Verantwortlich

Prof. Dr. Dr. h. c. Georg Spöttl, M.A.

Tel.:
+49 461 46020
SU1899-TextEinschliesslichBindestricheBitteEntfernen-@stw.de
Steinbeis-Transferzentrum InnoVET

Laufzeit

01.01.1998 - 31.12.2000

Projektmitglieder

Prof. Dr. Matthias Becker

Tel.:
+49 511 76217215
becker-TextEinschliesslichBindestricheBitteEntfernen-@ibm.uni-hannover.de
Institut für Berufswissenschaften der Metalltechnik

Projektpartner*innen

  • KWK - Kraftfahrzeug-Werkstatt-Konzept GmbH & Co. KG
  • FOREM (Belgien)
  • afpa (Frankreich)
  • Freie Kfz-Werkstätten
  • Beratende Partner aus Deutschland, Frankreich und Spanien
  • Institut Technik und Bildung, Universität Bremen

Institution der EUF

Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat)

Entwicklung und Implementierung eines arbeitsprozeßnahen Problemlöse- und Qualifizierungskonzepts und Aufbau eines Know-how Centers

Multi-Service-Center freier Kfz-Betrieb

Im Projekt "Multi-Service-Center – freier Kfz-Betrieb" werden problem- und arbeitsprozessorientierte Konzepte zur Qualifizierung von Mitarbeitern der freien Kraftfahrzeugbetriebe entwickelt und erprobt.

Stichworte

Qualifizierung, Kfz-Gewerbe, Kfz-Werkstatt

Beschreibung

Im Projekt werden folgende Ziele verfolgt:

  • Mit Fallstudien wird untersucht, welche Anforderungen aus dem Arbeitsprozeß freier Kfz-Werkstätten resultieren. Es wird bestimmt, welches Know-how die Mitarbeiter für Service und Reparatur benötigen. 
  • Es werden Konzepte zur Aufrechterhaltung des Qualitätsservice freier Kraftfahrzeugbetriebe entwickelt. 
  • Zur Bewältigung der Know-how "Flut" werden Vorschläge zu dessen Selektion, Aufbereitung und Nutzung am Arbeitsplatz erarbeitet. 
  • Das exemplarisch für eine Fahrzeugmarke aufbereitete servicerelevante Know-how wird dann freien Kfz-Betrieben über ein Know-how Center mittels Internet zur Verfügung gestellt, wobei es ureigenste Aufgabe des Know-how Centers sein wird, eine Ausweitung auf weitere Marken zu forcieren. 
  • Erstellen eines Weiterbildungskataloges für Gesamtdeutschland. 

Da die Schnelllebigkeit der im Kfz verbauten Technologie und die veränderten Servicestrukturen den Zwang einer ständigen Qualifizierung der Facharbeiter nach sich ziehen, werden insbesondere Konzepte entwickelt, die servicerelevantes Know-how so am Arbeitsplatz bereit stellen, dass gleichzeitig qualifizierende Effekte erreicht werden, also arbeitsplatznahes Lernen ermöglicht wird.

Innovation

Die Konzeption geht weit über die Möglichkeiten von computergestütztem Training (CBT) hinaus, weil arbeitsplatznahe Qualifizierung während des Arbeitens und insbesondere während der Lösung von Problemen möglich ist. Dazu wird servicerelevantes Know-how in einem Internet-Informationsnetz zur Verfügung gestellt. Es orientiert sich an den Arbeitsanforderungen der Facharbeit und ermöglicht eine bedarfsorientierte Qualifizierung, die durch andere Weiterbildungsmaßnahmen kaum erreicht werden kann. 

Im Projekt wird weiterhin ein Katalog über sämtliche in Deutschland verfügbaren Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter aus Kfz-Betrieben zusammengestellt und über neue Medien (Internet/Faxabruf) dem Sektor verfügbar gemacht.

