Projekte Elektrotechnik & Informationstechnik

Arbeitsorientierte Berufsbildung (ARBI), Gestaltung und Erprobung von Lernprozessen in neuen kooperativen Ausbildungs- und Organisationsformen für die Berufsausbildung in Berufsschule und Ausbildungsbetrieb (Abgeschlossen)

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In den Industriebetrieben haben sich aufgrund des Arbeits- und Technologiewandels die Strukturen und Anforderungen in der Berufsarbeit verändert. Vor allem in den unmittelbaren Produktionsbereichen haben in den letzten Jahren neue ganzheitlichere Formen der Arbeitsorganisation, berufsübergreifende Gruppen- und Teamarbeit sowie Konzepte "schlanker" Produktion zu veränderten Arbeitsinhalten und neuen Qualifikationsanforderungen geführt. Neu und berufsübergreifend herausgefordert sind hierdurch heute insbesondere die Berufe des Industriemechanikers und Industrieelektronikers in der Fachrichtung Produktionstechnik. Diese Berufe wurden im Sinne neuer "Produktionsberufe" auch erst aufgrund der Arbeitsveränderungen für die direkten Produktionsbereiche der Industrie mit und seit der Neuordnung der Metall- und Elektroberufe von 1987 geschaffen.

Wie heute in allen Metall- und Elektroberufen ist die Zielsetzung und Grundlage für die Ausbildung in diesen neuen Berufen an einem neuen Leitbild zur selbständigen Facharbeit orientiert. Entsprechend ist in der beruflichen Erstausbildung eine umfassende berufliche Handlungs- und Gestaltungskompetenz zu vermitteln. Die konkrete Ausbildung in den Betrieben und Berufsschulen wurde bisher jedoch nur unzureichend verändert und "angepaßt". So sind gerade auch für die neuen "Produktionsberufe" insbesondere die Inhalte und Inhaltsstrukturen der curricularen Rahmenvorgaben wie auch die methodischen Ausbildungs- und Organisationsformen in den Schulen und Betrieben ausbildungsdidaktisch noch weithin traditionell geprägt und vielfach den alten Berufsbildern verhaftet. Ebenso sind lernortübergreifend Kooperationsprobleme festzustellen, die die notwendige Zusammenarbeit von Schule und Betrieb betreffen und z.B. ein gemeinsames Ausbilden und berufsübergreifendes Lernen in den Berufen der Industriemechaniker und Industrieelektroniker erschweren. Diese Probleme sind heute auch generell von Bedeutung und treffen das "Duale System" aktuell im Kern.

Untersuchungen zur betrieblichen Ausbildung zeigen, daß insbesondere die Ausbildung in der Industrie - bedingt durch die lange Zeit vorherrschende Taylorisierung und der wenig Lernchancen bietenden Produktionsarbeit - heute noch fast überwiegend im "Schonraum" der Lehrwerkstätten und deutlich nach Lehrgängen und nach Berufen getrennt organisiert ist. Aktuell sind hier auch Veränderungen aufgrund der Defizite und Widersprüche in den geltenden Ausbildungsrahmenplänen nicht zwingend. Eine an den Inhalten der neuen Produktionsarbeit orientierte und damit arbeitsprozeßbezogene und produktionsnahe Ausbildung wurde und wird dadurch in der industriellen Ausbildung bisher eher verhindert. Sie ist allenfalls in einigen neueren Ansätzen des "arbeitsplatzverbundenen" Lernens erkennbar. Die in den neuen "Produktionsberufen" geforderte berufliche und berufsübergreifende Handlungs- und Gestaltungskompetenz ist daher in den Industriebetrieben mit der traditionell systematischen Lehrwerkstatt-Ausbildung nur bedingt zu erreichen. Vergleichbares gilt weithin für die Ausbildung in den Berufsschulen. Diese orientiert sich auf der Ebene der Inhalte und Unterrichtsfächer curricular und didaktisch-methodisch noch vorwiegend an Konzepten, die ihre Begründungen einseitig in den Systematiken und der Spezifik der metall- und elektrotechnischen Fach- und Technikinhalte finden. Die Dominanz der Technikinhalte und Fachstrukturen führt in den Berufsschulen von daher ebenso zur Vernachlässigung arbeitsprozeßbezogener und handlungsrelevanter Berufsinhalte und Unterrichtsmethoden. Curriculare und ausbildungsdidaktische Abstimmungsprobleme auf der Ebene der Rahmenvorgaben wie konkret bei den Beteiligten in den Schulen und Betrieben kennzeichnen darüber hinaus die Situation der betrieblichen und schulischen Berufsausbildung. Neben und mit den generell notwendigen inhaltlichen und methodischen Ausbildungsveränderungen stellen sich insofern auch die alten Fragen und Probleme der dualen Organisation beruflicher Lernprozesse an den Lernorten im "Dualen System" im Prinzip neu.

