Flyer

Ringvorlesung "nichts"

Eine Kooperation der Europa-Universität, der Phänomenta und der Volkshochschule Flensburg.

Viel Lärm um Nichts, so ließe sich das Thema der aktuellen Ringvorlesung interpretieren. Andererseits, wenn die Alternative zwischen Alles oder Nichts besteht, was bedeutet es dann, wenn in der aktuellen Ringvorlesung das Nichts thematisiert werden soll? Was ist überhaupt Nichts, hat Nichts eine Bedeutung, und wenn ja, welche? Nichts kann gemacht, bereut, gestanden oder abgestritten werden, Nichts sehen, hören oder sagen die drei Affen, Nichts kann süß oder ein nutz sein … Wie lässt sich eigentlich über etwas sprechen, das gerade durch eine absolute Verneinung bestimmt ist und sich in somit auch als ausgesprochen unzugänglich erweist … aber andererseits dennoch steigerungsfähig erscheint? Denn immerhin gibt es ja auch noch gar nichts, was noch weniger als "nichts" zu sein scheint. Ist Nichts dann also etwas? Oder doch nichts?  Und welche Rolle spielt Nichts in politischer, gesellschaftlicher, philosophischer, religiöser oder naturwissenschaftlicher Hinsicht? Mit diesen Fragen werden sich die Vortragenden der aktuellen Ringvorlesung auseinandersetzen – und somit ist an den angegebenen Terminen in der Phänomenta: Nichts los.

Programm

Termin

Person

Titel (und Kurzbeschreibung)

7.11.

Prof. Dr. Christian Filk,
Seminar für Medienbildung

"Nichts" - Wegmarken einer 'Negativen Anthropologie': Martin Heidegger - Jean-Paul Sartre - Günther Anders

Das 'Nichts' ist ein Schlüsselbegriff des philosophischen Nachdenkens im 20. Jahrhundert. Wir begeben uns auf eine spannende Geschichte des Begriffs. Dabei wird unser Verständnis des Menschen in der Welt radikal in Frage gestellt - mit tiefgreifenden Folgen und Konsequenzen für uns im 21. Jahrhundert.

21.11.

Dr. Michael Meier,
Abteilung Erziehungswissenschaft

Das Nichts in der Pädagogik

Das Nichts gibt es nicht in der Pädagogik. Und doch spielt es für die Pädagogik als Orientierungsfigur in mehrfacher Hinsicht eine wichtige Rolle. Die Bedeutung des "Nichts" wird beispielhaft am Werk von Ellen Key "Das Jahrhundert des Kindes" diskutiert.

5.12.

Prof. Dr. Hedwig Wagner,
Europäische Medienwissenschaft

Das Medium und das Nichts: zwischen Dazwischenliegendem und Wesen

Der Filmschnitt beim klassischen Hollywoodfilm gilt dann als besonders gelungen, wenn er nicht bemerkt wird, als Montage unsichtbar bleibt. Das Medium, das Dazwischenliegende, das vermittelt, soll in seiner Vermittlung unbemerkt bleiben und nichts soll den Blick auf den Inhalt trüben. Es soll authentisch wirken, den Eindruck einer ‚vermittlungsfreien Vermittlung‘ – so paradox es klingen mag - hinterlassen. Andererseits fällt der Blick der Medienwissenschaftler_innen wie der Rezipient_innen auf das Material, das die Botschaft trägt, wird die Materialität der Kommunikation erkannt als Bedingungsmöglichkeit für das medienkulturelle Artefakt. Ein Buch kann andere Dinge und wird den Stoff anders vermitteln als ein Film, als ein Radiofeature usw. usf. Die Trägersubstrate und die technische Bedingtheit, die nicht negiert werden dürfen, sind der Medienwissenschaft ein Fundament.

Medienwissenschaft kennt diese Kippfigur, in der die Medialität, die spezifische Verfasstheit des Mediums, reflektiert wird und als Wesenhaftigkeit speziell dieser medialen Vermittlung (des Films, des Fernsehens oder anderer Medien) erfasst wird und so erst die Botschaft ausmacht, und andererseits in seiner Vermittlungsaspektierung nicht erkannt werden soll, die Rezipieremden eintauchen lassen in die Welt des Dargestellten.

Das Kippen zwischen dem ephemeren nicht-materiellen ‚Nichts‘ und dem Wesen des Mediums, das die Einzelmedienontologie begründet, soll mit Beispielen aus Filmen und neuen Medien nachvollzogen werden.

19.12.

Prof. Dr. Volkmar Herkner,
Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat)

Auf der Suche nach dem berufspädagogischen Nichts – Ein disziplinengeschichtlicher Exkurs zu den Ursprüngen von Berufen und Berufsbildung

In dem Vortrag wird – ausgehend vom heutigen Stand eines entwickelten (deutschen) Berufsbildungssystems – versucht, Antworten auf die Frage nach dem jeweiligen Zuvor zu finden. Auf diese Weise kann im Zeitraffer eine Reise vom Heute über die Zeit des Industrialismus, des Mittelalters und der Antike zu den Anfängen von beruflicher Bildung und Berufen unternommen werden. Es stellt sich letztlich die Frage, ob soziales Zusammenleben nicht auch schon immer Beruf und damit berufliche Bildung bedingt. Dann würde das Vergehen des berufspädagogischen Nichts mit dem Entstehen der Menschheit mehr oder weniger zusammenfallen.

9.1.

Dr. Lydia Schulze Heuling,
Abteilung für Physik und ihre Didaktik und Geschichte

Wenn der Vorhang gefallen ist - Eine performative Spurensuche ums Nichts

Was bleibt, wenn der Vorhang gefallen ist, die Show vorbei und die Gäste gegangen sind?
Was passiert, wenn an die Stelle von Sprechen Schweigen tritt, wenn Bewegung Erinnerung geworden ist und buntes Licht einer bizarren Schattenwelt weicht? Flüchtig ist die Aufführung, aber sie hinterlässt Spuren. Spuren, denen wir an diesem Abend versuchen werden zu folgen.

23.1.

Prof Dr. Iulia-Karin Patrut,
Seminar für Germanistik

Aus dem Nichts heraus: Zäsur und Transformation in der Literatur

6.2.

Prof. Dr. Birgit Däwes,
Seminar für Anglistik & Amerikanistik

Nothing But the Truth: Nichts & Wissen in US-amerikanischer Literatur und Kulturgeschichte

"Nichts" ist auch in der US-amerikanischen Kultur zunächst einmal negativ konnotiert. "Nichts" hält nicht stand, und so scheint es, wenn es einberufen wird, zumindest auf den ersten Blick immer kontrastiv auf das zu verweisen, was es nicht ist: "Nothing Else Matters" singt James Hetfield, der Sänger der kalifornischen Band Metallica, über eine besonders wertvolle menschliche Beziehung; und "Nothing But the Truth" wird vor Gericht geschworen, um gerade jene Wahrheit herauszustellen, die Absolutheitsanspruch hat.

Von verschwindenden Indianern bis zu Ground Zero und von Emily Dickinson bis zu den Simpsons wird dieser Vortrag exemplarisch beleuchten, wie sich das "Nichts" zu einem wichtigen aber keinesfalls eindeutigen Topos der amerikanischen Kulturgeschichte entwickelt hat.