Hintergründe

Strukturwandel im Service

Kundenanforderungen an den Komfort und die Sicherheit sowie gesellschaftliche Anforderungen an die Umweltverträglichkeit führen zu einer Vielzahl technischer Lösungen für das Kraftfahrzeug. Das Automobil ist dadurch zu einem komplexen technischen System geworden. 

Die Instandhaltung und Instandsetzung der Kraftfahrzeuge wird deshalb aus vielerlei Gründen erschwert. 

Zum einen erschwert der Einzug der Elektronik den Facharbeitern den Zugang zu Standardservice und zur Fehlerdiagnose. Zum anderen benötigt man heute teure und komplizierte Werkzeuge und Tester. Diese sind außerdem für nahezu jede Fahrzeugmarke verschieden. Kosten für einen Arbeitsplatz belaufen sich auf bis zu 250.000 DM. 

Die große Anzahl der technischen Lösungen führte zu einem explosionsartigen Anstieg von technischen Daten, Serviceinformationen, Reparaturanleitungen, Prüfanweisungen und Diagnoseprozeduren. Diese Dokumentationen können für ein einzelnes Fahrzeug den Umfang von 200000 DIN A4 Seiten erreichen. Zudem führen stete Lebensdauerverkürzungen von Produktzyklen zu einer ständigen Erneuerung des Wissens, welches in den Dokumentationen enthalten ist.

Verschlankung des Service

Zu den hieraus erwachsenden Problemen für Kfz-Betriebe kommt hinzu, daß der industrielle Wandel zu strukturellen Verschiebungen in der Automobilwirtschaft geführt hat. Kundendienstschulen und Cost-Centers werden "outgesourct"; Service- und Vertriebsstrukturen werden "schlank" gemacht.

Harausforderungen

Neben den qualifizierungsbezogenen, technologischen, ökologischen und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen ist heute die Kundenorientierung eine Voraussetzung für einen funktionierenden Qualitätsservice. Die Kfz-Werkstatt muß sich verstärkt Dienstleistungsaufgaben widmen, will sie im Wettbewerb bestehen. Dies führt zu einer Verschiebung der Anforderungen an die Facharbeit aller Beschäftigten in der Werkstatt. 

Diese Parameter des Strukturwandels machen es den Kraftfahrzeugbetrieben zunehmend schwerer, ihre täglichen Aufgaben zu bewältigen.

Informationsflut

Facharbeiter sehen sich in der Kfz-Werkstatt dieser Informationsflut und den veränderten Qualifizierungsanforderungen oft hilflos ausgeliefert. Vor allem freie Werkstätten, die sich nicht auf eine Fahrzeugmarke festlegen, sondern Fahrzeuge sämtlicher Fabrikate warten und instandsetzen, benötigen Hilfestellungen zur Aufrechterhaltung eines Qualitätsservice, der den gestiegenen Anforderungen der Kunden gerecht wird. Zu bedenken ist außerdem, daß freie Kfz-Werkstätten ohne die Unterstützung der Automobilhersteller zurechtkommen müssen.

Ergebnis

  • Becker, M.; Isermann K.: Arbeiten und Lernen mit rechnergestützten Diagnosesystemen im Kfz-Handwerk. Examensarbeit. Bremen, 1997
  • Spöttl, G.; Rauner, F.; Moritz, E. F.: Vom Kfz-Handwerk zum Qualitätsservice - Der US-amerikanische Kfz-Sektor nach der Trendwende. Donat. Bremen, 1997
  • Rauner, F.; Spöttl, G.; Olesen, K.; Clematide, B.: Beschäftigung, Arbeit und Weiterbildung im europäischen Kfz-Handwerk. FORCE-Studie, 1995
  • Rauner, F.; Spöttl, G.: Entwicklung eines europäischen Berufsbildes "Kfz-Mechatroniker" für die berufliche Erstausbildung unter dem Aspekt der arbeitsprozeßorientierten Strukturierung der Lehrinhalte. ITB-Reihe, Heft 13, 1995