleichermaßen mit Licht verbunden. Zugleich sorgt die rasante Zunahme künstlichen Lichts für zahlreiche soziale, ökologische und auch gesundheitliche Probleme. Denn der menschliche Organismus ist, wie viele Tiere und Pflanzen, mithin ganze Ökosysteme, angewiesen auf den Wechsel zwischen Helligkeit und Dunkelheit. Die Dunkelheit jedoch verschwindet zunehmend. 

Das Symposium auf Stift Melk beschäftigt sich am 13. November 2015 mit der Wahrnehmung von Licht, seinen vielfältigen Wirkungsweisen und Bedeutungen für Körper und Gesellschaft sowie Natur und Umwelt. Die Veranstaltung bringt wissenschaftliche und künstlerische Sichtweisen miteinander in Verbindung. Expertinnen und Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz werden ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Umgang mit Licht in Kunst, Forschung und Politik zusammentragen und kritisch diskutieren. Beteiligt sind u.a. Charlotte Remé, Anna Wirz-Justice, Dietrich Henckel, Jolanthe Kugler, Stephan Gregory, Ute Hasenöhrl, Rainer Schönhammer, Jakob Deibl, Gorazd Živkovič und Carl Aigner.

Anlass für das Symposium gibt das Projekt Langsames Licht / Slow Light: Die Künstlerin Siegrun Appelt setzt sich seit mehreren Jahren mit Erkenntnissen aus Forschung und Gestaltung auseinander, um daraus praxisorientierte Beleuchtungsstrategien zu entwickeln. Nach den Kriterien von Langsames Licht / Slow Light wurde im Lichtprojekt Wachau an mehreren Standorten in der Region die Beleuchtung im öffentlichen Raum neu gestaltet und ein bewussterer Umgang mit Licht forciert.

Das Symposium wurde konzipiert von Siegrun Appelt und Dr. Michaela Christ und findet anlässlich des "Internationalen Jahr des Lichts" statt. Es ist ein Projekt von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich in Kooperation mit Langsames Licht / Slow Light und dem Norbert Elias Center for Transformation Design & Research der Europa-Universität Flensburg und wird von der Wachau Dunkelsteinerwald Regionalentwicklung und vom Stift Melk unterstützt.  

Das Programm können Sie hier einsehen.

Um Anmeldung bis 31.10.2015 unter martina.bochusch@noel.gv.at wird gebeten.

Von der Nische in den Mainstream: Abschlussbericht veröffentlicht

28. Oktober 2015

Ergebnisse der Konzeptstudie

Von der Website des Umweltbundesamt kann seit Kurzem der Abschlussbericht der Konzeptstudie "Von der Nische in den Mainstream. Wie gute Beispiele nachhaltigen Handelns in einem breiten gesellschaftlichen Kontext verankert werden können" abgerufen werden. Das vom Umweltbundesamt geförderte Forschungsprojekt des NEC beschäftigte sich mit den Fragen, wodurch gute Beispiele nachhaltigen Handelns gekennzeichnet sind und wie sie sich gesellschaftlich verallgemeinern lassen.

Innerhalb der Projektlaufzeit von Juni 2013 bis Juli 2014 entwickelte das Forschungsteam bestehend aus Prof. Dr. Harald Welzer, Dr. Bernd Sommer, Jasmin Wiefek, Josefa Kny und Max Schmies zunächst literaturbasiert eine Arbeitsdefinition sowie Charakteristika "nachhaltigen Handelns". Parallel wurden Best-Practice-Beispielen aus der Datenbank von FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit ausgewertet, welche Nachhaltigkeitsprojekte und -initiativen porträtiert, die bereits heute zukunftsfähiges Wirtschaften, Produzieren, Kommunizieren und Leben vorführen. Durch die qualitativ-induktive Auswertung von rund 160 Fällen konnte so eine empiriegestützte Heuristik nachhaltigen Handelns entstehen.

Um die zweite zentrale Frage, wie Nischenaktivitäten in den gesellschaftlichen Mainstream gelangen können, zu beleuchten, sind zum einen literaturbasiert die Diffusionspfade von Fallbeispielen nachhaltigen Handelns rekonstruiert worden, die bereits im Mainstream angelangt sind bzw. sich ― qua ihrer Zuwachsraten ― inmitten eines Mainstreaming-Prozesses befinden. Gemeinsamkeiten und Unterschiede bzgl. der Faktoren, Dynamiken und Schemata ihrer Verbreitung wurden identifiziert. Zum anderen wurden 26 Experteninterviews mit sogenannten "Nachhaltigkeitspionieren", Vertreterinnen und Vertreter von Initiativen und Projekten, geführt. Faktoren erfolgreicher Diffusion, gesellschaftliche und individuelle Barrieren, die ein Mainstreaming "guter Beispiele" nachhaltigen Handelns verhindern, sowie die Möglichkeiten ihrer Überwindung standen hierbei im Zentrum.

Auf Basis der Bearbeitung dieser Forschungsfragen wurden abschließend zukünftige Forschungsbedarfe identifiziert und politische Handlungsempfehlungen formuliert.

