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Das Friesische Seminar

Wir lehren und erforschen die Sprache, Literatur, Geschichte und Kultur Frieslands, wobei Nordfriesland hierbei von besonderer Wichtigkeit ist.

Unsere Schwerpunkte liegen dabei auf der sprach- und kulturwissenschaftlichen Landeskunde und Sozialgeschichte seit 1800, der historisch und modern orientierten Systemlinguistik, der Namenkunde, und der vergleichenden Minderheitenforschung. Darüberhinaus spielt die praktische Lehre der nordfriesischen Sprache eine zentrale Rolle in fast allen Veranstaltungen. Dabei legen wir Wert darauf, dass insel- und festlandsnordfriesische Varietäten gleichermaßen in der Lehre berücksichtigt werden. Viele unserer Studierenden werden nach Abschluss ihrer Zeit an der Europa-Universität Flensburg FriesischlehrerInnen, die an den Schulen im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland eingesetzt werden.

Friesisch - Was ist das eigentlich?

Friesisch bezeichnet eine westgermanische Sprachgruppe, die an der südlichen Nordseeküste verbreitet ist. Das Friesische wird den nordseegermanischen Sprachen zugerechnet und ist historisch eng mit dem Niederdeutschen ("Plattdeutsch") und besonders mit dem Englischen verwandt.

In der Gegenwart werden drei verschiedene friesische Sprachzweige unterschieden:

  • Westfriesisch ("Frysk") wird von ca. 400 000 Menschen in der niederländischen Provinz Fryslân (Friesland) gesprochen und ist dort auch Amtssprache. Es existiert eine westfriesische standardisierte Schriftsprache, die in Verwaltung, Bildung, Literatur und Medien Anwendung findet.
    (Achtung: Westfriesisch, bzw. West-Fries, ist gleichzeitig die Bezeichnung für eine Gruppe holländischer Dialekte in der niederländischen Provinz Nord-Holland.)

  • Ostfriesisch war bis ins späte Mittelalter im Nordwesten des heutigen Bundeslandes Niedersachsen und in der angrenzenden niederländischen Provinz Groningen verbreitet. Diese Sprache ist bereits seit Hunderten von Jahren nahezu ausgestorben. Bis heute hat sich nur im oldenburgischen Saterland ein Dialekt ("Seeltersk") mit etwa 2000 Sprechern erhalten.
    (Achtung: Ostfriesisch ist gleichzeitig die Bezeichnung für die niederdeutsche Mundart der Ostfriesen. Dieser Dialekt gehört aus linguistischer Sicht nicht zum Friesischen, es finden sich aber noch friesische Elemente in der Sprache.)

  • Nordfriesisch umfasst die friesischen Dialekte, die im nordwestlichen Schleswig-Holstein beheimatet sind. Einige Tausend Menschen beherrschen heute noch eine der nordfriesischen Mundarten. Als dialektübergreifende Selbstbezeichnung der Sprache hat sich "Friisk" eingebürgert.

Als gemeinsamer "Vorfahre" der drei Sprachzweige gilt das Altfriesische. Doch bereits die aus der Zeit zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert erhaltenen Zeugnisse des Altfriesischen weisen große Dialektunterschiede auf. Hinzu kommt die geografische Isolierung der drei Sprachzweige voneinander, die bereits seit vielen Jahrhunderten besteht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die drei heutigen friesischen Sprachen untereinander nicht mehr verständlich sind.

Nordfriesisch

Arbeitsschwerpunkt des Friesischen Seminars der Europa-Universität Flensburg sind die modernen nordfriesischen Dialekte. Das Nordfriesische hat Schätzungen zufolge aktuell noch bis zu 10 000 Sprecher. Beheimatet ist die Sprache an der Westküste Schleswig-Holsteins und heute noch im Gebiet nördlich von Bredstedt bis zur dänischen Grenze sowie auf den Halligen und den Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Helgoland lebendig. Dazu kommen Sprecher in der Dispora. Das Nordfriesische gehört zu den kleinsten Minderheitensprachen Europas.

In zahlreichen Kindergärten und Schulen in Nordfriesland werden nordfriesische Varietäten als Fremd- oder Muttersprache unterrichtet, die Angebote reichen bis zum Abitur. An den Universitäten in Flensburg und Kiel kann man zudem Friesisch studieren.

Das Nordfriesische weist eine in Europa wohl einzigartige dialektale Unterteilung auf kleinstem Raum auf: Wir unterscheiden heute nicht weniger als neun zum Teil sehr unterschiedliche Mundarten, weitere sind bereits ausgestorben. Auch Eiderstedt, das Gebiet um Husum sowie die Inseln Nordstrand und Pellworm waren einst friesischsprachig.

Die Hauptunterschiede zwischen den Dialekten gehen auf zwei verschiedene Einwanderungswellen im 8. und 11. Jahrhundert zurück, die zur Zweiteilung in inselnordfriesische und festlandnordfriesische Varietäten geführt hat. Aber auch der ungleichmäßig stark ausgeprägte Kontakt zu den Nachbarsprachen Niederdeutsch und Südjütisch ist für viele Abweichungen zwischen den Mundarten ursächlich. Die geografischen Gegebenheiten erschwerten den Kontakt zwischen den Nordfriesen untereinander zusätzlich und begünstigten die eigenständige Entwicklung der einzelnen Dialekte. Mangels eines kulturellen Zentrums der Nordfriesen hat es zudem nie Vereinheitlichungs- und Ausgleichstendenzen zwischen den Mundarten gegeben. Lange Zeit benutzten die Nordfriesen das Niederdeutsche als lingua franca, wenn ihre Dialekte so verschieden waren, dass sie sich damit nicht verständigen konnten.

Schutz und Förderung der Sprache sind durch die Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen, die schleswig-holsteinische Landesverfassung und das sogenannte Friesisch-Gesetz geregelt.