Die skizzierten Fragen und Probleme zur Ausbildung in den neuen "Produktionsberufen" werden auf der Grundlage und mit den Zielsetzungen des BLK-Modellversuchs "Arbeitsorientierte Berufsbildung" - kurz ARBI - aufgenommen. Mit diesem Modellversuch, der zugleich parallel und in Kooperation mit einem Wirtschafts-Modellversuch zur betrieblichen Ausbildung in der Automobilindustrie durchgeführt wird, wird aktuell versucht, die curricularen Rahmenvorgaben sowie die Zusammenarbeit von Berufsschule und Betrieb für die Ausbildung der Industriemechaniker und Industrieelektroniker der Fachrichtung Produktionstechnik zu verbessern. Im Modellversuch werden insofern auch Leitideen und Ansätze für eine neue "arbeitsorientierte" Unterrichts- und Ausbildungsgestaltung umgesetzt. So soll sich unter Berücksichtigung berufs- und lernortübergreifender Aspekte insbesondere die schulische Ausbildung stärker und zugleich prospektiv an den arbeitsprozeßbezogenen und berufsfeldübergreifenden Arbeitsinhalten orientieren. Ebenso wird der Frage nachgegangen, wie im Kontext einer auch arbeits- und produktionsnäheren betrieblichen Ausbildung die alte klassische Trennung und Aufgabenteilung zwischen Schule und Betrieb durch neue didaktische und kooperative Ausbildungs- und Organisationsformen überwunden und insgesamt ein Beitrag zur Innovation des "Dualen Systems" geleistet werden kann.

Laufzeit: 01.12.1995 - 31.03.1999

Verantwortlich: A. Willi Petersen

Automatisierungstechnik als Lehr- und Lerngegenstand in der Berufsausbildung (AUBA) (Abgeschlossen)

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Der Modellversuch "Automatisierungstechnik als Lehr- und Lerngegenstand in der Berufsausbildung" - Kurzbezeichnung "AUBA" - ist ein Projekt der Bund-Länder-Kommission (BLK) zur Innovation in der schulischen Berufsausbildung im "Dualen System". Gemeinsam gefördert und unterstützt wird dieses Projekt vom Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) und vom Land Thüringen. Die Wissenschaftliche Begleitung zum Modellversuch erfolgte am Versuchsanfang durch das Fachgebiet Berufs- und Fachdidaktik am Fachbereich Elektrotechnik der Universität Gesamthochschule Kassel (GhK). Sie wurde übernommen und erfolgt heute durch das Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat) an der Universität Flensburg.

Ausgangspunkt und Hintergrund des Modellversuchs sind die Veränderungen und Wandlungsprozesse in der Automatisierung. Sie vollziehen sich heute branchenübergreifend in den verschiedenen Bereichen der Produktions-, Prozeß- und auch Gebäude- und Büroautomatisierung und verändern insbesondere die Arbeits- und Berufsinhalte im Berufsfeld Metall- und Elektrotechnik. Im Wirkungszusammenhang dieser Veränderungen ist die Berufsausbildung herausgefordert, die unterschiedlichen Bereiche der Automatisierung hinsichtlich spezifischer und gemeinsamer Berufsinhalte curricular zu analysieren und neue Ausbildungs- und Unterrichtskonzepte für die verschiedenen Metall- und Elektroberufe berufs- und berufsfeldübergreifend didaktisch zu erarbeiten, zu erproben und zu evaluieren.