Der komplette Bericht mit der Kennung TEXTE 86/2015 findet sich unter: www.umweltbundesamt.de/publikationen/von-der-nische-in-den-mainstream

Neuerscheinung: Klima und Kultur in Nordamerika

Quelle: brill.com

11. August 2015

Herausgegeben von Bernd Sommer

Das Verhältnis zwischen Klimawandel und den nordamerikanischen Gesellschaften ist vielfältig: Während die USA und Kanada zu den größten pro-Kopf-Emittenten an Treibhausgasen gehören, sind im arktischen Norden sowie im Süden des Kontinents die ökologischen und gesellschaftlichen Folgen eines sich wandelnden Klimas bereits beobachtbar. Und obgleich beide Staaten sich gegenwärtig einem internationalen Klimaschutzvertrag verweigern, finden sich auf lokaler und regionaler Ebene ambitionierte Klimaschutzinitiativen und starke Protestbewegungen. In dem Band "Cultural Dynamics of Climate Change and the Environment in Northern America" richten Autorinnen und Autoren verschiedener Disziplinen – darunter Cultural Studies, Geschichte, Kulturanthropologie, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Soziologie – ihren Blick auf die kulturellen Dimensionen des Klimawandels auf dem nordamerikanischen Kontinent. Der Band, der vom Leiter des Bereichs "Klima, Kultur und Nachhaltigkeit", Bernd Sommer, herausgegebenen wurde, ist der dritte Band in der Reihe "Climate and Culture", die im Brill-Verlag erscheint und vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) verantwortet wird. Vom NEC haben Martin David mit einem Beitrag zu Anti-Pipeline-Protesten in Vancouver, British Columbia, sowie Karin Schürmann mit einer Studie zu klimafreundlichen Alltagspraktiken im Nordwesten der USA zur Veröffentlichung beigetragen. Weitere Autorinnen und Autoren des Bandes sind unter anderem Maxwell T. Boykoff, Michael K. Goodman, Angela G. Mertig, Eleonora Rohland, Kenneth M. Sylvester, Anne Marie Todd, Richard Tucker und Sam White.

Abgeordnete befragen NEC zu Projekt GIVUN

3. Juli 2015 

Informationsgespräch zu sozial-ökologischem Wirtschaften

Wie könnte die gegenwärtige Wirtschaft sozial und ökologisch umgebaut werden? Diese Frage stellten am 3. Juli Rasmus Andresen, stellvertretender Vorsitzender der Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag, und Ellen Kittel-Wegner, Fraktionsvorsitzende der Flensburger Ratsversammlung, dem Norbert Elias Center for Transformation Design & Research (NEC). Sie informierten sich über das jüngst gestartete Forschungsprojekt "Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien" (GIVUN). "Angesichts von massiven Klimaproblemen und weltweit zunehmender Armut, ist es wichtig, die Grundlage für wirtschaftliche Alternativen zu legen", begründete Rasmus Andresen das Interesse an dem Projekt, das vom Bundesministerium für Forschung und Wissenschaft gefördert wird. Andresen und Kittel-Wegner zeigten sich beeindruckt von den Alternativen zum bisherigen unternehmerischen Handeln, in dem Gewinnstreben und Verpflichtungen gegenüber den Anteilseignern dominieren. "Gemeinwohl hat nicht nur Profitinteressen im Auge, sondern denkt wirtschaftlichen Erfolg ökologisch und sozial nachhaltig. Das Projekt an der Universität Flensburg legt Grundlagen und ist wissenschaftlicher Vorreiter", bilanzierten sie.

Neuerscheinung: Autonomie. Eine Verteidigung.

Quelle: fischerverlage.de

11. Mai 2015

Neues Buch von Harald Welzer und Michael Pauen

Autonomie ist eine zentrale Persönlichkeitseigenschaft, die sowohl den Status einer Person als auch die Mitgliedschaft in einer sozialen Gruppe bestimmt. Im Zuge von Digitalisierung und umfassender Überwachung verliert sich jedoch zunehmend ihre Eigenständigkeit: Die Selbstbestimmung gerät unter Anpassungsdruck, die Privatsphäre wird stärker einsehbar und damit weniger frei gestaltbar, die Auseinandersetzung mit komplexen Systemen weicht ihrer resignierenden Hinnahme. Die Grundlagen autonomen Denkens und Handelns sowie die sozialen Muster, die beides befördern und erschweren, erläutern Harald Welzer und Michael Pauen in ihrem jüngst im S. Fischer Verlag erschienen Werk. Mit den gegenwärtigen Entwicklungen, die Selbstbestimmtheit untergraben, setzen sie sich kritisch auseinander und zeigen Gegenstrategien im Geiste der Autonomiebewahrung auf.

