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Sommer-Uni 2011 »Medien machen Schule 2.0

Das Motto der Sommer-Uni baute auf der Thematik des ›Web 2.0‹ auf. Das ›Web 2.0‹  ist ein Mitmach-Web. Es ist ein partizipatives Web. Es ist das Web der Selbstorganisation. Selbstorganisation, Selbstverantwortung und Selbststeuerung sind auch die Leitideen einer neuen, individualisierten Lernkultur.

Was verspricht diese neue Kultur des Selbst? Welche neuen Möglichkeitsräume eröffnen sich hier? Welche Freiheiten können in diesem neuen Bildungsraum ergriffen und gestaltet werden. Vor welchen Gefahren muss man sich hüten? Ist das, was Selbstorganisation verspricht, vielleicht gar ein leeres Versprechen.

Die jeweils dreitägigen Workshops der Sommer-Uni 2011 gingen diesen Fragen in praktischen Erprobungen und konkreter Reflexion nach. Im tätigen, experimentellen Umgang mit neuen –  aber auch traditionellen – Medientechnologien wurden deren Potenziale erforscht. Wie und wo erlauben sie Selbstorganisation? Was bedeutet dies für Bildung? Wie macht man selbstorganisierte Schule mit dem Web 2.0.? Wie kann und muss man vermittels dieser Techniken Schule gar neu denken?

Die Sommer-Uni richtete sich an Studierende, Lehrkräfte und alle die noch nicht aufgehört haben zu lernen, zu forschen

Vorträge

Das kollaborative Selbst im Web 2.0

Ramón ReichertNeue Medien, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft Universität Wien

Mit der allgemeinen Verbreitung der Sozialen Medien im Web 2.0 sind Selbstpraktiken in kollaborative Ausverhandlungsprozesse und kollektive Bedeutungsproduktionen involviert. Wie kann diese neue Subjektkultur theoretisch, technologisch und praktisch diskursiviert werden?

Der Kompass für Selbststeuerung in der Info-Flut

Jens Junge Ticcon AG Online Marketing Flensburg

Als Unternehmer im Web stürzt eine extreme Info-Flut tagtäglich auf mich ein. Was ist davon zu lesen, was ist relevant? Wie organisiere ich meine Aufmerksamkeit, mein Interesse, bevor ich wie ein Stück Treibholz im Info-Strom mitgerissen werde und bei zahllosen Belanglosigkeiten strande?

Kommunikationsdesign: Digitale Kreativität in der Schulpraxis

Martin SimonsenRealschullehrer Regionalschule Glückstadt

In der Schule erlebe ich, dass das Konsumieren der Medien zunehmend zur Passivität und zum Abbau der Kreativität bei den Schülern führt. Wie kann ich in der Schulpraxis die digitalen Medien nutzen, um das selbsttätige und kreative Arbeiten sowie das ausdauernde Sich-Konzentrieren und das Selbstbewusstsein der Schüler zu fördern?

Selbststeuerung und Unterricht – fünf Anfragen an eine individualisierende Lernkultur

Michael MeierAllgemeine PädagogikUniversität Flensburg

Wenn heute von guten Schulen gesprochen wird, dann sind meistens Schulen gemeint, die von einer individualisierenden Lernkultur gekennzeichnet sind. Diese Lernkultur ist – pointiert gesprochen – vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie sukzessive den Frontalunterricht durch individuelle Formen des Lernens und Arbeitens ersetzt und sie ihren Schülerinnen und Schülern mehr Raum für ihre Interessen und Bedürfnisse einräumt. Doch möglicherweise ist auch diese Lernkultur nicht vor problematischen Effekten gefeit. Am Beispiel von ethnographischen Unterrichtsbeobachtungen werden einzelne Problemlagen herausgearbeitet, die als Anfragen an die pädagogische Praxis gebündelt werden.

Workshops

Animationsfilm rundum

Sandra Schießl & Sören WendtTrickfilmregisseure, Hamburg www.trikk17.com

In dem Workshop werden zunächst die verschiedenen Tricktechniken und Materialien vorgestellt und professionelle Arbeiten vorgeführt. Beim Filme machen ist Teamarbeit selbstverständlich, vor allem, wenn die Zeit sehr knapp ist, und das ist sie immer! Die Teilnehmer werden in Gruppen eigene Animationsfilme herstellen, wobei sie sowohl u.a. Legetrick, Objektanimation und Pixilation kennen lernen, als auch einen Einblick in Filmschnitt und -vertonung erhalten.

