In dem Forschungsprojekt werden philosophische Konzeptionen des menschlichen Körpers in der analytischen Philosophie, der Phänomenologie und der Geschichte der Philosophie daraufhin befragt, welche Anknüpfungspunkte sie für Fragen der Normativität in einem weiten und für ethische Fragen im engeren Sinne bilden.
2006 haben wir hierzu an der Universität Flensburg eine durch die Volkswagen-Stiftung geförderte internationale Konferenz Körper und Normativität organisiert und durchgeführt.
Die Herausgabe eines Sammelbandes ist gerade abgeschlossen.
Reichold, Anne/Delhom, Pascal (Hrsg.)
Normativität des Körpers
Aufl./Jahr: 1. Aufl. 2011
256 Seiten, Kartoniert
Preis: 32.-
ISBN: 978-3-495-48460-9
In diesem Sammelband werden Körperkonzepte aus unterschiedlichen philosophischen Traditionen unter der gemeinsamen Fragestellung nach dem Verhältnis von Körper und Normativität zusammengebracht. Es gibt in der Philosophie eine starke Tendenz, den Bereich der Normativität, sei sie moralisch, sozial oder politisch, von demjenigen des Körpers zu trennen oder zumindest ihr Verhältnis so zu gestalten, dass Normen und Regeln auf den Körper angewendet werden und nicht vom Körper selbst ausgehen. Ausgangspunkt der vorliegenden Aufsätze ist die Beobachtung, dass sowohl der eigene Körper als auch der Körper anderer Menschen nicht primär als physikalischer Körper beschrieben und erlebt wird, sondern handlungsorientierenden oder sogar auffordernden Charakter haben kann. Die hier vorliegenden Texte fragen, ob der menschliche Körper Anlässe oder gar Maßstäbe für diese normative Behandlung und Bewertung bzw. für eine eigene moralische oder soziale Normativität bietet. Die Grundfrage nach dem Verhältnis von beschreibbaren Fakten und normativen Bewertungen wird hier zugespitzt auf die Frage danach, inwieweit der menschliche Körper in sich selbst Maßstäbe zum menschlichen Handeln und zu einem Umgang mit Menschen enthält. Der Körper unterhält nicht nur interessante Verhältnisse zur Seele oder zur Vernunft, sondern er ist je nach Position auch Ansatzpunkt oder gar Quelle von Normativität.
Auf einer interdisziplinären Tagung zum Wert des Fiktiven, die wir 2007 an der Universität Flensburg organisiert haben, wurde die Rolle von Fiktionen für die Ethik, für die Philosophy of Mind, für die Sprachentwicklung von Kindern und für Kunst und Religion thematisiert. Die Tagungsergebnisse sowie weitere Beiträge werden derzeit zur Veröffentlichung vorbereitet.
Abgeschlossenes Buchprojekt und weitere Veröffentlichungen zur Rolle des Körpers und des Leibes in Theorien der Person (Die vergessene Leiblichkeit. Zur Rolle des Körpers in ontologischen und ethischen Persontheorien. Paderborn: mentis 2004). Während der Körper in ontologischer Hinsicht für den Personbegriff relevant ist, werden in ethischen Persontheorien körperliche Bestimmung kaum thematisiert oder explizit abgewiesen. Bewusstsein, Vernunft und Freiheit gelten als die zentralen ethischen Personkategorien. Ziel des Projekts ist herauszuarbeiten, in welchen Hinsichten die Körperlichkeit gerade für einen ethisch tragfähigen Personbegriff systematisch relevant ist.
Buchprojekt, in dem Positionen der Neurophilosophie, der Evolutionstheorie und der Philosophie des Geistes daraufhin untersucht werden, welche Rolle praktisch-normative Selbstbeschreibungen von Menschen in ihnen spielen. Zentrale Fragen sind hierbei:
Gegenstand des Forschungsprojekt, das von der Deutschen Stiftung Friedensforschung für 21 Monate gefördert wird und seit dem 01. April 2010 am Institut für Philosophie der Universität Flensburg läuft, ist das Zusammenwirken von Verantwortung und Vertrauen als Formen sozialer Verbindlichkeit, die zur Herstellung und Sicherung des sozialen Friedens beitragen können, ohne auf eine politische Instanz zurückzugreifen, die mit einem Monopol der legitimen Gewalt diese Verbindlichkeit notfalls durchsetzt.
Das Projekt sieht die Organisation zweier Workshops vor ("Verantwortung als friedfertige Form sozialer Verbindlichkeit" und "Vertrauen als friedfertige Form sozialer Verbindlichkeit"). Die Ergebnisse dieser Workshops und der Arbeit am Projekt sollen in Buchform und auf einer Internet-Seite mit der Möglichkeit einer Rückmeldung der interessierten Öffentlichkeit veröffentlicht werden.
Buchprojekt, in dem die Frage der Gewalt aus der Perspektive des Erleidens gestellt wird und eine entsprechende Kritik der Gewalt ausdrücklich nicht als Gewalttat oder als strukturelle bzw. symbolische Gewalt, sondern als erlittene Gewalt durchgeführt wird. Grundlage dieser Kritik ist eine Phänomenologie der Verletzung in ihren verschiedenen Dimensionen, von der körperlichen bis hin zu den sprachlichen und rechtlichen Verletzungen.
Buchprojekt über das Denken des Friedens in der Geschichte der Philosophie seit der Antike und über neuere Entwicklungen der Philosophie des Friedens. Schwerpunkte bilden das Augustinische Denken des Friedens als "Ruhe der Ordnung", das bis zum Anfang der Moderne bestimmend war, die vertrags- und rechtstheoretische Auffassung des Friedens von Hobbes bis Kant, die Pazifismus-Debatte im XIX. und im XX. Jahrhundert, sowie neue Ansätze eines Denkens des Friedens im Zeitalter der Globalisierung.