Die Idee für das Buch und seine wissenschaftlichen Grundlagen sind hervorgegangen aus dem gemeinsamen interdisziplinären Forschungsprojekt "Autonomie: Handlungsspielräume des Selbst" (Laufzeit: 2009-2013) des Instituts für Philosophie / Berlin School of Mind and Brain, Humboldt Universität Berlin, des Instituts für Psychologie, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg sowie des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI). Mithilfe verschiedener theoretischer und empirischer Zugänge wurde Autonomie als eine der Grundannahmen gesellschaftlichen Funktionierens dort erstmalig sowohl begrifflich als auch neuro- und sozialwissenschaftlich untersucht.

Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien

11. März 2015

Neues Forschungsprojekt am NEC

Anfang März ist am Norbert Elias Center für Transformation Design & Research (NEC) das Forschungsvorhaben "Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien (GIVUN)" gestartet. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt hat eine dreijährige Laufzeit und untersucht, welche sozialen und ökologischen Effekte es mit sich bringt, wenn Wirtschaftsakteure ihr Handeln stärker am Gemeinwohl orientieren.

"Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl." – so steht es in der Bayerischen Verfassung. Die Realität zeigt vielerorts ein anderes Bild: Profitstreben und Verpflichtungen gegenüber den Anteilseignern dominieren unternehmerisches Handeln; Mitarbeitende, Zulieferbetriebe, Klima und Umwelt stehen häufig hintenan. Die zivilgesellschaftliche Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) setzt sich für eine Alternative ein: Sie hat ein auf demokratischen Grundwerten fußendes Wirtschaftsmodell entwickelt, welches den größtmöglichen Beitrag zum Gemeinwohl zum Zweck des Wirtschaftens erhebt. Monetärer Gewinn wird zum reinen Mittel herabstuft.

Das Forschungsvorhaben GIVUN untersucht das Potenzial des Wirtschaftsmodells der GWÖ für eine sozial-ökologische Transformation. Das Projekt wird von Prof. Dr. Harald Welzer und Dr. Bernd Sommer in Kooperation mit Prof. Dr. Ludger Heidbrink, Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, geleitet. Während in Kiel ein systematischer Vergleich der GWÖ mit historischen und gegenwärtigen Gemeinwohl- und Nachhaltigkeitsstrategien erarbeitet wird, verantwortet das NEC den empirischen Teil der Forschung: Praxispartner wie der Outdoor-Ausstatter Vaude, die Druckerei Oktoberdruck und der Anbieter für Öko-Tiefkühlkost Ökofrost gewähren dafür Einblicke in ihre Gemeinwohl-Anstrengungen. Gemeinsam mit Großunternehmen wie Deutsche Post, dm-drogerie markt und OTTO Group erarbeitet das Forschungsteam Zukunftsprojektionen zu den Möglich- und Machbarkeiten einer verstärkten Gemeinwohlorientierung.

Harald Welzer in 2015 kooptiertes Mitglied des Nachhaltigkeitsrats

Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

6. Januar 2015

Veranstaltungsreihe "Die nachhaltige Republik" geplant

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit und soll mit Beiträgen und Projekten dazu beitragen, Nachhaltigkeit als ein wichtiges öffentliches Anliegen zu verankern. Der RNE hat NEC-Direktor Harald Welzer für die Mitarbeit im Rat im Jahr 2015 kooptiert. Neben seiner Mitarbeit im Rat sind mit ihm auch zwei neue Veranstaltungsreihen vorgesehen.

Harald Welzer wird als Mitglied des Nachaltigkeitsrates zu Gesprächen über Zukunft, Zukunftsfähigkeit, Transformation und Nachhaltigkeit einladen. Das Format selbst soll Nachhaltigkeit reflektieren und neues Denken ausprobieren oder einüben. Unter dem Motto "Die nachhaltige Republik" soll es um die sozialen, gesellschaftlichen Bedingungen und kulturellen Leistungen zu großen Transformationen gehen. Die Leitfrage "Welche Zukunft lässt uns die Gegenwart verstehen?" dreht die herrschende Meinung um, der zu Folge Entwicklung stets Ergebnis vergangener Prozesse ist und das Neue anhand des Alten interpretiert wir.

Marlehn Thieme, die Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrats, sagte: "Ich danke Harald Welzer für seine Bereitschaft zur Mitwirkung und freue mich auf die gemeinsamen Diskussionen. Seine Mitwirkung wird Fragen im Nachhaltigkeitsdiskurs neu stellen. Davon erhoffe ich mir wichtige kulturelle Impulse für die Weiterentwicklung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie und die RNE-Dialogstrategie."

2014

Neuerscheinung: Transformationsdesign

Quelle: oekom

23. Oktober 2014

Erster Band der Buchreihe "Transformationen"

Am 29. September erschien von Bernd Sommer und Harald Welzer im Münchener oekom Verlag Transformationsdesign. Wege in eine zukunftsfähige Gesellschaft. Die Monograpie beabsichtigt, stärker gesellschaftstheoretische und historische Perspektiven in der aktuellen Nachhaltigkeits- und Transformationsdebatte einzubringen und beinhaltet damit programmatische Züge für die Arbeit des NEC insgesamt.