blogs und wikis im Unterricht

Alex Tscheulin Pädagoge, Medienberater und -Produzent, Hamburg

www.mindshake.de Weblogs und Wikis haben einen nachhaltigen Stellenwert in der Kommunikation und der Informationszirkulation der Gegenwart eingenommen. Der bloggende »Pantoffel-Journalismus« bedroht die so genannten Leit-Medien, aber vielleicht auch die Qualität der Berichterstattung allgemein. Spätestens mit WikiLeaks wurde allgemein bekannt, dass Wikis mehr sind als die Wikipedia. Aber welche Rolle könnten blogs und wikis im Schulalltag spielen? Blogs und Wikis sind das Mittel der Wahl, um einfach und schnell eigene Gedanken zu dokumentieren, veröffentlichen und gemeinsam mit anderen weiterzuverarbeiten. Schlummert in ihnen ein Potenzial, welches auch für die klassen- und schulinterne Kommunikation genutzt werden kann? Kann eine Schule sich durch sie nach außen öffnen? Sind sie gar für pädagogische Settings interessant? Formiert sich hier ein neuer Bildungsraum? Diese Fragen sollen im Workshop im praktischen Umgang mit Wikis und Blogs nachgegangen werden.

Broadcast yourself

Tanja ZimmerOffener Kanal, Flensburg

YouTube schenkt jedem Menschen, der über einen Internetzugang verfügt, seinen eigenen Fernsehkanal. Was hat ein »Offener Kanal« mehr zu bieten? Wie rankt man sich bei YouTube nach oben? Wie funktioniert die Aufmerksamkeitsökonomie im Gewimmel der Millionen von Kanälen? Was macht einen Beitrag tatsächlich broadcast-würdig? Wie macht man eine gute Dokumentation … z.B. von der Sommer-Uni? Der vom Offenen Kanal Flensburg angebotene Workshop geht diesen Fragen anhand der Dokumentation der gesamten Sommer-Uni nach; nicht zuletzt mit dem Ziel die Sommer-Uni auf Sendung zu bringen.

Creative Gaming

Matthias LöweInterface-Design, FH Potsdam
Christiane SchwingeMedienpädagogik und ästhetische Bildung, Universität Hamburg

Initiative Creative Gaming, 
Frische Medien, Hamburg, www.creative-gaming.eu

Spielen gehört zum Menschen wie Essen und Trinken. Einen Großteil unserer motorischen und kognitiven Fähigkeiten erlernen wir spielerisch. Dazu gehört inzwischen auch das Spielen am und um den Computer. Jenseits stupider Gewaltspiele hat sich eine bunte Szene etabliert, die Computerspielen eher als digitalen Sandkasten, denn als Spiel mit festen Regeln begreift. Creative Gaming ist Ballett tanzen in Ballerspielen, Theater in Onlinewelten und die Kunst, etwas Bestehendes in etwas Eigenes zu verwandeln. Das fördert die Initiative Creative Gaming. Denn ein kritischer Umgang mit Computerspielen ist genauso wichtig wie ein unverkrampfter. Und wir setzen da an, wo die Spiele als Produkt aufhören. In unserem Workshop werden wir Spiele zum Spielzeug machen, Spielregeln brechen und eigene Spiele kreieren. Der Workshop richtet sich an diejenigen, die Lust haben, sich mit Computerspielen kreativ und produktiv auseinander zu setzen, wobei Computerspielanfänger/innen ebenso willkommen sind, wie Computerspielprofis.

Digitales Selbstmanagement

Carolin WiedemannUniversität Hamburg, Soziologie

Unter dem Schlagwort der virtuellen Identität träumten die Pioniere des Cyberspace in den 1990er Jahren von dem freien Spiel der Identitäten. Die tatsächliche Entwicklung des Netzes und nicht zuletzt das Web 2.0 träumen von der allumfassenden Vernetzung identifizierbarer, realer Personen mittels facebook, SchülerVZ oder Xing. Insbesondere für junge Menschen sind damit die Kommunikations-, Interaktions- und Partizipationsmöglichkeiten so zahlreich und dicht wie nie zuvor. Das Web 2.0 ist ein Mitmach-Netz. Zugleich werden die Kinder und Jugendlichen aber zu einem selbstdarstellerischen Impression Management und der Kommodifizierung der eigenen Person im Sinne der »Marke Ich« angehalten. Zudem erodiert die Grenze zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen. Der Schutz der persönlichen Daten wird zum Problem. Das Identitätsmanagement im Netz der zweiten Generation ist ein riskantes und prekäres Unternehmen. Im Workshop wird den Möglichkeiten wie den Gefahren des sozialen Netzes sowohl anhand theoretischer Reflexion als auch der praktischen Erprobung von Social Software und etablierten Membership-Services nachgegangen.