Der Modellversuch AUBA nimmt diese Aufgaben auf und zielt im einzelnen auf die Erarbeitung von neuen Grund- und Fachbildungsinhalten zur Automatisierung. Unter Beachtung der Berufsbilder und im Abgleich mit den curricularen Rahmenvorgaben für die Metall- und Elektroberufe sollen dabei die neuen technologischen und arbeitsorganisatorischen Inhalte der Automatisierung in Industrie und Handwerk berücksichtigt werden. Besonders der Hybridcharakter und der Wandel von der Mechanik zur Elektronik in der Automatisierung bedingt eine berufs- und arbeitsbezogene und zugleich berufs- und berufsfeldübergreifende Differenzierung und Zusammenarbeit. Dies schließt eine übergreifende Abstimmung und Kooperation in der metall- und elektrotechnischen Ausbildung ein. Insofern sind am Modellversuch auch zwei Berufsbildende Schulen, eine zum Berufsfeld Elektrotechnik in Erfurt und eine zum Berufsfeld Metalltechnik in Jena-Göschwitz, beteiligt und in die Entwicklungen einbezogen.

Des weiteren soll im Modellversuch ein aufgaben- und handlungsorientierter Unterricht zur Automatisierung mit einem beruflich abgestimmten Konzept von Lernaufgaben verschiedener und didaktisch gestufter Komplexität und Inhaltsintegration entwickelt und erprobt werden. In den Unterrichts- und Projektvorhaben sollen die verschiedenen Bereiche der Herstellung, Planung und Montage sowie der Wartung und Instandhaltung von Automatisierungsanlagen berufsbezogen wie berufsübergreifend Berücksichtigung finden. Hierzu ist eine offene und migrationsfähige Medien- und Fachraumausstattung zu entwickeln, die eine realitätsnahe und experimentelle Theorie-Praxis-Verknüpfung zur Automatisierung erlauben und unterschiedliche Optionen zur Arbeits- und Technikgestaltung beinhalten soll.

Die skizzierten Fragen und Probleme zur Ausbildung in den neuen "Produktionsberufen" werden auf der Grundlage und mit den Zielsetzungen des BLK-Modellversuchs "Arbeitsorientierte Berufsbildung" - kurz ARBI - aufgenommen. Mit diesem Modellversuch, der zugleich parallel und in Kooperation mit einem Wirtschafts-Modellversuch zur betrieblichen Ausbildung in der Automobilindustrie durchgeführt wird, wird aktuell versucht, die curricularen Rahmenvorgaben sowie die Zusammenarbeit von Berufsschule und Betrieb für die Ausbildung der Industriemechaniker und Industrieelektroniker der Fachrichtung Produktionstechnik zu verbessern. Im Modellversuch werden insofern auch Leitideen und Ansätze für eine neue "arbeitsorientierte" Unterrichts- und Ausbildungsgestaltung umgesetzt. So soll sich unter Berücksichtigung berufs- und lernortübergreifender Aspekte insbesondere die schulische Ausbildung stärker und zugleich prospektiv an den arbeitsprozeßbezogenen und berufsfeldübergreifenden Arbeitsinhalten orientieren. Ebenso wird der Frage nachgegangen, wie im Kontext einer auch arbeits- und produktionsnäheren betrieblichen Ausbildung die alte klassische Trennung und Aufgabenteilung zwischen Schule und Betrieb durch neue didaktische und kooperative Ausbildungs- und Organisationsformen überwunden und insgesamt ein Beitrag zur Innovation des "Dualen Systems" geleistet werden kann.

Laufzeit: 01.08.1995 - 31.12.1998

Verantwortlich: A. Willi Petersen