Angesichts sich dramatisch verändernder Umweltbedingungen - so die These des Buches - ist eine Transformation des jetzt dominanten Wirtschafts-, Gesellschafts- und Kulturmodells unausweichlich. Die Frage ist, ob diese Transformation eher von Menschen auf Basis von zivilisatorischen Errungenschaften wie Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, sozialer Gleichheit und Solidarität gestaltet werden kann, oder ob sie stärker von den Verhältnissen erzwungen wird; zugespitzt: ob die Transformation "by design or by disaster" erfolgt. Transformationsdesign versteht sich als Suchbewegung in Richtung einer reduktiven Moderne und stellt die Frage, wie die in der kapitalistischen Moderne erreichten zivilisatorischen Standards aufrechterhalten und zugleich die Zerstörung des Naturraums drastisch zurückgefahren werden kann. Da für die Veränderung der gesellschaftlichen Praxis unter dem Leitbild der Zukunftsfähigkeit sehr viele unterschiedliche Transformationen erforderlich sind (und nicht nur eine Transformation im Singular), kommen im Buch immer wieder auch Akteurinnen und Akteure zu Wort, die sich in ihren jeweiligen Bereichen auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit einer "transformation by design" beschäftigen. Dazu zählen unter anderem Muck Petzet, Generalkommissar des deutschen Beitrags "Reduce, Reuse, Recycle" auf der Architekturbiennale 2012 in Venedig, der Begründer der Transition Town-Bewegung Rob Hopkins, der Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie Uwe Schneidewind oder der Urheber der Gemeinwohl-Ökonomie Christian Felber.

Transformationsdesign bildet den Auftakt einer Buchreihe mit dem Titel "Transformationen", in denen in den kommenden Jahren unter anderem die Arbeiten der Doktorandinnen und Doktoranden am NEC veröffentlicht werden, die sich ebenfalls mit gesellschaftlichen Veränderungsprozessen im Kontext von Klimawandel und Nachhaltigkeit beschäftigen.

Neuerscheinung: Soziologie und Nationalsozialismus. Positionen, Debatten, Perspektiven.

Quelle: Suhrkamp

24. September 2014

Herausgegeben von Michaela Christ und Maja Suderland

Das Verhältnis der deutschen Soziologie zum Nationalsozialismus ist merkwürdig: Zwar begann die Auseinandersetzung von deutschsprachigen Soziologinnen und Soziologen mit dem "Dritten Reich" schon Mitte der 1930er Jahre und dauert bis heute an. Gleichwohl und trotz der Bedeutung, die der Nationalsozialismus für alle gesellschaftlichen Bereiche der Bundesrepublik hatte (und zum Teil noch immer hat), ist der Nationalsozialismus in der "Wissenschaft von der Gesellschaft" ein randständiges Thema geblieben.

Was sind die Ursachen für dieses Nischendasein? Welche Rolle spielen inhaltliche und personelle Kontinuitäten? In welchen Bereichen des Fachs fand überhaupt eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus statt? Inwiefern lenk(t)en bestimmte Paradigmen, Methoden und Forschungsprogramme den Blick weg von Gewalt, Massenverbrechen und autoritärem Regime? Und schließlich: Was wäre gewonnen, wenn sich die Soziologie intensiver mit Holocaust und NS beschäftigte?

Der von Michaela Christ und Maja Suderland herausgegebene Band "Soziologie und Nationalsozialismus. Positionen, Debatten, Perspektiven" versucht erstmalig Antworten auf diese Fragen zu finden. Das Buch enthält Beiträge von Michael Becker, Henning Borggräfe, Michaela Christ, Helmut Dahmer, Christian Gudehus, Peter Imbusch, Kobi Kabalek, Carsten Klingemann, Beate Krais, Nina Leonhard, Elissa Mailänder, Ludger Pries, Karl-Siegbert Rehberg, Christoph Reinprecht, Gerhard Schäfer, Sonja Schnitzler, Hans-Georg Soeffner, Erhard Stölting und Maja Suderland.

Am Donnerstag den 9. Oktober 2014 um 19:30 Uhr wird im Kontext des diesjährigen DGS-Kongresses eine Podiumsdiskussion zum Thema in der Universitätsbuchhandlung Stephanus in Trier stattfinden. Moderiert von Silke van Dyk (Kassel) diskutieren Michaela Christ (Flensburg), Peter Imbusch (Wuppertal), Beate Krais (Berlin), Karl-Siegbert Rehberg (Dresden), Sonja Schnitzler (Essen) und Maja Suderland (Darmstadt).

