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Universität Flensburg
Institut für Bewegungswissenschaften und Sport

Sportbezogene Jugendforschung

Warum ist das Skateboard für manche Heranwachsende weitaus attraktiver als der Fußball? Und warum ziehen Akteure das Freerunning  dem Gerätturnen vor? Mit Blickrichtung auf die konkrete Person und unter Bezugnahme auf die von den genannten Bewegungsformen jeweils nahegelegten Körper-, Material- und Sozialerfahrungen wird man selbstverständlich sehr unterschiedliche Antworten auf diese Fragen geben können. Ein zentrales Kriterium für die Wahl des Skateboardings oder Freerunnings dürfte aber darin bestehen, dass sie eine klare Trennlinie zur Sportwelt der Erwachsenen ziehen und einen eigenwilligen Style in Gang bringen. Jugendliche Bewegungskulturen knüpfen so einerseits an einige klassische Verheißungen des modernen Sports an (Gemeinschaft, Expressivität, Augenblicks- sowie Spannungserleben) und grenzen sich andererseits von dessen starren Strukturen, Standardisierungen bzw. seiner ritualisierten Ordnung ab. Sie versuchen in gewisser Hinsicht dem historisch gewachsenen (Wettkampf-)Sport ihren eigenwilligen Bewegungsstil gegenüberzustellen und machen das ständige In-Bewegung-Sein zu einem Leit­motiv des biographischen Handelns von Heranwachsenden.

Obwohl einige jugendliche Bewegungskulturen wie das Surfen oder das Skateboarding schon selbst auf eine jahrzehntelange Geschichte zurückblicken, gehören sie mit ihrer Tendenz zur Hervorbringung eigener Aktionsräume, Gerätschaften, Sozialformen, Orientierungen und Zeitmuster sicherlich nach wie vor zu den schillernden und facettenreichsten Phänomenen im Feld des modernen Sports. Sie sind Experimentierfelder für innovative, erlebnisintensive Formen des körperlichen Ausdrucks, zeichnen sich unter anderem durch die weitestgehend fehlenden Autorität von Sportorganisationen über die jeweilige Handlungspraxis aus und betonen mit ihren mehr oder weniger riskanten Mustern der Körperthematisierung gleichzeitig den Wagnischarakter des Sports (vgl. Loret 1995; Rinehart 2000; Schwier 1998).

BMXing, Crossgolfen, Kitesurfing, Wellenreiten, Snow- oder Skateboarding artikulieren so nicht nur ein anderes Sportverständnis, sondern sind wegen ihres noch nicht automatisierten Bewegungs- und Zeichencodes für unterschiedliche Lesarten, Sinnzuschreibungen, Nutzungsoptionen und wilde Körperinszenierungen offen. Derartige Trendsportarten können einerseits für vieles stehen, andererseits trennscharf bewegungskulturelle Differenzen anzeigen und insgesamt einen Wettstreit um Stil stimulieren. Ihre im Wechselspiel zwischen Szene, Medien und Jugendmarketing hervorgebrachten Diskurse sind zugleich Ressourcen für unsere Imagination, sie halten Bilder und Erzählungen bereit, wie Körperlichkeit, Sportivität, Freiheit, Individualität und Gemeinschaft für junge Frauen und Männer in zeitgenössischen Gesellschaften zu leben sind.

Das Projekt zielt auf die Rekonstruktion von jugendlichen Bewegungskulturen (BMX, Skateboarding, Parkour, Slackline)  als Ausdruckskulturen und die jeweils eigenartige Aneignung von Räumen bzw. Gerätschaften.

Ansprechpartner

PfeilProf. Dr. phil. Jürgen Schwier

Anschrift:      Auf dem Campus 1
                     24937 Flensburg
Telefon:        +49 461 805 2717
Fax:              +49 461 805 2571
E-Mail:          juergen.schwier(at)uni-flensburg.de
Raum:           CH 011.3

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