Geschichtspreis für Dr. Bettina Goldberg
Abseits der Metropolen – Juden in Schleswig-Holstein
Kiel. Spät – nämlich erst Ende des 16. Jahrhunderts - kamen Juden nach Schleswig-Holstein. Sie blieben eine kleine Minderheit, konzentriert in Altona, Rendsburg und wenigen weiteren Orten. Ihr Schicksal vor und während der Zeit des systematischen Verfolgens durch die Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 wurde für die Zentren jüdischen Lebens wie Berlin oder Frankfurt/Main früh und gründlich erforscht. Es fehlte jedoch an Arbeiten über ländliche Regionen wie Schleswig-Holstein. Diese Lücke schließt die Monographie „Abseits der Metropolen – die jüdische Minderheit in Schleswig-Holstein“. Sie wurde 2011 von der an der Flensburg Universität lehrenden Historikerin Bettina Goldberg veröffentlicht. Ein Buch, das nach Ansicht der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) „überfällig“ war. Die Habilitationsschrift von Bettina Goldberg wurde deshalb im Rahmen der Jahresversammlung der GSHG in der Landesbibliothek in Kiel am Mittwochabend (23.05.12) mit dem mit 3.000 € dotierten Preis der Gesellschaft ausgezeichnet.
Das Buch von Bettina Goldberg, so GSHG-Vorsitzender Jörg-Dietrich Kamischke, habe lange gefehlt und setze nun Maßstäbe für andere Teile Deutschlands mit jüdischer Minderheit. In der Laudatio erklärte er, ein ähnlich umfangreicher und fundierter Überblick wie der von Bettina Goldberg läge derzeit noch für keine andere deutsche Region vor. Ihn begeistere an dem gut lesbaren 800-seitigen Werk vor allem der genaue und detailreiche Überblick. Besonders sei an dem Buch, dass die Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein auch aus der Innensicht beschrieben wird. Es stelle dar, wie jüdische Menschen die Zeit nach 1933 erfahren, gedeutet sich gegenseitig geholfen und schließlich gehandelt hätten. Eindringlich schildere die Autorin auch, wie Juden nach 1933 dem Terror der Straße, Boykotten, Berufsverboten ausgesetzt waren und Schritt für Schritt ausgegrenzt wurden. Rund 2.000 Juden aus Schleswig-Holstein wurden in Konzentrationslager verschleppt, weniger als die Hälfte davon überlebte.
Der Preis der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) wurde vor vier Jahren aus Anlass des 175-jährigen Bestehens der Gesellschaft gestiftet. Ermöglicht wird er seitdem alljährlich durch die Brunswiker Stiftung.
SCHRIFTFÜHRERIN
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Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte im Internet: www.geschichte-s-h.de