Degrowth-Konferenz Leipzig 2014

Quelle: Degrowth Organisationskreis

24. Juli 2014

Das Norbert Elias Center unterstützt die Degrowth-Konferenz und trägt zum Programm bei

Die vierte Internationale Degrowth-Konferenz für ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit findet vom 2. bis 6. September 2014 an der Universität Leipzig statt. Auf der Konferenz sollen konkrete Schritte für eine Gesellschaft jenseits von Wachstumszwängen entwickelt werden. Referent_innen aus Praxis, sozialen Bewegungen, Wissenschaft und Kunst stellen ihre Projekte, Politikvorschläge und Forschungsergebnisse zum Thema Degrowth vor. Im Deutschen gibt es für "Degrowth" unterschiedliche Übersetzungen mit verschiedenen Bedeutungen: beispielsweise "Postwachstum", "Schrumpfung", "Wachstumswende" oder "Entwachstum". Gemeinsam ist den jeweiligen Konzepten, dass sie davon ausgehen, dass eine auf Wachstum basierende Gesellschaft keine Zukunft hat. Daher werden unter dem Namen "Degrowth", Formen von Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert, die unabhängig vom Wirtschaftswachstum ein "gutes Leben für alle" ermöglichen.

Die kanadische Journalistin Naomi Klein und der Vater der ecuadorianischen Verfassung Alberto Acosta werden die Konferenz am 2. September eröffnen. Neben klassischen Vorträgen und Podiumsdiskussionen wird es praktische Workshops, Exkursionen, Konzerte und künstlerische Beiträge geben. Das Programm beinhaltet über 400 Veranstaltungen, u.a. mit Ulrich Brand, Silke Helfrich, Sunita Narain, Niko Paech, Uwe Schneidewind und  Harald Welzer. Die Anmeldung schließt am 11. August, oder wenn die Zahl von 2500 Teilnehmer_innen erreicht wurde. Das Norbert Elias Center unterstützt die Konferenz und trägt an verschiedenen Stellen zum Programm bei.

Ökonomie und Nachhaltigkeit

Foto: Benson Kua / Flickr (CC BY-SA 2.0)

24. April 2014

Gemeinsame Vortragsreihe mit dem Dr. Werner Jackstädt-Zentrum für Unternehmertum und Mittelstand

Das Verhältnis von Ökonomie und Nachhaltigkeit wird in der Öffentlichkeit und Wissenschaft kontrovers diskutiert. So haben Umwelt-NGOs und Wissenschaftler/innen Wirtschaftswachstum als zentralen Treiber der Treibhausgasemissionen sowie des Naturverbrauchs ausgemacht und fordern eine Abkehr vom "Wachstumsparadigma". Die aktuelle Debatte über die Kosten der Energiewende und ihre Auswirkungen auf den "Wirtschaftsstandort Deutschland" zeigt, dass der Schutz der natürlichen Umwelt häufig im Zielkonflikt zu ökonomischen Interessen steht – oder zumindest als solcher politisiert wird. Auf der anderen Seite hat eine wachsende Anzahl von Unternehmen in den vergangenen Jahren sogenannte Corporate Social Responsibility-Abteilungen eingerichtet, die das Ziel der Nachhaltigkeit verfolgen. Das Dr. Werner Jackstädt-Zentrum und das NEC beabsichtigen, im Rahmen von drei gemeinsam organisierten Vorträgen, einige Schlaglichter auf das Spannungsfeld von Ökonomie und Nachhaltigkeit zu werfen. Montag, den 28. April 2014, 18 Uhr, spricht Dr. Fred Luks, Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit der Wirtschaftsuniversität Wien zu dem Thema "Ökopopulismus? Zur Kritik der unkritischen Wachstumskritik". Weitere Termine sind:

    • Montag, 26. Mai 2014, 18 Uhr: Nachhaltige Unternehmensverantwortung zwischen lokalen und globalen Herausforderungen: Die Rolle des "Headquartering Effects", Dr. Ralf Barkemeyer, Lecturer am Sustainability Research Institute der Universität Leeds
    • Montag, 7. Juli 2014, 18 Uhr: Wohlstand oder Wachstum?, Dr. Hanns Thomas Rauert, Autor & Unternehmensberater

Wie Nachhaltigkeit mainstream wird

Foto: NEC

10. April 2014

Bilanztagung des SPREAD-Projektes in Berlin

Auf dem Abschlussworkshop des Projekts "SPREAD – Szenarien der Ausbreitung von veränderten Handlungs- und Einstellungsmustern", am 26.03.2014 im Projektzentrum der Mercator Stiftung Berlin, stand die Frage im Mittelpunkt, wie Nachhaltigkeit mainstream wird. Im dreijährigen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt untersuchte ein interdisziplinäres Team unter der Leitung von Harald Welzer und Andreas Ernst (Center for Environmental Systems Research, Universität Kassel) die Ausbreitung sozio-technischer Innovationen am Beispiel von Bürger-Energieprojekten wie den Elektrizitätswerken Schönau. Mittels qualitativer Befragungen im Umfeld der Beispielprojekte gewann SPREAD detaillierte Erkenntnisse über die Erfolgsfaktoren von Nachhaltigkeitsinnovationen und die Dynamik des Zusammenwirkens von Akteuren zu Beginn und im weiteren Verlauf des Diffusionsgeschehens. Durch die Anwendung von agentenbasierten Modellierungsverfahren ermöglichte der zweite Projektteil eine systematische längsschnittliche Untersuchung des Diffusionsverlauf und der Rollen von Akteuren in verschiedenen sozialen Milieus. Diese innovative Methode erlaubte auch die Simulation von Szenarien einer weiteren Verbreitung in den Mainstream und soll über das Projekt hinaus weiterentwickelt werden. Kommentare von Experten aus der Transformations- und Nachhaltigkeitsforschung, u.a. Prof. Dr. Reinhard Loske (Universität Witten-Herdecke) und Prof. Dr. Wander Jager (Rijksuniversiteit Groningen) stellten die Bedeutung des Projekts auf der Schnittstelle von qualitativer Sozialforschung, Psychologie und quantitativer Informatik heraus. Die Ergebnisse von SPREAD werden im Rahmen eines Anschlussprojektes von Professor Andreas Ernst in den nächsten Monaten weiter aufbereitet und veröffentlicht.