Hörspiel

Roman NeumannRadio-Journalist & Rundfunk-Regisseur

Hörspiel – das ist das Kino im Kopf. Geschichten in Hörspielform erzählen hat eine lange Tradition, nicht nur im Radio. Seit der Einführung des Web 2.0 erfreut sich das Hörspiel durch permanente Verfügbarkeit als Download und Podcast einer ganz neuen Beliebtheit. So wichtig das Web 2.0 heute als Verbreitungsweg für das Hörspiel ist, gibt es bestimmte Bedingungen, die es zu berücksichtigen gilt, will man z.B. ein mit Schülerinnen und Schülern im Unterricht selbstproduziertes Hörspiel als Podcast zur Verfügung stellen. Im Hör!Spiel! Workshop werden neben einer kurzen Einführung in Theorie und Geschichte des Hörspiels die Grundlagen der Hörspielproduktion vermittelt. Am Anfang jedes Hörspiels steht selbstverständlich eine Story, die mit radiophonen Mitteln umgesetzt werden muss damit das berühmte Kino im Kopf entstehen kann.
 Auf Grundlage einer eigenen Story soll im ersten Schritt dieses praxisorientierten Workshops eine Dramaturgie erarbeitet werden und ein Hörspielmanuskript entstehen. Den zweiten Schritt bildet die digitale Aufnahme der Story mit verschiedenen Stimmen, um dann am Computer in Verbindung mit Geräuschen, Musik und digitalen Effekten ein eigenes Kurzhörspiel zu produzieren. Im letzten Schritt erfolgt die technische Nachbearbeitung des Hörspiels damit es als Podcast veröffentlicht werden kann. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Zum Abschluss des Workshops werden die Hörspiele und Podcasts im Rahmen der Sommer-Uni 2011 präsentiert und die Ergebnisse gefeiert.

Journalistisches Schreiben

Tanja Nissen freie Print- und Hörfunkjournalistin

Was gehört in einen guten Bericht? Wie schreibt man eine spannende Reportage? Und was steht in einem Blog? Im Workshop Journalistisches Schreiben – vom Zeitungsbericht bis zum Blog lernen die Teilnehmer/innen die Grundlagen journalistischer Arbeit und klassischer journalistischer Texte kennen – aber auch moderne Formen, wie der Internetjournalismus sie mit sich bringt. In praktischen Übungen sollen sie ihre eigenen Reporterfähigkeiten testen und ein Konzept für ein eigenes journalistisches Blog entwickeln.

Mapped

Uli TondorfMedien- und Sozialpädagoge, Schleswig-Holstein www.schulkinowoche.lernnetz.de

Fotos auf dem Smartphone zu schießen ist alltägliche Praxis viele Kinder und Jugendlicher. Die Nut-zung des Handy ist meist praxiologisch: das eigentlich vorhandene Bewusstsein über die tieferliegenden, meist verborgenen Dimensionen der gebrauchten Technik wird ausgeblendet. So wird selten bedacht, dass die neuen Geräte bei der Nutzung ständig Hintergrundinformationen übermitteln. Eine Art dieser möglichen Hintergrundinformationen sind die so genannten Geotags, die sich auch schon beim Fotografieren in den Hintergrunddaten der Fotodatei speichern lassen. Dies soll in diesem Workshop in eine produktive Nutzung umgewandelt werden: Die Teilnehmenden erstellen einen Fotoroman, der sich über eine Karte lesen lässt. Die Teilnehmenden erhalten so eine unterrichtstaugliche produktive Methode, mit welcher sich die Möglichkeiten und Funktionen, aber eben auch Gefahren von Hintergrunddaten in die Sichtbarkeit und so mit Jugendlichen besprechen lassen.

Medienbildung in der Schule

Thore Olaf KühnIQSH
Christoph OlsenIQSH

Zentrales Anliegen des Workshops ist es, einen praxisorientierten Handlungsrahmen für den Erwerb grundlegender IT-Kompetenzen zu schaffen. Dafür werden Arbeitsbeispiele präsentiert. Die Teilnehmer bauen diese  Beispiele step by step nach. Schließlich wird die Umsetzung der erworbenen Kenntnisse in ein eigenes Beispiel angeleitet. Das Thema dieses nun selbstständigen Transfers wird individuell ausgewählt. Dabei wird bei der Themenfindung und -strukturierung beraten und in der anschließenden freien Arbeitsphase bei auftretenden Schwierigkeiten individueller betreut.