Call for Papers: Metamorphosen der ökologischen Krise

Quelle: Nature 461, 472-475 (24 September 2009)

14. Februar 2014

Veranstaltung der Sektion Umweltsoziologie zum 37. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)

Anstelle von lokalen und direkt erfahrbaren Formen der Umweltverschmutzung, die auch vor Ort bekämpft werden können (z.B. die Verunreinigung von Flüssen und Seen), rücken ökologische Problemstellungen ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit, die eine globale Dimension aufweisen und in vielen Aspekten nur noch indirekt – vermittelt durch wissenschaftliche Studien und die Berichterstattung in den Massenmedien – erfahrbar werden. Dies gilt zum Beispiel für den voranschreitenden Klimawandel und die Versauerung der Meere durch die Emission von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid wie auch für den Verlust an Biodiversität durch die Umgestaltung natürlicher Landschaften. Die gemeinsame Sektionsveranstaltung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie (NGU) und der DGS-Sektion Umweltsoziologie nimmt die Veränderungen in der gesellschaftlichen Beschreibung von ökologischen Krisen und ihren Verursachungszusammenhängen in den Blick. Dabei stehen nicht nur historische, regionale sowie diskursspezifische Unterschiede in der Problemdarstellung im Fokus der Betrachtungen, sondern auch der Wandel damit einhergehender Bearbeitungsformen und Konfliktlinien. Der 37. Kongress der DGS mit dem thematischen Schwerpunkt "Routinen der Krise - Krise der Routinen" findet vom 6.-10. Oktober 2014 in Trier statt.

Neuerscheinung: Regionalisierung als Abkehr vom Fortschrittsdenken?

Quelle: Metropolis

10. Januar 2014

Ausgezeichnet mit dem Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie 2012

Dass Krisen zum Kapitalismus dazugehören, ja dass sie notwendig sind, um immer wieder neue Anpassungen des Systems zu ermöglichen, ist mittlerweile zur Binsenweisheit ökonomischer und sozialwissenschaftlicher Theorie geworden. Aber gilt dies auch für die ökologische Krise, die sich unabhängig der medialen Aufmerksamkeitsschwankungen Jahr für Jahr bedrohlicher ausnimmt? Mit Klimawandel und Ressourcenverknappung stehen zusehends Probleme ins Haus, die grundsätzliche Fragen in Bezug auf das wirtschaftliche und kulturelle Modell westlicher Konsumgesellschaften aufwerfen.

Gerolf Hanke, Doktorand am NEC, diskutiert in "Regionalisierung als Abkehr vom Fortschrittsdenken? Zur Unvereinbarkeit von starker Nachhaltigkeit und klassischer Modernisierung" die Orientierung auf eine stärker regional ausgerichtete Wirtschafts- und Lebensform. Als deren Bausteine skizziert er Ernährungssouveränität, Energieautonomie, Währungsautonomie und die Selbstverwaltung von Allmendegütern. Er zeigt dabei auf, dass der Umbau zu einer Regionalökonomie weniger mit technischen als mit sozialen Innovationen einhergeht. Für seine an der Universität Freiburg geschriebene Magisterarbeit, die nun als Buch vorliegt, erhielt Gerolf Hanke im Jahr 2012 den Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie.

2013

Junges Otzenhausener Kolloquium: Wege aus der Wachstumswirtschaft

Quelle: Steffen et al. 2004

6. November 2013

Einladung an Masterstudierende und Doktorandinnen und Doktoranden aller Disziplinen

Unendliches Wachstum ist in einer endlichen Welt nicht möglich. Trotzdem setzen moderne Gesellschaften zur Entwicklung, Sicherung und Erweiterung ihres Wohlstands ausschließlich auf wirtschaftliches Wachstum, um den Preis von Ressourcenübernutzungen und von ständig steigenden Emissionsmengen, die die Überlebensbedingungen der Menschen mittelfristig zerstören. Zwar existieren zahlreiche Analysen zur Zukunftsuntauglichkeit von Wachstumsökonomien, aber kaum Untersuchungen darüber, wie eine Postwachstumsgesellschaft aussehen könnte und wie sie zu erreichen wäre. Auf dem Jungen Otzenhausener Kolloquium stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, u.a. Friedrich von Borries, Niko Paech, Uwe Schneidewind und Harald Welzer, aus verschiedenen Disziplinen Alternativen zur Wachstumswirtschaft zur Diskussion und versuchen, in gemeinsamen Workshops mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs, Denk- und Möglichkeitsräume für eine Postwachstumsökonomie und Wege zur Nachhaltigkeit zu öffnen. Für die Teilnahme am Kolloquium trägt die Stiftung Forum für Verantwortung alle Reise-, Unterbringungs- und Verpflegungskosten. Voraussetzung für eine Bewerbung um die Teilnahme ist die Einsendung einer Begründung, weshalb die Bewerberin/der Bewerber am Kolloquium teilnehmen möchte (maximal 1000 Zeichen) sowie eines Lebenslaufs. Das vorläufige Programm des Kolloquiums ist hier abrufbar.

"Die ökologische Gesellschaft und ihre Feinde"

Foto: NEC

30. September 2013

10. Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie (NGU) an der Universität Flensburg

Auf der 10. Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie (NGU) diskutierten junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am 26. und 27. September an der Universität Flensburg über die "Ökologische Gesellschaft und ihre Feinde". Ihr Ausgangspunkt: Beim Umwelt- und Klimaschutz ist das Verhältnis zwischen Freiheit und Zwang Gegenstand virulenter Debatten. Maßnahmen des Klima- und Umweltschutzes werden schnell als "obrigkeitsstaatlich" und "bevormundend" bezeichnet. Gleichzeitig schreiten trotz vier Jahrzehnte Nachhaltigkeitskommunikation und Umweltschutz Klimawandel und Biodiversitätsverlust weiter voran. In Flensburg präsentierten zwei Tage 20 NachwuchswissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland Forschungsarbeiten, bei denen das Verhältnis von Ökologie und Gesellschaft im Mittelpunkt steht. Der Tagungstitel bezog sich dabei auf Karl Poppers Klassiker "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" aus dem Jahr 1945. Co-Organisator Bernd Sommer vom Norbert Elias Center (NEC) stellte in seiner Einführung heraus, dass der Begriff der Feinde als Metapher für gesellschaftliche Barrieren, Pfadabhängigkeiten und Mechanismen stehe, welche die Bemühungen zu mehr Nachhaltigkeit unterminieren. Matthias Gross von der Universität Jena zeigte in seinem Keynote-Vortrag auf, dass der Weg zu mehr Nachhaltigkeit durch hohe Unsicherheit gekennzeichnet sei und daher nur über Experimente beschritten werden könne. Die Produktdesignerin Andrea M. Hoke von der Universität für angewandte Kunst Wien beschrieb die Vermarktungsfähigkeit einer Ökoästhetik, die den Verbrauchern trotz ökologischer Großkrisen den Warenkonsum als akzeptabel erscheinen lasse. Florian Lottermoser von der Universität Hamburg beschrieb schließlich auf der Basis eines von ihm entwickelten Mikropfad-Ansatzes die Gegenkräfte zur ökologischen Entwicklung am Beispiel des nachhaltigen Konsums. Das vollständige Programm ist hier einsehbar. Der Call for Paper zur Tagung kann unter diesem Link abgerufen werden. Die Durchführung der Tagung wurde durch die finanzielle Unterstützung der Universität Flensburg und der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) ermöglicht. Die nächste Tagung der NGU wird im November 2014 an der Universität Stuttgart stattfinden.

Neuerscheinung: Wege aus der Wachstumsgesellschaft

Quelle: Fischer Verlage

16. Mai 2013

Herausgegeben von Harald Welzer und Klaus Wiegandt

Es ist inzwischen mehr als vier Jahrzehnte her, dass die vielzitierte Studie "Limits to Growth" von Dennis Meadows und einer Reihe weiterer Autorinnen und Autoren erschienen ist. In einer Zeit hoher Wachstumsraten und Gewinn- und Lohnsteigerungen in den westlichen Gesellschaften wagten die Verfasser der Studie die Mitteilung, dass ein endlicher Planet nicht unendlich Material für die Produktion von Gütern und Senken für die anfallenden Emissionen bereithalten kann. Obgleich angesichts von Problemen wie Klimawandel, den dramatischen Biodiversitätsverlust sowie der Erschöpfung endlicher Ressourcen dieser Befund nicht an Aktualität eingebüßt hat, sind in den vergangenen 40 Jahren, abgesehen von wenigen Ausnahmen, kaum intellektuelle und forscherische Anstrengungen in die Frage investiert worden, was denn eigentlich nach dem Wachstum kommen soll. Deshalb existieren zwar gute Analysen zur Zukunftsuntauglichkeit von Wachstumsökonomien, aber kaum Untersuchungen darüber, wie eine Postwachstumsgesellschaft aussehen könnte und wie sie zu erreichen wäre. In dem Buch "Wege aus der Wachstumsgesellschaft", das von dem Direktor des NEC Harald Welzer sowie dem Vorstand der Stiftung "Forum für Verantwortung" Klaus Wiegandt herausgegeben wurde, gehen die Autoren einen Schritt weiter. Bernd Sommer zeigt auf, wieso es dringend angezeigt ist, über Alternativen zum Wachstumsparadigma (auch zum "grünen Wachstum") nachzudenken, Hans Diefenbacher skizziert Umbauperspektiven für die Arbeitswelt und Wolfgang Ulrich ventiliert das Potenzial der Konsumgesellschaft, sich mittels ihrer Produkte selbst aufzuklären. Im Band finden sich weitere Beiträge von Niko Paech, Reinhard Loske, Uwe Schneidwind und anderen.

Neuerscheinung: Gewalt - Ein interdisziplinäres Handbuch

Quelle: Metzler

22. April 2013

Herausgegeben von Christian Gudehus und Michaela Christ

Das Phänomen "Gewalt", seine möglichen Ursachen und Folgen werden in der Öffentlichkeit, den Medien und in den Kulturwissenschaften breit diskutiert. Dabei herrscht Uneinigkeit darüber, wie die verschiedenen Ausprägungen von Gewalt genauer zu bestimmen sind. Das von Christian Gudehus und Michaela Christ herausgegebene Handbuch unternimmt eine Annäherung an das Phänomen und untersucht Gewalt in interdisziplinärer Perspektive (von der Anthropologie bis zu den Sportwissenschaften). Weitere Kapitel gehen den Kontexten nach (u.a. Erziehung, Krieg, Polizei, Sexualität), den Praktiken (z.B. Attentat, Bombardierung, Ohrfeige) und den Merkmalen von Gewalt, aber auch ihren direkten Folgen und den Präventionsmöglichkeiten. Darüber hinaus werden unterschiedliche Repräsentationen von Gewalt und ihre Wirkungsweisen in Literatur, Medien und Kunst untersucht. Das Handbuch enthält einen umfangreichen Anhang mit Bibliographie, Institutionen und Registern.

Tagung: Die ökologische Gesellschaft und ihre Feinde

4. April 2013

10. Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie (NGU) an der Universität Flensburg

Paradoxerweise scheinen sich die ökologischen Probleme zu verschärfen, obgleich sie stetig intensiver bekämpft werden. Welche Rolle spielen hierbei gesellschaftliche Widerstände und Gegenkräfte, die seit jeher Umweltpolitik und Nachhaltigkeitsbestrebungen begleiten? Befunde über das Ausmaß der ökologischen Krise werden im Horizont unternehmerischer Interessen in Frage gestellt, ökologische Anliegen werden gegen ökonomische und soziale Interessen (z.B. Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze) ausgespielt und bisweilen werden politisch-gesellschaftliche Bestrebungen zum Schutz der Umwelt sogar als "ökodiktatorisch" diffamiert. Auf der 10. Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie (NGU) stehen zwei Themenfelder im Mittelpunkt: (1) Die Charakteristika einer ökologisch nachhaltig organisierten Gesellschaft und (2) die gesellschaftlichen Faktoren und Gegenkräfte, die dem Übergang in eine nachhaltige Zukunft entgegenstehen. Pointiert formuliert: Die ökologische Gesellschaft und ihre Feinde.

Die Tagung findet am 26. und 27. September an der Universität Flensburg statt und wird unter anderem von Mitgliedern des NEC organisiert. Die Einreichung von Abstracts (ca. 400 Wörter) für Vorträge oder Posterpräsentationen ist bis 30. Juni 2013 möglich. Der Call for Papers ist hier zu lesen.

Neuerscheinung: Selbst Denken.

Quelle: fischerverlage.de

8. März 2013

Über den Weg in eine wünschenswerte Zukunft

Wie und wann genau ist modernen Gesellschaften eigentlich die Vorstellung von einer besseren Zukunft abhandengekommen? Was ist  noch mal die Frage, auf die Fortschritt und Wachstum eine Antwort sein sollten?
Und: Wie kann aus der Zukunft wieder ein Versprechen werden statt einer Bedrohung? Harald Welzer, Honorarprofessor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg und Direktor des NEC, gibt in seinem neuen Buch "Selbst Denken. Eine Anleitung zum Widerstand" Antworten auf diese Fragen. Besprechungen des Buches finden Sie hier.

Neuerscheinung: Zwei Grad mehr in Deutschland

Quelle: Fischer Verlage

17. Januar 2013

Was bewirkt der Klimawandel in Deutschland? - Das Szenario 2040

Klimaforschung, Klimapolitik und Klimaprotest drehen sich um das Erreichen des "2-Grad-Ziels": das Abbremsen der Erderwärmung bei zwei Grad Celsius über der vorindustriellen Durchschnittstemperatur. Aber zwei Grad global sehen lokal sehr unterschiedlich aus: das können vor Ort vier Grad oder auch nur ein Grad mehr sein, genauso wie die Folgen in einer Region Wasserknappheit und in einer anderen extreme Hochwasser sein können. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und der Soziologe Harald Welzer bieten ein realistisches Bild der Auswirkungen des Klimawandels in deutschen Städten und Landschaften im Jahr 2040. Weitere Informationen.